...zur Premiere der ARD-Comedyshow "Das Ernste"

In "Müllers Meinung" blickt wunschliste.de-Autor Mario Müller in unregelmäßigen Abständen auf aktuelle Entwicklungen aus der bunten Welt des Fernsehens. Natürlich ganz subjektiv.
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| Bild: © rbb/ARD |
Im Stile einer "Tagesthemen"-Sendung präsentierte Kabarettist Florian Schroeder diverse, witzig gemeinte Einspielfilme, in denen er selbst und seine Comedy-Kollegen Antonia von Romatowski, Marti Fischer, Thomas Nicolai und Sara Kelly-Husain Politiker, Showstars, ARD-Talker und andere Prominente parodierten. Die Idee der Nachrichtensendung nahm man also von der "heute-show", die der Parodien von "Switch Reloaded". Erstes großes Problem war die mangelnde Aktualität. Wenn die "Tagesthemen" der Rahmen sind, wirken die vor einem Monat aufgezeichneten zeitlosen Beiträge einfach zu altbacken und belanglos. Zweites Problem: Wenn Florian Schroeder Günther Jauch parodiert, sehe ich - obwohl er das wirklich gut macht - nicht etwa eine Parodie auf Günther Jauch, sondern eine auf Michael Kessler, der Günther Jauch parodiert.
Da sind wir wieder bei der Messlatte. Natürlich ist es kein Tabu, Promis zu parodieren, die schon seit langem höchstprofessionell von den ProSieben-Kollegen aufs Korn genommen werden. Aber eine Art Himmelfahrtskommando ist es schon. Vielleicht gingen die Macher ja auch davon aus, dass das ARD-Publikum "Switch Reloaded" nicht kennt. Tollkühner Plan. Zumal man ja tatsächlich vor einem Jahr noch versucht hatte, Martina Hill, Martin Klempnow und Max Giermann von "Switch Reloaded" abzuwerben. Die stattdessen engagierten Parodisten machten ihre Sache zweifelsohne auch nicht schlecht. Aber bei derartiger Konkurrenz leider nicht gut genug. Und wenn der Parodist, der ja in der Regel kein Gag-Autor, sondern im besten Fall ein guter Schauspieler ist, dann auch noch Gags bekommt, die nicht zünden, nimmt das Unglück seinen Lauf.
Auch wenn ich nur einen Arm hätte, so hätten die Finger trotzdem gereicht, um meine Lacher zu zählen. Da war der von Comedy-Newcomer Marti Fischer großartig parodierte Mesut Özil mit den tricktechnisch aufgeblasenen, klappernden Riesenaugen, die Werbeparodie auf 'Carglas' ('Senfglas'), "Tagesschau"-Legende Jo Brauner, der beim Gag-Nachrichtenverlesen von Schroeder mit den Worten "Ruhig, Brauner!" unterbrochen wurde und Sara Kelly-Husain, die als Charlotte Roche durchaus Parodie-Potential hat. Alles andere war einfach nur bemüht, hölzern und nicht lustig. Aber die Schadenfreude bleibt mir im Halse stecken. Ich bin fast schon wieder so sauer wie bei der vertanen Chance mit "Gottschalk Live".
Ich hätte nicht gedacht, dass es in der ARD - abgesehen von den Nachrichtensendungen - erlaubt ist, auf einen Abspann zu verzichten. Die Autoren und Produzenten bleiben also im Verborgenen. Und so wird es wohl auch der ganzen Sendung ergehen, denn wenn da nicht schnell jemand das Gaspedal findet und ein paar gute Witze reinknallt, wird es keine Fortsetzung geben. Das ist nicht nur ein Armutszeugnis für das finanziell nicht eben schlecht ausgestattete Erste Deutsche Fernsehen, sondern auch schade für Künstler wie den jungen Herrn Fischer. Wobei: mit seinen Parodien auf Dieter Nuhr, Mesut Özil und Philipp Rösler hat er sich durchaus für die erste Liga empfohlen und wird schon irgendwo unterkommen.
Ich mache mir Sorgen um die Innovationsfreude der ARD im Allgemeinen und den Comedy-Bereich im Speziellen und schließe mich der kritischen Meinung Olli Dittrichs und Christian Ulmens an, die vor zwei Wochen im SPIEGEL mit der ARD hart ins Gericht gingen, dem Senderverbund mangelnde Flexibilität vorwarfen und mit ihren Programmideen auf taube Ohren stießen. Wer die eigenen vorhandenen Potentiale nicht erkennt beziehungsweise in den Dritten Programmen und in den Digitalsendern versteckt - ich denke da neben Humor-Genie Dittrich auch an Leute wie Jan Böhmermann und Pierre M. Krause - der hat den Erfolg auch nicht verdient.
21.12.2012 - Mario Müller/wunschliste.de

























