Serieninfos & News

24 Folgen

Deutsche Erstausstrahlung: 14.03.1958 (ARD)

Die Krimiserie 'Stahlnetz' basiert auf realen Begebenheiten und gibt Einblick in die mühevolle Kleinarbeit der Kriminalpolizei bei der Aufklärung von Verbrechen.

Regie: Jürgen Roland (1-24), Thomas Bohn (25,26), Markus Imboden (29), René Heisig (28), E. J. Lauscher (27)

Drehbuch: Wolfgang Menge (1-24), Jessica Schellack (25,26), Orkun Ertener (27), Friedrich Ani (28), Markus Stromiedel (29)

Fortsetzung als Stahlnetz (D, 1999)

Fernsehlexikon

24 tlg. dt. Krimireihe von Jürgen Roland und Wolfgang Menge. Kommissare überführen Mörder in abgeschlossenen Filmen.

Die erste deutsche Krimiserie im engeren Sinn. Die erste Folge lief noch unter dem Titel von Jürgen Rolands Reihe Der Polizeibericht meldet, galt aber im Nachhinein als Beginn von Stahlnetz, das aus ihr hervorgegangen war. Zehn Jahre lang hielt sich die Reihe, die eine der erfolgreichsten Sendungen der 50er und 60er-Jahre wurde. Als Vorlage dienten angeblich authentische Polizeiakten, jedoch wurden Namen und Schauplätze geändert, "um Unschuldige und Zeugen zu schützen". Jede Folge begann ähnlich: "Dieser Fall ist wahr. Er wurde aufgezeichnet nach Unterlagen der Kriminalpolizei", wurde auf einer Schrifttafel eingeblendet.

Die einzelnen Filme waren in sich abgeschlossen und mit wechselnden Schauspielern besetzt, wie später beim Tatort. Anders als beim Tatort gab es jedoch fast keine wiederkehrenden Rollen und schon gar keine festen Teams. Der am häufigsten eingesetzte Ermittlerdarsteller war mit sieben Einsätzen Heinz Engelmann, jedes Mal in einer anderen Rolle. Auf ebenso viele Stahlnetz-Auftritte brachte es nur Kurt Klopsch, der jedoch lediglich kleine Nebenrollen und Ganoven spielte. Überhaupt: Wer einmal einen Kommissar gespielt hatte, musste das nicht beim nächsten Mal wieder tun. Mehrfach gesehene Darsteller waren außerdem Friedrich Schütter mit fünf und Wolfgang Völz sowie Karl-Heinz Gerdesmann mit jeweils vier Einsätzen, auf je drei kamen Hellmut Lange, Helmut Peine, Herbert Tiede, Richard Lauffen, Peter Lehmbrock und Kurt Jaggberg. Dieter Eppler spielte nur in zwei Folgen mit, jedoch sogar beide Male in der Rolle des Kommissar Hauke.

Der jeweilige Hauptdarsteller war in einer zweiten Funktion stets als Off-Sprecher zu hören und kommentierte die Fälle oder ließ die Zuschauer seine Gedanken hören. Manchmal kamen auch Beobachter oder sogar Täter auf diese Weise zu Wort. In den ersten Folgen schilderte zusätzlich ein anonymer Off-Sprecher den Verlauf der Ereignisse. In der Folge "Die Tote im Hafenbecken" vom August 1958 sieht man eine junge Dame, die ihr Bett herrichtet, und hört dazu die Stimme des Erzählers, die lapidar erklärt: "Sie braucht ihr Bett nicht zu machen. Heute nicht mehr. Sie lebt nur noch knapp drei Stunden." Wenig später erläutert er, dass der Fall womöglich noch heute ungeklärt wäre, "wenn nicht der Hafenarbeiter Kurt Wilhelm drei Monate später eine Banane gegessen hätte".

Jürgen Roland heimste für Stahlnetz Ende der 50er-Jahre unzählige Lorbeeren ein, galt doch das Format der halbdokumentarischen Schilderungsweise der Fälle als kreativ und innovativ. Das war sie zweifelsohne, doch die kreative und innovative Leistung stammte von Jack Webb, dem Erfinder der US-Serie Polizeibericht. Stahlnetz war nur eine Kopie. Sie übernahm das Konzept, den aus dem Off sprechenden Hauptdarsteller, auch den einleitenden Satz "Dieser Fall ist wahr ...", selbst den Titel (Polizeibericht hieß im Original "Dragnet", der US-Fachausdruck für eine Großfahndung). Sogar die berühmte Titelmusik war die gleiche. Walter Schumann hatte sie komponiert, das Orchester Erwin Halletz spielte sie in der deutschen Version.

Ganz so dokumentarisch, wie sie behauptete, war die Reihe natürlich nicht: Manche Folgen waren eher nur inspiriert von realen Fällen, manchmal fehlte der Satz "Dieser Fall ist wahr", und es hieß nur: "Dieser Fall wurde aufgezeichnet nach Unterlagen der Kriminalpolizei." Menge selbst, der 21 der 22 Drehbücher verfasste, sagte einmal, er habe mit Jürgen Roland immer von einer letzten Stahlnetz-Folge geträumt, die anfängt mit den Worten: "Dieser Fall ist wirklich wahr."

