Müllers Meinung

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Müllers Meinung
In "Müllers Meinung" blickt wunschliste.de-Autor Mario Müller ab sofort in unregelmäßigen Abständen auf aktuelle Entwicklungen aus der bunten Welt des Fernsehens. Natürlich ganz subjektiv.

Null gewinnt: Moderator Dieter Nuhr (M.) mit dem Kandidatenpaar Züleyha (l.) und Ipek (r.) aus NRW.
Bild: © ARD/Frank W. Hempel

Eigentlich mag ich Dieter Nuhr. Umso enttäuschter war ich über sein Mitwirken in dieser exorbitant grausamen "RTL Comedy Woche", die vor einiger Zeit als peinlicher "7 Tage, 7 Köpfe"-Neuaufguss über den Bildschirm flimmerte - und glücklicherweise quotenmäßig baden ging.

Das nahm ich Dieter Nuhr übel.

Gestern hatte er die Chance, sich in seiner neuen Rolle als Quizonkel in der "Todeszone" des ARD-Vorabends zu rehabilitieren. Als Sommervertretung von Kai Pflaumes Quiz "Drei bei Kai" präsentierte er die erste Folge von "Null gewinnt", einer Art umgekehrtem "Familienduell", bei dem drei Kandidatenpaare jeweils die am seltensten genannte Antwort auf eine Frage raten müssen, die vorher bei einer Straßenumfrage gestellt wurde. Wurde die Antwort bei der Umfrage von keinem genannt, ist aber trotzdem korrekt, gibt’s sofort 1.000 Euro. Daher der Titel "Null gewinnt".

Der als neunmalklug-witziger Wissens-Onkel aus der "Sendung mit der Maus" bekannte Ralph Caspers fungierte als Sidekick und gab Zusatz-Infos zu den Fragen und Antworten. Er mühte sich redlich, blieb aber zumindest in der ersten Folge mit seinem trockenen Humor noch ein wenig blass und weit unter seinen Unterhaltsmöglichkeiten.

Bei der Antwortsuche hatten die Teams kein Zeitlimit, die Show hatte kaum Tempo. Das muss ja nicht per se schlecht sein, aber wenn kaum Spannung erzeugt wird (Nuhr ist nunmal kein Jauch), und dann auch noch zwei von drei Kandidatenpaaren den Unterhaltungsfaktor eines Stückes Dörrfleisch haben, dafür aber unentwegt herumnerven, wäre ein wenig Tempo schon wünschenswert. In der Tat muss ich der Castingabteilung eine Rüge Aussprechen. Sowohl für die beiden hysterischen jungen Damen Züleyha und Ipek als auch für Christoph und seinen übertrieben tuntigen Freund Dominic kann ich beim besten Willen keine Sympathiepunkte verteilen. Die gehen allesamt an das ältere Ehepaar Dieter und Walburga. Diese waren zwar auch ziemlich langweilig, haben aber zumindest nicht so genervt.

Leider verloren sie am Ende gegen die beiden Mädels, die mit mehr Glück als Verstand zusätzlich zu ihren bis dahin eingespielten 3.000 Euro auch noch die 10.000 Euro der Finalrunde einstreichen konnten. Es ging um die Top-10-Hits von Madonna, und Züleyha und Ipek tippten auf "Vogue", das 1990 tatsächlich auf Platz 4 der deutschen Charts kletterte - aber gottseidank von 0 Leuten auf der Straße genannt wurde. Das brachte den Geldsegen und beendete eine Show, deren Grundidee ich eigentlich recht spannend finde, die aber irgendwie noch ein bisschen witziger werden muss. Ein Kabarettist wie Nuhr sollte das eigentlich hinkriegen, auch wenn er eher ein Mann der leisen Töne ist. Der ein oder andere flapsige Spruch war ja da, vielleicht muss er sich noch warmlaufen.

Ansonsten empfand ich es als recht angenehm, dass einem bei "Null gewinnt" nicht permanent die gleichen Musikjingles ins Ohr gedrückt werden. Seltsam wirkte aber, dass man das hörbar applaudierende Publikum so selten einblendete. Klatscht da ein Band oder sitzt da doch noch jemand im Studio? So hässlich, dass man sie verstecken müsste, waren die Zuschauer doch gar nicht, kurz hab ich ein paar davon ja sehen können.

Den ARD-Vorabend wird auch "Null gewinnt" nicht revolutionieren, aber ich sehe durchaus Potential in der Sendung. Die Grundidee ist gut und bei den Fragen kann jeder mitraten. Nuhr und Caspers müssen allerdings ein paar Briketts zulegen und die Kandidaten sollten sorgfältiger ausgewählt werden. Wenn's unbedingt sein muss, stelle ich mich halt selber zur Verfügung.

21.07.2012 - Mario Müller/wunschliste.de

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  • MartiniMartinischrieb am 01.08.2012, 15.51 Uhr:

    Wir waren als Zuschauer bei der Aufzeichnung der ersten zwei Sendungen mit dabei und waren gehörig enttäuscht. Von WWM mit Günter Jauch etwas anderes gewöhnt, wurden die Zuschauer im Studio von Dieter Nuhr noch nicht einmal begrüßt! Günter Jauch behält sich dafür extra 10 Minuten bei jeder Aufzeichnung vor um die Zuschauer zu begrüßen und Ihnen Einzelheiten der Sendung zu erklären und sie einzustimmen und das sehr freundlich und lustig.
    Da die Reaktionen der Zuschauer dann auch im Fernsehen völlig ausgeblendet werden (Schwenk in die Zuschauer ca 2 Sekunden bei einer 50 Minuten Sendung ist schon ein Witz) wirkt sie dann ausgesprochen steril und kann dann auch kaum von den Moderatoren und Kandidaten bestehen.
    Die erfolgreichen Quizshows mit Günter Jauch haben ihren Erfolg zu großem Teil durch das Publikum, was bei den Machern von "Null gewinnt" bisher noch nicht angekommen sein dürfte. Komisch nur, dass ich ihnen dass erklären muss... :O)
    Sicherlich hat Jauch auch mit seinen über 1000 Sendungen sehr viel Erfahrung mehr, aber dafür kann man ja auch viel bei WWM und Co. abgucken. Also wofür noch so eine lahme Sendung, bei der man schon 2 von den ersten Aufzeichnungen gar nicht erst ausgestrahlt hat, die noch schlechter waren...