Müllers Meinung

...zum Finale von "Germany's Next Topmodel"


Müllers Meinung
In "Müllers Meinung" blickt wunschliste.de-Autor Mario Müller in unregelmäßigen Abständen auf aktuelle Entwicklungen aus der bunten Welt des Fernsehens. Natürlich ganz subjektiv.

Germany's Next Topmodel
Bild: © ProSieben/Oliver S.

Früher war es noch so, dass ein Feuerwerk eine Veranstaltung am Ende mit Glanz und Knallerei beschließt. Beim Finale von "Germany's Next Topmodel", das von ProSieben gestern Abend live aus der Kölner Exzess, pardon, Lanxess-Arena übertragen wurde, knallte es schon am Anfang so dermaßen, dass ich wünschte, pardon, DACHTE, die Lichttraversen krachen runter.

Vorab: Ich werde mich weder zu einer abfälligen Bemerkung noch zu überhaupt irgendeinem Kommentar über Juror Thomas Rath hinreißen lassen. Ich werde noch nicht mal verraten, an welches Tier er mich erinnert. Der Mann hat als Modedesigner eine Menge auf dem Kasten, engagiert sich als UNESCO-Botschafter für eine Ausbildungsstätte für Schneider in Burkina Faso und müsste gar nicht mehr allzu viel an seiner Theo-Lingen-Parodie verbessern.

Luisa Hartema, Dominique Miller, Kasia Lenhard und Sarah-Anessa Hitzschke heißen die blutjungen Finalistinnen, und schon bei den ersten "Walks" auf dem Mega-Laufsteg gerate ich in arge Not und wage mich nicht festzulegen, welche Hüfte am schönsten wackelt. Auf die Klamotten achtet ja eh keiner. Rebecca Mir, die Zweitplatzierte der letztjährigen Staffel von "GNTM", ist als Backstage-Reporterin laut Heidi Klum - oh Wunder! - LIVE (!) von hinter der Bühne zugeschaltet!!! Und Catwalk-Trainer Jorge "Hola Chicas y Chicos!" Gonzalez verbreitet die nötige Panik, um das flinke Umziehen der Mädels hinter der Bühne noch dramatischer wirken zu lassen.

Dann endlich um 20:46 Uhr das vorläufige Highlight der Sendung: Die erste von gefühlten 178 Einblendungen der Zuschauer-Quizfrage: "Was kann eines der Mädchen heute werden: A) Bundeskanzlerin oder B) Germany's Next Topmodel? Spontan wünsche ich mir, dass Merkel sofort abdankt und Gauck seines Amtes waltet. Aber ich fürchte, es wird ein Wunsch bleiben. Also weiter der klassische Hosenanzug im Kanzleramt.

Nach dem musikalischen Intermezzo der "Voice of Germany"-Siegerin Ivy Quainoo muss die erste Finalistin gehen. Es ist Kasia. Keiner ist geschockt, denn das Feld wird - dramaturgisch clever gemacht - von hinten aufgerollt. Es werden der Reihe nach nur die Damen genannt, die weiterkommen. Dreimal Jubel und eine mühsam lächelnde Verliererin, an die fünf Minuten später niemand mehr denkt.

Dann werden die Mädels an Seilen aufgehängt und fliegen wie der "Cirque du soleil" durch die Halle, um von Star-Fotograf Brian abgelichtet zu werden, der - Wahnsinn! - extra aus Los Angeles eingeflogen wurde. Das sieht wirklich gut aus und verlangt neben dem Verdrängen eventuell vorhandener Höhenangst vor allem eine Menge akrobatisches Geschick.

Als dann Justin Bieber auftritt, werden zwei Dinge klar: 1.) Der Typ ist tatsächlich derzeit der größte Popstar des Planeten und 2.) Die Container am Halleneingang waren wieder mal nicht groß genug, um allen Teenies die Fotohandys abzunehmen. Biebers Auftritt war natürlich stimmungsvoll und tadellos, allerdings muss man sich in Sachen Technik was einfallen lassen, denn das Mikro-Headset, das man dem armen Jungen vor den Mund montiert hat, sah beim anschließenden Gespräch mit Heidi Klum aus wie ein künstliches Beatmungsgerät.

Ich habe von dieser Staffel der Reihe neben dem Finale nur die erste Folge gesehen, habe aber bereits nach dieser Folge zu meinem Kollegen Patrick, der ein regelmäßiger Zuschauer ist, sinngemäß gesagt: "Die Staffel ist gelaufen. Wenn diese Luisa nicht gewinnt, dann fress ich nen Besen! Die Sache ist doch wohl jetzt schon klar!" Was soll ich sagen? Patrick war Zeuge und mit dem Besen darf weiterhin gekehrt werden. Sobald der Name Luisa fiel, tobte die Halle. Das ging den ganzen Abend so und nahm der Siegerinnenverkündung die letzte Spannung. Luisa darf sich also jetzt über einen Model-Vertrag und über ein Appartement (auf Zeit) in einer Metropole ihrer Wahl freuen und außerdem natürlich vom Cover der nächsten "Cosmopolitan" strahlen.

Und Heidi Klum? Der muss ich zugestehen, dass sie mit ihrer frühzeitigen Aussage "Als ich Luisa das allererste Mal gesehen habe, da hab ich gedacht 'Wow!'" absolut Recht hatte. Allerdings wird sie ihrer eigenen "Switch Reloaded"-Parodie von Martina Hill immer ähnlicher. Und da sollte sie aufpassen.

08.06.2012 - Mario Müller/wunschliste.de