Die Episoden wurden im Lauf der Zeit immer länger: Die ersten Folgen dauerten noch 30 bis 40 Minuten; die letzten hatten durchweg Spielfilmlänge von mindestens 90 Minuten. Trotz der wechselnden Sendeplätze war jede Stahlnetz-Folge ein Ereignis - und häufig ein Straßenfeger. Nach 22 Fällen war Schluss, zwei davon waren Doppelfolgen. 31 Jahre später wurde die Reihe von der ARD wiederbelebt.

Übrigens: Als der Hafenarbeiter die Bananenschale ins Wasser warf, sah er die Leiche im Wasser treiben.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier.

im Fernsehen

in Kürze

  •  
  • NDRDeutschland
    am Mittwoch, 04.07.2012

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Kommentare, Erinnerungen und Forum
  • kommentator1kommentator1schrieb am 05.03.2008:

    Ich halte das mit dem Paradigmenwechsel nicht für zutreffend.
    In meinen Augen ist der Grund weshalb die Serie Ende der 1990er und von 2000 bis vor paar Monaten so 'anlockend' wenig gezeigt wurde, war damit die Leute eben die sehr teure Restauration in Form einer DVD kaufen sollen. Zu der Austrahlung von vor Mitte der 1990er kann ich aufgrund meines Alters von Mitte Zwanzig nichts sagen.
    Ähnlich habe es mit der Serie Auf Achse erlebt, wo im Jahr 2005 lediglich ich glaub 20 Folgen oder so gezeigt wurden.

    Umso mehr hat es mich erfreut die Serie Stahlnetz in den letzten Wochen und Monaten anschauen zu dürfen, dass sie ausgestrahlt wurde. Vielen Dank liebes Öffenlich-Rechtliche-Fernsehen! Ebenso würde ich mich über die Ausstrahlung von AufAchse freuen!
    DVD-Kauf lohnt für mich bei vielem nicht, da ich sowieso nur einmal anschaue und die Handlung somit kenne, ein weiteres Anschauen also uninteressant ist. DVD-Ausleihe von Serien sind schwierig oder teuer.

    antwortenantworten

  • HansHans(geb. 1958)schrieb am 21.01.2008:

    Ich habe mich immer gefragt, warum die Folgen jahrzehntelang nicht wiederholt wurden (von wenigen Ausnahmen abgesehen) und ich sie erst jetzt zum esrten Mal sehen kann. Inzwischen ist mir klar, dass dafür der sogenannte 'Paradigmenwechsel' seit den 70er Jahren die Ursache sein dürfte. Ind den alten Stahlnetzfolgen werden die Verbrecher noch als echte Schurken dargestellt und die Polizisten als Saubermänner, die jeden kriegen. Das passte nicht emhr in die Reformzeit der sozialliberalen Koalition und dem damit einhergehenden Wandel, nachdem Verbrecher gar keine echten Verbrecher sind, sondern eher arme Opfer der kapitalistischen Gesellschaft. Aus demselben Grunde wurde ja auch das Strafgesetz 'reformiert'. Die Folgen dieser 'Reform' bekommen wir heute zu spüren.

    antwortenantworten

  • Mike KahlertMike Kahlert(geb. 1970)schrieb am 03.09.2007:

    Nach Anfrage beim Sender 3sat, ob es geplant ist weitere Folgen von Stahlnetz zu senden, hat mir die Redaktion fplgende Termine genannt. Ich gebe diese mal hier weiter, damit Stahlnetzfreunde sich diese merken können.

    Die VORLÄUFIGEN Termine lauten:

    28.10.2007, 22:40 Uhr: Die blaue Mütze
    04.11.2007, 23:35 Uhr: Die Tote im Hafenbecken
    11.11.2007, 23:15 Uhr: Sechs unter Verdacht
    18.11.2007, 23.30 Uhr: E 605
    25.11.2007, 23:00 Uhr: E 605
    09.12.2007, 22:45 Uhr: Verbrannte Spuren
    16.12.2007, 22.55 Uhr: In der Nacht zum Dienstag
    13.01.2008, 22:45 Uhr: In jeder Stadt
    20.01.2008, 22:45 Uhr: Spur 211
    27.01.2008, 22:45 Uhr: Spur 211

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Abstimmungsdaten
Diese Serie haben bisher 816 Fans auf ihrer Wunschliste.
Anteil männlicher/weiblicher Fans:   76.71%23.29%
Fan-Durchschnittsalter: 50,1 Jahre

Abstimmung in der Rubrik "Krimis".

Abstimmungsverlauf

Abstimmungsverlauf
Gesamtplatzierung
Platz:157. (156.)Absteiger
Stimmen:2575  

Letzte Woche
Platz:470. (181.)Absteiger
Stimmen: 

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