20 Episoden
Deutsche Erstausstrahlung: 09/1984 (ARD)
Die angesehene Münchner Brauerfamilie Wiesinger stammt aus dem bayerischen Oberland, einem Ort namens Oberwössen, wo noch immer ein Teil der Familie lebt. Sie haben es aus eigener Kraft in nur zwei Generationen zu einem beachtlichen Familienbetrieb gebracht. In dritter Generation leitet nun Anton Wiesinger (Hans-Reinhard Müller), ein Patriarch, die Brauerei. Seine Frau Gabriele (Gaby Dohm), mehr als zehn Jahre jünger als Anton, hat es mit ihm nicht leicht. Anton ist stur, launisch und kleineren Affären – wegen einer zahlt er sogar Alimente – nicht abgeneigt. Anton und Gabriele haben drei Kinder: Ferdl (Werner Stocker), der Älteste, Theres (Irene Clarin) und Toni (Ralf Weiss, Oliver Linow). Die besten Jahre erlebt die Familie in der viel beschworenen Prinzregentenzeit. Doch die Familie bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont. Theres stürzt vom Pferd und hinkt fortan ein wenig. Sie wird über ihre Behinderung zur Einzelgängerin. Nach einer unglücklichen Liaison mit dem Sohn des Hopfenhändlers Brandl (Gustl Bayrhammer), Franz Xaver Brandl (Udo Wachtveitl), beschließt sie, sehr zum Kummer ihres Vaters, nie zu heiraten. Mit seinem ältesten Sohn Ferdl, der ihm eigentlich sehr ähnlich ist, überwirft sich Anton nach jahrelangen Streitigkeiten über die Frage, wie die Zukunft der Brauerei zu gestalten sei. Ferdl wandert schließlich nach Amerika aus. Am schwersten trifft Anton jedoch der plötzliche Tod seiner Frau Gabriele. Sie verunglückt tödlich mit dem Automobil. Anton macht sich schwere Vorwürfe, weil er glaubt, mitschuldig an ihrem Tod zu sein. Neuen Lebensmut gewinnt er erst wieder, als er die dreißig Jahre jüngere Französin Lisette (Diane Stolojan) kennen lernt und kurz darauf heiratet. Mit Geduld weiß sich Lisette gegen die Launen ihres Mannes durchzusetzen. Freude macht Anton nur Toni (Florian Kern), der Jüngste. Als bayerischer Leutnant scheint er eine glänzende Militärkarriere vor sich zu haben.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs beginnt der Niedergang der Wiesingers. Toni, der inzwischen die Leitung der Brauerei übernommen hat, meldet sich, wie viele, begeistert als Freiwilliger. Zwei Jahre später wird Toni am Surdukpass in Rumänien vermisst und es wird noch vier weitere Jahre dauern, bis er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sein wird. Auch in der Brauerei läuft es schlecht. Anton, der seine Abneigung gegen den Krieg offen bekennt, bekommt deshalb kaum noch Rohstoffe für die Brauerei. Er muss sie sich zusammenbetteln. Dass es der Familie jedoch nicht ganz schlecht geht, dafür sorgt Ferdl, der aus Amerika regelmäßig Lebensmittelpakete schickt. Theres hilft im Lazarett und wird dadurch immer selbstbewusster. Gegen Kriegsende lernt sie dort den aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammenden und national gesinnten Hauptmann und Gymnasialprofessor Wolfgang Oberlein (Miro Nemec) kennen, dem ein Bein amputiert worden ist. Theres verliebt sich in Oberlein und bricht ihren Schwur niemals zu heiraten. Mitten im Krieg heiraten die beiden. Nach dem Krieg kommt die Brauerei nicht mehr auf die Beine. Anton, mittlerweile über siebzig Jahre alt, fehlt die Kraft, wichtige Entscheidungen zu treffen. Dabei sollte eigentlich Toni (Ulrich Gebauer) die Brauerei leiten. Aber der hat daran keinerlei Interesse. Schwer gezeichnet von der Gefangenschaft, versucht er seine Depressionen mit Spiel, Frauen und Drogen zu vergessen. Während der Inflationszeit steht die Brauerei 