Serieninfos & News

97 Episoden

Deutsche Erstausstrahlung: 03.01.1969 (ZDF)

Sender: ZDF, 3sat, ZDFdokukanal

[... Der Kommissar] ist ruhig, wirkt sehr "beamtenhaft" und pflegt einen nahezu väterlichen Umgang sowohl mit Assistenten wie mit Tatverdächtigen. Seine Stärken liegen nicht im schnellen Umgang mit der Waffe, sondern in guter Beobachtungsgabe und scharfem Verstand. Der Mord selbst wird im Grunde zur Nebensache, denn die Beziehungen zwischen Täter und Opfer werden in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt. Das Beleuchten der psychologischen Hintergründe ist nun ein zentraler Bestandteil der Tataufklärung. Neu ist auch die Erfindung des Ermittlerteams, das uns in heutigen Produktionen so vertraut geworden ist. Es gibt ihn, den "Chef", der durch seine unaufdringliche Autorität die Hierarchie anführt und es gibt die Helfer, die fast unauffällig zu einem runden Bild beitragen.

Kennzeichnend für die Serie sind auch die jeweiligen Settings, in denen die Geschichten angesiedelt sind. So wird beispielsweise im Münchner Hippie-Milieu recherchiert, und damit werden Drogendelikte und Sexualverbrechen plötzlich ein Thema. Ein Krimi, der sehr aktuell Themen seiner Zeit aufgreift und den moralisch rechten Weg auf spannende Weise vermittelt [...]

Text: Sonja Dreher

Quelle: ZDF

mit Erik Ode (Kommissar Keller), Günther Schramm (Walter Grabert), Fritz Wepper (Harry Klein), Elmar Wepper (Erwin Klein), Reinhard Glemnitz (Robert Heines), Emely Reuer (Helga Lauer), Helma Seitz (Polizeisekretärin Rehbein), Rosemarie Fendel (Frau Keller)

Drehbuch: Herbert Reinecker

Fernsehlexikon

97 tlg. dt. Krimiserie von Herbert Reinecker.

Kommissar Keller (Erik Ode) ist ein ruhiger, humorvoller Mann um die 60, der in Mordfällen in München und Umgebung ermittelt. Zu seiner Mannschaft gehören Walter Grabert (Günter Schramm), der ebenfalls eher ruhig und gefühlsbetont agiert, Robert Heines (Reinhard Glemnitz), ein sachlicher, kühler Rechner, sowie Harry Klein (Fritz Wepper), der Jüngste im Team und - mit einem Flokatiparka versehen - die universelle Schnittstelle zu allen Jugendszenen. Die Kollegen arbeiten und halten eng zusammen, verbringen auch mal ihre Freizeit zusammen und essen gemeinsam in ihrer Stammkneipe. Aber auch ein Bier im Dienst war damals noch keine Sünde. Vor Keller haben die jüngeren Kollegen Respekt und siezen ihn selbstverständlich, während Keller seine Mannschaft genauso selbstverständlich duzt. Fräulein Käthe Rehbein, genannt Rehbeinchen (Helma Seitz), ist Kellers treue, ewig Kaffee kochende Sekretärin. Als Harry Klein im Sommer 1974 das Team verlässt und zum Kollegen Derrick versetzt wird, kommt ab Folge 75 sein Bruder Erwin Klein (Elmar Wepper) neu dazu. Kommissar Keller hat sogar ein Privatleben und ist gelegentlich zu Hause bei seiner Frau (Rosemarie Fendel), die ihm die Regengaloschen nachträgt. Wegen Odes paternalistischer Art - vor und hinter der Kamera - verlässt sie die Serie jedoch nach einiger Zeit.

Der Kommissar lief monatlich freitags um 20.15 Uhr und wurde ein Dauerbrenner, Erik Ode (der eigentlich Odemar hieß) ein Fernsehstar. Das junge Publikum ließ sich jedoch schon damals durch Odes betuliche, schleppende Beamtenart abschrecken. Der Kommissar kam ohne reißerische Action aus und setzte auf Psychologie und Gespräche. Viele, lange, redundante Gespräche. Eine Waffe gebrauchte der Kommissar selten. Seine letzten Worte an sein Team nach einem abgeschlossenen Fall waren schlicht: "Ich danke euch."

Jede Folge war eine Stunde lang, und alle Folgen waren in Schwarz-Weiß gedreht, obwohl das Farbfernsehen schon vor Beginn der Serie längst eingeführt war - ein Symbol dafür, dass die Serie zwar der Begründer der Tradition des klassischen deutschen Serienkrimis wurde, aber nicht eigentlich für Modernität stand. Auch Kommissar Keller beobachtete die sich im wahren Leben abspielenden gesellschaftlichen Umbrüche aus der Warte des konservativen Kopfschüttlers. Oft genug zeigten die Folgen warnend, wohin so viel Freizügigkeit führen kann. Kritiker warfen der Serie nicht von ungefähr "anti-aufklärerisches und antidemokratisches Wirkungspotential" vor. Durch die große Zahl verschiedener Regisseure und Kameraleute war Der Kommissar andererseits eines der abwechlungsreichsten Spielfelder in Sachen Bildgestaltung, Montage und Erzähltechnik, die das deutsche Fernsehen bis dahin hervorgebracht hatte, und karikierte in der Rückschau den beamtenhaften Gestus des Inhalts. Ebenso ungewöhnlich war der expressive Musikeinsatz, mit dem die Serie manche Stücke in den Hitparaden hochkatapultierte.

