Serieninfos & News

13 Episoden

Deutsche Erstausstrahlung: 13.11.1978 (ARD)

Sie ist schwierig, arrogant, neugiereig, sie scheint kalt und herzlos, unberechenbar und rücksichtslos, die hübsche Hauptperson in der englischen Serie "Liebe zu Lydia". Aber sie ist auch - doch das zeigt sich erst gegen Ende - äußerst verwundbar. Kein Wunder, dass sich die jungen Männer scharenweise in sie verlieben - und scharenweise dabei unglücklich werden.

Die Fernsehserie entstand nach dem gleichnamigen Roman von H. E. Bates (1905 bis 1974) und spielt Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre in der Kleinstadt Evensford. Das eintönige Leben in der englischen Provinz zu jener Zeit bildet den Hintergrund des Geschehens. Die junge, lebenslustige Lydia begehrt auf gegen die Konventionen ihres Daseins und sehnt sich nach Ungebundenheit und Abenteuern.

Keiner ihrer Verehrer begreift, dass sie sich ausleben will, dass sie Angst vor einer Bindung hat und ihr der Besitzanspruch ihrer Partner auf die Nerven geht. "Liebe zu Lydia" ist eine Geschichte, die nicht nur von Aktionen lebt, sondern ihre Spannung aus den wechselnden Beziehungen zwischen den Personen bezieht.

Da ist zunächst der junge, guterzogene Reporter Edward Richardson, der von seiner Lokalzeitung den Auftrag erhält, über die vornehme Familie Aspen, deren Oberhaupt gestorben ist, einen Artikel zu schreiben. Im Herrenhaus der Aspens lernt er die zwanzigjährige Lydia kennen, die Tochter des Toten, die früher in einem Landhaus lebte und nun als künftige Erbin eingezogen ist.

Ihre scheue, schweigsame Art, die aber plötzlich in Ausgelassenheit und wilden Übermut umschlagen kann, verwirrt Richardson. Dennoch kommen die beiden einander näher. Lydia erzählt ihm von einer einsamen, unglücklichen Kindheit, während er ihr gesteht, dass er seinen Reporterberuf hasst und Schriftsteller werden möchte. Unter dem Einfluss von Lydia, in die er sich hoffnungslos verliebt, gibt Richardson seine Stellung bei der Zeitung auf und wird Lydias erster Liebhaber. Doch er begreift nicht, warum sie seinen Heiratsantrag ablehnt.

Zu Lydias Verehrern gehört auch der junge, wohlhabende Alex Sanderson, der sich gern nach außen oberflächlich und ironisch gibt. In Wirklichkeit leidet er aber an der Leere seiner Existenz. Nun hofft er, dass Lydia seinem Leben einen Sinn geben könne. Sie kokettiert auch mit ihm, doch dann wendet sie sich jäh ab, und er verzweifelt.

Ihr nächster Verehrer ist ein junger, ehrlicher Landwirt. Er ist bereit, ihr alles zu opfern, und sie scheint seine Liebe zu erwidern. Da setzt ein tragisches Mißverständnis seinem Leben ein Ende.

Und schließlich ist da noch Blackie, ein junger Automechaniker, der Lydia und ihre Verehrer zu den Tanzveranstaltungen in der Umgebung fahren muss. Er imponiert Lydia durch seine Unerschrockenheit. Es gelingt ihr, ihn zu zähmen, und er bleibt bei ihr, auch als sie am Schluss erkrankt.

Den Rahmen zu diesen Liebesgeschichten bildet die sanfte Landschaft Mittelenglands. Aber auch die Wirtschaftskrise und die sozialen Spannungen jener Zeit werden immer wieder sichtbar. Wie in dem Roman von Bates zeigt sich der allmähliche Verfall der englischen Oberschicht, der blinde religiöse Fanatismus der Presbyterianer und die trostlose Monotonie des Provinzlebens. Es ist unübersehbar, dass Bates hier viel Autobiographisches verarbeitet hat.

(von Brigitte Bumiller aus ihrer Notiz-Sammlung aus dem Jahr 1978)

mit Mel Martin (Lydia Aspen), Christopher Blake (Edward Richardson), Rachel Kempson (Tante Juliana Aspen), Beatrix Lehmann (Tante Bertie Aspen), Michael Aldredge (Rollo), David Ryall (Bretherton), Peter Davison (Tom), Jeremy Irons (Alex Sanderson), Ralph Arliss (Blackie), Sherrie Hewson (Nancy), Natasha Parry (Mrs. Aspen), Laura Graham (Flora), David Stewart (McKechnie), Antony Brown (Stirling), Carol Frazer (Unity), Basil Clark (Dreyer), Neal Arden (Author)

Fernsehlexikon

1978-1979. 13-tlg. brit. Liebessaga von Julian Bond nach dem Roman von H. E. Bates, Regie: John Glenister ("Love For Lydia"; 1977).