1923 vor dem Ruin. Völlig verzweifelt holen Lisette und Theres Ferdl aus Amerika zurück. Er soll den Betrieb retten. Ferdl, der in Amerika ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden ist, gelingt dies auch vorläufig durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Zum ersten Mal kann sich Ferdl gegen seinen Vater durchsetzen und zum ersten Mal ist Anton stolz auf seinen Sohn. 1932 wird zum Schicksalsjahr für die Familie. Toni ist nach einer Entziehungskur spurlos verschwunden und Oberlein macht in der NSDAP Karriere, bis er von der jüdischen Abstammung seines Vaters erfährt und deshalb aus der Partei austritt. Anton hat München den Rücken gekehrt und verbringt seinen Lebensabend in einer Villa am Starnberger See. Dort trifft er Irene Döring (Gaby Dohm), die jüngere Schwester seiner ersten Frau Gabriele. Mit ihr erlebt er glückliche Tage, bis er in der Zeitung von der Auflösung des Familienbetriebs liest, die Ferdl gegen den Großaktionär Baron Lyssen (Imo Heite) nicht hatte verhindern können. Anton erleidet eine Herzattacke, an deren Folgen er kurze Zeit darauf stirbt.
(BR)
Leopold Ahlsen erzählt die Geschichte einer angesehenen Münchner Brauerfamlie von der Jahrhundertwende bis 1932. Die Wiesingers stammen aus dem bayerischen Oberland und haben es durch Fleiß binnen zweier Generationen in der Haupt- und Residenzstadt München zu einem beachtlichen Familienbetrieb gebracht, der ihnen ein behagliches Leben in den besseren Kreisen der traditionsbewussten, aber legeren Münchner Gesellschaft gestattet.
Die Zeit, in der der erste Teil der Serie spielt, ist die viel beschworene „gute alte Prinzregentenzeit“. „München leuchtete“, schrieb Thomas Mann. München war nicht nur eine Großstadt, in der man lebte und leben ließ, dazu eine Hochburg der Künste und Künstler, es erlebte vor und nach der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert auch eine Epoche der Bauwut und der wirtschaftlichen Blüte im Gefolge der technischen Umwälzungen, die das 20. Jahrhundert einläuteten.
Den Münchnern und den Zugezogenen, den „Zuagroasten“, auch Nordlichter genannt, ging es gut, und das zeigten sie auch. Sie feierten, liebten ihr Leben, ihr schönes Land und das gute Bier. Vor diesem Hintergrund schildert Leopold Ahlsen die Familie des Brauereibesitzers Anton Wiesinger, wie dort die junge Generation nachdrängt, wie Schicksalsschläge einen gestandenen, lebensfrohen Mann streifen, aber nicht unterkriegen und wie er erst mit Ausbruch des Vierzehner-Kriegs resigniert, als seine Familie an einem Nullpunkt angelangt ist, als eine Welt versinkt und ein Lebensgefühl endet. Etwas von diesem Alt-Münchner Lebensgefühl wollen die ersten zehn Geschichten aus glanzvollen vierzehn Jahren spürbar machen.
Auch in den zweiten zehn Geschichten (Bücher Leopold Ahlsen, Hans Gottschalk, Bernd Fischerauer) geht es um heitere und traurige Begebenheiten, die sich innerhalb der Familie Wiesinger abspielen, diesmal vor dem Hintergrund der Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und jenen Jahren, die der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten unmittelbar vorangingen. Die Bitternis des Krieges, der Zusammenbruch des Königreichs Bayern, die Revolution in München, der Hunger der Nachkriegszeit, die Inflation, das Aufkeimen neuer Hoffnungen in der Mitte der zwanziger Jahre, die Weltwirtschaftskrise bestimmen das Bild. Am Ende dieser Epoche sind die Vorzeichen der kommenden Gewaltherrschaft nicht zu übersehen.
(BR
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