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Sat.1 auf Sparprogramm (17.07.2007)

Ein ehemals hoffnungsvoller Privatsender verkündet die Entscheidung, zwei seiner Boulevardmagazine einzustellen. So weit, so gut - sollte man eigentlich denken.

Doch die Reaktionen auf diese Entscheidung zeigen, dass es hier nicht darum geht, zwei überflüssige Sendungen aus dem Programm geworfen und durch zwei andere überflüssige Sendungen ersetzt zu haben, sondern einzig und allein um die Begründung: Denn nicht die Quoten waren diesmal ausschlaggebend, sondern die Kosten!

Schließlich will man den unter defizitären Zuschauerzuspruch leidenden - aber höchst profitablen Sender noch ein wenig profitabler machen. Und dazu braucht man nicht unbedingt hohe Einschaltquoten (obwohl das natürlich helfen könnte). Nein, in erster Linie braucht man: Billiges Programm!

Und man muss kein BWL studiert haben, um festzustellen, dass der Transport alter abgenudelter Barbara-Salesch-Shows aus dem Archiv in die Senderegie billiger ist als die Produktion diverser Newsshows mit rund 80 Mitarbeitern.

Der Aufschrei einiger Landesmedienzentralen und Politiker, die Sat.1 jetzt mit Lizenzentzug drohen, weil die Zulassung als "Vollprogramm" in Gefahr sei, kommt allerdings ein paar Jahre zu spät, denn Sat.1 ist schon lange keins mehr.

Sieht man mal von dem jährlich stattfindenden "Asterix-Filmfestival" ab, zeigt Sat.1 seit 2004 kein einziges Kinderprogramm mehr. Diese Entscheidung, die in anderen Ländern längst mit einem Lizenzentzug geendet hätte, wurde in Deutschland von den Aufsichtsbehörden (den Landesmedienanstalten) toleriert bzw. gar nicht erst bemerkt, denn die stehen - siehe 9live - eher auf der Seite der Sender als auf der der Zuschauer.

So wird Sat.1 sein Sparprogramm - nach einigen mahnenden Politiker- und bösen Gewerkschaftlerworten - gnadenlos durchziehen, die Rendite steigern und womöglich als strahlendes Vorbild für befreundete und konkurrierende Sender dienen.

Unnötig zu erwähnen, dass man damit zwar "Heuschrecken", aber keine Zuschauer zufrieden stellen kann.

Ralf Schönfeldt
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