Die schüchterne Lydia Aspen (Mel Martin) wächst in den 20er Jahren bei ihren Tanten Juliana (Rachel Kempson) und Bertie (Beatrix Lehmann) und deren Bruder Rollo (Michael Aldridge) auf einem britischen Landsitz auf. Gleich vier Männer lieben sie: der ambitionierte junge Journalist Edward Richardson (Christopher Blake), in den wiederum die Bauerntochter Nancy (Sherrie Hewson) verliebt ist, Nancys Bruder Tom (Peter Davison), Edwards bester Freund Alex (Jeremy Irons) und der Taxifahrer Blackie (Ralph Arliss). Nach einigem Hin und Her, währenddessen Lydia selbstsicherer und -bezogener wird und die Umgarnung der Männer genießt und schamlos ausnutzt, entscheidet sie sich für Edward und klettert mit seiner Hilfe die soziale Leiter hinauf.

Drehbuchautor Julian Bond hatte genügend Zeit für die Adaption der Romanvorlage. Jede Folge war 50 Minuten lang. Umgerechnet standen ihm also 50 Minuten Sendezeit für jeweils 17 Seiten des Buches zur Verfügung, was genügend Raum nicht nur für die komplette Handlung ließ, sondern auch für ausführliche Ansichten des ländlichen Englands, der damaligen Kleider und der Musik und Tänze der 20er Jahre.

Die Serie lief montags um 20.15 Uhr.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier.

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Kommentare, Erinnerungen und Forum
  • NostalgieNostalgieschrieb am 01.09.2011:

    Als Kind hat mir eine Serie im Fernsehen beeindruckt, an die ich letztens aus irgendeinem einem Grund mal denken musste. Allerdings wusste ich nicht mehr, was für eine Serie es damals war, nur, dass sie mich sehr angespochen hatte. Ich hatte dunkel junge Leute in 20er Jahre Kleidung in Erinnerung und Oldtimer, die durch eine englische Landschaft gefahren sind. An die Handlung konnte ich mich nicht mehr erinnern. Nach einigem Suchen im Internet habe ich heraus gefunden, dass die Serie 'Liebe zu Lydia' hieß. Ich habe mir die DVD`s gekauft, weil ich das unbedingt mal wieder sehen wollte. Gleich bei der ersten Folge habe ich die Gesichter der Schauspieler wieder erkannt, vor allem an Nancys Gesicht habe ich mich sofort wieder erinnert und wusste jetzt sicher, dass es die Serie von damals ist. Ich hatte gar nicht gewusst, dass Jeremy Irons darin mitgespielt hatte. An die Handlung kann ich mich immer noch nicht erinnern, deshalb macht es nicht nur aus nostalgischen Gründen Spaß, die Serie mal wieder anzuschauen, sondern es ist auch spannend, weil ich nicht mehr weiß, was genau passiert ist und wie es ausging. Die Serie ist sehr gut und leider gibt es heutzutage so etwas kaum noch, eigentlich so gut wie gar nicht mehr, im Fernsehen.

    antwortenantworten

  • minamina(geb. 1956)schrieb am 08.09.2011:

    ich hatte damals 1978 den film angesehen es waren serien. ich war schwanger und der name gefiel uns beiden so gut das wir unsere tochter lydia nante. nun ist sie selber mama. würde mich freuen wen der film nochmal im fernsehen zu sehen ist

    antwortenantworten

  • HelmutHelmut(geb. 1948)schrieb am 18.10.2010:

    Hallo, Ich bin wohl im Kreise der 'Lydia-Fans' bislang der älteste.
    Es war eine stilvolle Unterhaltung mit tollen Schauspielern, allen voran MEL MARTIN. Warum wird eine solche Serie nicht wiederholt? Glauben die Verantwortlichen, daß sie zu wenig Quote macht?
    Ich habe mir jetzt die gesamte Serie auf DVD in Englisch gekauft - übrigens zu einem vertretbaren Preis von rund 35 EURO. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, der Zauber von Evensford und dem Aspen-House war wieder da - so wie 1978 bei der Erstausstrahlung.
    Helmut

    antwortenantworten

  • andiandi(geb. 1964)schrieb am 01.12.2009:

    Hallo, schön zu sehen, dass es noch andere 'Lydia'-Fans gibt. Da ich nicht zu hoffen wage, dass diese Serie jemals in Deutschland auf DVD erscheint, habe ich in GB danach gesucht. Es gibt die Serie auf DVD, allerdings nur auf englisch. Hat irgendjemand diese Serie auf DVD und kann mir sagen, ob die Box Untertitel hat?
    Vielen Dank schon jetzt für die Antwort
    Andreas

    antwortenantworten

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