Entwickelt wurde die Serie von Herbert Reinecker, der sämtliche Drehbücher schrieb, und dem Produzenten Helmut Ringelmann, der schon die ZDF-Krimireihen Das Kriminalmuseum und Die fünfte Kolonne erfunden hatte. Mit dem Kommissar befreite er sich von dem vorher in deutschen Krimis scheinbar herrschenden Zwang, sich auf echte Fälle zu beziehen, verzichtete aber auch auf Action und Gewalt, wie sie die amerikanischen Krimiserien im deutschen Fernsehen zeigten.

Fritz Wepper stieg 1974 aus der Serie aus und spielte die Rolle des Harry Klein fortan in der neuen Serie Derrick, die ebenfalls Reinecker erfunden hatte. Es war das erste Mal im deutschen Fernsehen, dass eine Figur von der einen in eine andere Serie transferiert wurde, somit war Derrick streng genommen der erste deutsche Serien-Spin-off. Nachfolger des Kommissars wurde Der Alte.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier.

im Fernsehen

Zurzeit nicht im deutschen Fernsehen.

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Kommentare, Erinnerungen und Forum
  • LehmannLehmann(geb. 1963)schrieb am 21.12.2011:

    HaLLO; Es schade das bei den - Der Kommissar - 4 Boxen , drei Stücke fehlen.Ich würde mich freuen wenn ein Fan von Der Kommissar , mir dabei helfen würde das ich diese drei Stücke bekomme ,sonst ist es ja nicht komplet die Sammlung. Es fehlen- Anonyme Anruf, Das goldene Pflaster, Der Mord an Dr. Winter.

    antwortenantworten

  • Kommissar-FanKommissar-Fanschrieb am 22.12.2010:

    Weiß jemand, wann es mit der Ausstrahlung in 3sat weitergeht, die letztes Jahr zugunsten des 'Polizeiruf 110' unterbrochen wurde?

    antwortenantworten

  • TechniscopeTechniscope(geb. 1960)schrieb am 08.06.2011:

    Ich hatte gelesen, das es Ende 2010 oder Anfang 2011 weitergehen soll. Leider ist bisher nichts geschehen, sehr bedauerlich, die Informationspolitik von 3SAT lässt mehr als zu wünschen übrig.

    antwortenantworten

  • Peter Thomas SuschnyPeter Thomas Suschny(geb. 1962)schrieb am 06.11.2010:

    Erik Ode wäre heute 100 Jahre alt.
    Passend dazu wird der Wiener Theseus Tempel fertig saniert.
    Dort traf sich in den ausgehenden 60er-Jahren die Kiffer-Szene in der österreichischen Bundeshauptstadt - genau in solchem Milieu ermittelte der Kommissar immer wieder, in eher als 'Tanzschuppen' zu bezeichnenden Discos - so wurde die Welt der Jugendlichen erstmals auch in das breite Bewusstsein gerückt.
    Die ARD-Konkurrenz 'Tatort' läuft nach einem Pilotfilm 1969 diesen Monat genau 40 Jahre und ist noch immer nicht fad, genial, was sich Krimiserien-Gestalter damals so ausdachten, Konzepte, die in Zeiten von Containershows, Promi-Kochshows und Musiktalente-Sendungen und brutalen Gewalt-Exzessen noch immer reüssieren, wo auch schon 'Wetten das' alt aussieht.

    antwortenantworten

  • KlausKlaus(geb. 1962)schrieb am 06.07.2011:

    Hallo Ihr Kommissar-Fans, ich finde auch schade, das in den 4 Boxen - drei Folgen fehlen - war aber nicht so tragisch, da die netten Leute vom ZDF mir einen Sendemitschnitt gemacht haben. Die Serie war einfach super - sowas kommt nie mehr wieder - leider.
    Nun es gibt noch Derrick, Der Alte, Ein Fall für Zwei, etc.

    antwortenantworten

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Abstimmungsdaten
Diese Serie haben bisher 1228 Fans auf ihrer Wunschliste.
Anteil männlicher/weiblicher Fans:   77.27%22.73%
Fan-Durchschnittsalter: 49,4 Jahre

Abstimmung in der Rubrik "Krimis".

Abstimmungsverlauf

Abstimmungsverlauf
Gesamtplatzierung
Platz:219. (220.)Aufsteiger
Stimmen:2118  

Letzte Woche
Platz:139. (74.)Absteiger
Stimmen: 

Fans dieser Serie haben u.a. auch gestimmt für:

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