1987-1994. Mehrstündiges Frühstücksfernsehen.
Mit einem PR-Coup startete das morgendliche Fernsehen in Deutschland. Sat.1 hatte den Start seines Frühstücksfernsehens Guten Morgen mit Sat.1 für den 1. Oktober 1987 angekündigt, und RTL beschloss kurzerhand, schon eine Woche früher zu beginnen, um dieses "medienhistorische Ereignis" für sich verbuchen zu können. Nicht nur die Presse, auch die meisten Mitarbeiter erfuhren erst am Tag zuvor, dass es schon am 23. September losgehen würde. Zum Team der ersten Stunde gehörten Sexberaterin Ruth Westheimer, der Zisterzienserabt Thomas (der "Knüller in der Kutte") und Karl Lagerfeld, der einen "chic schnack" veranstaltete. Die erste Sendung wurde von Olaf Pressler moderiert, die Wettervorhersage präsentierte Gottfried Mehlhorn, der seinen Hund Otto als Maskottchen mitbrachte, und für die Nachrichten war Karl-Heinz Kaul zuständig.
1988 übernahm Rainer Holbe die Morgenmoderation. Dessen Karriere bei RTL endete abrupt, als ein "Stern"-Redakteur 1990 den Fehler machte, ein Buch von Holbe zu lesen, in dem dieser seine Kommunikation mit Geistwesen beschrieb. Holbe zufolge hätten ihm zwei Geistwesen verraten, dass das Krebsleiden des verstorbenen Hans Rosenthal die Strafe dafür gewesen sei, dass er in einem früheren Leben gestohlen und gemordet hatte. Außerdem habe Rosenthal nun auch für sein jüdisches Volk mitgebüßt. 1991 moderierte erstmals Wolfram Kons, der zum dauerhaftesten Frühaufsteher im deutschen Fernsehen wurde.
Guten Morgen Deutschland war auch der Titel der Radio-Frühstückssendung von RTL. Die Fernsehversion trug von 1989 bis 1991 den längeren Namen Hallo Europa - Guten Morgen Deutschland. 1994 stellte RTL die Sendung zugunsten von Serien ein und reduzierte das Infotainment auf 30 Minuten (Punkt 7).