...zur letzten "Harald Schmidt Show" in Sat.1

In "Müllers Meinung" blickt wunschliste.de-Autor Mario Müller ab sofort in unregelmäßigen Abständen auf aktuelle Entwicklungen aus der bunten Welt des Fernsehens. Natürlich ganz subjektiv.
![]() |
| Bild: © SAT.1/ Anatol Kotte |
Was haben sich Ende März alle überschlagen! Vom "Ende einer Ära" war da im "Stern" zu lesen, laut "SPIEGEL" sei die Absetzung von der "Harald Schmidt Show" "folgerichtig und keine große Nachricht" und die "Hannoversche Allgemeine" stellte in Bezug auf Schmidt und Gottschalk fest: "Das Fernsehen verliert seine Charakterköpfe"!
Am weitesten aus dem Fenster lehnten sich allerdings Ex-Sat.1-Chef Roger Schawinski im "Stern" ("Late Night mit Harald Schmidt wird es nie wieder geben") und Schmidts langjähriger Redaktionsleiter und Sidekick Manuel Andrack im "SPIEGEL" ("Welcher Sender sollte ihn denn noch nehmen?"). Beide haben sich gehörig den Mund verbrannt - ganz im Gegensatz zu seinem ehemaligen "Pssst..."- und "Schmidteinander"-Partner Herbert Feuerstein ("Schmidt kommt wieder. Er ist der ewige Entertainer. Das lastet wie ein biblischer Fluch auf ihm. Der kann gar nicht aufhören.") und meinem jungen BILD-Kollegen Franz Josef, der sich am 29. März in seiner täglichen "Post von Wagner" klar zu Schmidt bekannte: "Einen Harald Schmidt rauszuschmeißen, ist für mich wie eine Nationalgalerie anzuzünden. Auch wenn Sie jetzt von Sat.1 rausgeschmissen wurden, bleibe ich Ihr Fan."
Harald Schmidt hat es mal wieder allen gezeigt. Den Frohlockenden und den Trauernden. Denen, die glaubten, ihn gut zu kennen - und denen, die ihn schon immer gehasst haben, obwohl sie seine Sendung nicht sehen, oder weil sie seinen Humor nicht verstehen.
Ich will ja nicht besserwisserisch wirken, aber ich hatte recht bald geahnt, dass noch lange nicht Schicht im Schacht ist und dass er irgendwo weitermacht. Nur hätte ich eher auf Kabel 1 getippt. Wie schwierig ist es eigentlich derzeit, Sky zu hacken? Vielleicht sollte Sky mal über ein reines Schmidt-Abo nachdenken. Wer kauft denn die ganze Fleischtheke, wenn er nur das Filet haben will?
In seiner (vorerst) letzten Sendung im kostenlosen, unverschlüsselten Fernsehen lief Schmidt gestern jedenfalls noch einmal zur Hochform auf, willkommen geheißen von einem fast schon obszön-frenetischen Anfangsapplaus, an dem man deutlich merkte, wie sich vor der Show aufgezeichnete Beifalls-Orkane (wie woanders mittlerweile oft die Regel) und direkt in der Show stattfindender, ehrlicher Applaus unterscheiden.
In einem klassischen Einspieler holte der Moderator ein älteres Kölner Ehepaar von Zuhause ab und chauffiert es ins Studio. Das war lustig, der "afrikanische Diktator" Schmidt (Zitat Feuerstein) menschelte und strafte diejenigen Lügen, die gern behaupten, Schmidt sei der größte Menschenhasser der Mattscheibe.
Dann durfte WDR-Charakterstimme Charly Wagner zum letzten Mal VOR DER SOMMERPAUSE! dem Hochamt des Absurden fröhnen und einen weiteren "Klassiker des Herrenwitzes" vortragen, bei dem diesmal als besonderes Schmankerl jede versaute Wortgruppe mit einem ausufernden Tusch eines klassischen Musik-Ensembles flankiert wurde.
Als unangekündigter "Dauergast" gab sich passenderweise Olli Dittrich die Ehre, dessen wahnwitzige Wort- und Gag-Gefechte mit dem Gastgeber in den vergangenen Monaten zum Besten gehörten, was je bei Schmidt zu sehen war.
Mit dem Auftritt der chinesischen Starpianistin Yuja Wang zeigte Schmidt, wo der kulturelle Hammer demnächst auf keinen Fall mehr hängen wird (nämlich bei Sat.1), und mit Ulrich Meyer holte sich Schmidt als letzten Gast ein sympathisches Sat.1-Urgestein an den Schreibtisch, das demnächst wohl einen der frei werdenden Sendeplätze übernehmen könnte.
Es roch nach Abbruch (Schmidt ließ die vor dem Studio wehende Sat.1-Flagge einholen) - und es duftete nach Aufbruch (ein als "Sommerpause" herrlich albern verkleideter Olli Dittrich zog Schmidt am Ende im Bollerwagen aus dem Studio). Immer wieder klang durch, dass es am 11. September um 22:15 Uhr auf Sky Hits, so weitergehen werde, wie bisher. Das Studio bleibt, die Redaktion bleibt und die Auftritte von großartigen Kollegen wie MTV-Legende Ray Cokes, SWR-Heißsporn Pierre M. Krause und natürlich Olli Dittrich werden auch bleiben.
Nachdem Schmidt in der ARD zuletzt immer öfter durchaus indiskutabel-langweilige Sendungen abgeliefert hatte, legte er sich nach seiner Rückkehr zu Sat.1 kräftig ins Zeug. Man spürte, dass er wieder Lust hat, er holte Publikumsliebling Nathalie Licard zurück, führte gute und interessante Gespräche und lud Top-Musik-Acts wie Jack White, Candy Dulfer, Kraftklub, Katie Melua und Die Ärzte zur Live-Performance ins Studio ein.
Aber "Dirty Harry" war noch nie Moderator für die Massen, auch wenn er sich laut Andrack wirklich für den "größten Moderator aller Zeiten" halten sollte. Seine Zielgruppe war immer überschaubar und scherte sich einen Dreck um Kritiker-Gedöns und ätzende Kommentare unter Schmidt-Artikeln bei "BILD-Online". Von daher hat Schmidt auch weiterhin gut Lachen. Und er wird es nicht nur haben, sondern auch machen. Gibts für Sky eigentlich Journalisten-Rabatt?
04.05.2012 - Mario Müller/wunschliste.de
Schreib hierzu einen Kommentar
...ein Schmidt-Abo auf Sky wäre mehr als angebracht (2,-- Euro pro Monat), denn nicht nur dass man den absurden Monatsbeitrag von 16,90 bei Sky für das Grundpaket zahlen soll, nein um in den Genuss von Schmidt zu kommen, müsste man monatlich 55,90 abdrücken... ich bin weder zum Einem noch zum Anderen bereit...Da fragt sich doch, wer Schmidt bei Sky überhaupt gucken soll, etwa die Fussballfanfraktion..? - Ein guter Witz...
Andronschrieb am 05.05.2012, 16.45 Uhr:























