Müllers Meinung

...zu "Brot und Spiele"


Müllers Meinung
In "Müllers Meinung" blickt wunschliste.de-Autor Mario Müller ab sofort in unregelmäßigen Abständen auf aktuelle Entwicklungen aus der bunten Welt des Fernsehens. Natürlich ganz subjektiv.

Ab durch die Mitte
Bild: © WDR/Willi Weber

Wettergott Jupiter meinte es gut mit der Premiere von Matthias Opdenhövels ARD-Samstagabendpremiere "Brot und Spiele". Trotz Unwetterwarnung blieb die beeindruckende römische Arena in Xanthen trocken - so wie weite Teile der ganzen Sendung. Leider. Denn eigentlich bin ich ein Fan der klassischen Live-Show am Samstagabend. Aber blöderweise erwartete ich eine Art "Spiel ohne Grenzen", also lustige und/oder spannende Actionspiele, ohne Sinn, aber voller Spaß. Klar, meine Schuld: Ich hätte mal die Presseinfo lesen sollen. Statt einer temporeichen Spielshow gab es eine (bzw. drei) bunte Geschichtsstunde(n) zum römischen Reich. Mit bunten, aufwändig produzierten und zum Teil computeranimierten Einspielfilmen wurde den Zuschauern im ProSieben-"Galileo"-Stil das Leben im alten Rom nahegebracht und erklärt. Co-Moderatorin Mareile Höppner stellte u.a. antike Waffen und Speisen vor, und Archäologen zeigten, was man in Xanthen schon alles ausgegraben hat. Das war alles recht interessant und dank der imposanten Kulisse und der zahlreichen originalgetreuen Anschauungsstücke auch sehr schön anzusehen - aber leider insgesamt nicht gerade kurzweilig und trotz allen ausstatterischen Aufwands doch irgendwie trocken.

Natürlich wurde auch gespielt. Zwei prominent besetzte Teams absolvierten diverse Wissens- und Geschicklichkeitsspiele, vom Zielschießen mit historischen Pfeil-Geschützen, über das Erkennen römischer Speisen und Fundstücke bis hin zum Wettfeuerlöschen mit antiken Wasserspritzen. Mal mehr, mal weniger unterhaltsam, aber oft zu langatmig.

Als Promis traten an: Jens Riewa, Andrea Kaiser, Maite Kelly, Henry Maske, Franziska von Almsick , Bernhard Hoëcker, Christine Neubauer und Ralf Moeller, die dann auch in den Einspielfilmen zu sehen waren. So zeigte Jens Riewa zum Beispiel, wie schwer es sich im 25 Kilo schweren Kettenhemd marschieren lässt und präsentierte außerdem eine antike "Tagesschau"-Ausgabe mit Nachrichten aus dem alten Rom. Und Maite Kelly und Franziska van Almsick machten einen Wellness-Ausflug in eine römische Therme. Das waren gute Ideen, die filmisch gut umgesetzt wurden, aber dennoch fehlte es inhaltlich an Witz und Esprit. DEN gab es aber gottseidank von Moderator Matthias Opdenhövel und Bernhard Hoëcker, die sich bei jeder Gelegenheit foppten und alle Register ihres komödiantisch-improvisatorischen Talents zogen, um der Show Spaß zu verleihen. Ohne Opdenhövels freche Sprüche und Hoëckers wahnwitzige Klugscheißereien hätte ich die Sendung wahrscheinlich nicht durchgehalten. Zu unspannend die Spiele, zu langatmig der Rest. Einzig der Gladiatorenkampf zwischen Henry Maske und Ralf Möller, bei dem Box-Techniker Maske als Sieger hervorging, und das Wagenrennen mit Andrea Kaiser und der schnelleren und siegreichen Christine Neubauer am Ende der Sendung gaben Anlass zum Mitfiebern.

Der Auftritt der professionellen Wagenrenn-Truppe "Excalibur" sorgte für Action und Tempo, aber insgesamt war die Show angesichts ihrer tollen Kulisse und Gesamtlänge zu langsam und zu langatmig. Vielleicht hätten ein oder zwei hochkarätige Musik-Acts dem Treiben gutgetan, immerhin hatte man eine Sendezeit von 180 Minuten veranschlagt. Und die wurden überraschenderweise auch noch um fast exakt eine Viertelstunde unterboten! Also die Zeit der fehlenden Musikeinlagen. Opdenhövel, der "Anti-Gottschalk". Dieser überzog natürlich deutlich, als er mit seinem "Sommer "Wetten, dass..?"" Anfang der 90er Jahre in Legionärskluft hier gastierte. Aber ich will Opdenhövel nicht mit Gottschalk vergleichen. Der ARD-Mann ist mehr als ein gut vorbereiteter Handwerker. Mit Witz und Spaß führt er souverän durch die lange Live-Strecke - für die ich mir am Ende fast ein Unwetter gewünscht hätte. Denn dann hätte die Show zu Ende improvisiert werden müssen und wäre mit Sicherheit ein richtig großer Spaß geworden. Und weil ich nicht nur draufhauen will und mir viel an diesem klassischen Show-Sendeplatz im Ersten liegt, mache ich einen konstruktiven Vorschlag: Nehmt Kai Pflaumes mehr als gelungene Neuauflage von "Dalli Dalli" im NDR, verlängert sie auf 90 Minuten und setzt sie auf den ARD-Samstagabend. Die Sendung funktioniert, ist witzig und schnell, und organisatorisch dürfte das Ganze kein Problem sein. Selbst für die ARD nicht.

08.07.2012 - Mario Müller/wunschliste.de

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  • Torsten76Torsten76schrieb am 09.07.2012, 19.29 Uhr:

    Ich fand die Sendung auch nicht so schlecht, war für den Geschichtsinteressierten nicht viel Neues, aber eine nette Auffrischung bei leichter Unterhaltung.
  • Mr_ChanceMr_Chanceschrieb am 09.07.2012, 10.39 Uhr:

    Music-Acts? Womöglich mit dem historisch angepassten Troubadix? DAS hätte den befürchteten Wolkenbruch gegeben, beim Teutates!

    Nönö, so ein wenig entschleunigtes Fernsehen ist gar nicht so übel...