2030 - Aufstand der Jungen (12.01.2011)
Am Dienstagabend kehrte das ZDF in eine kühle, alptraumhafte Zukunft zurück, in der die Bundesrepublik nur noch politisch verwaltet wird und in der soziale Eiseskälte herrscht. Mit dem Dreiteiler "2030 - Aufstand der Alten" hatte das Zweite im Januar 2007 eine Art modernes Pendant zu klassischen TV-Planspielen wie "Smog" oder "Das Millionenspiel" vorgelegt und erzielte dabei ein nicht minder spannendes Ergebnis.Doch während Regisseur und Autor Jörg Lühdorff beim "Aufstand der Alten" mit zahlreichen, fiktiven News-Ausschnitten den Zerfall des Sozialstaats im Stakkato-Takt darstellte, schuf er mit der Fortsetzung "Aufstand der Jungen" ein stilleres Drama, das vielleicht auch durch die Fokussierung auf die Geschichte zweier Mitglieder der kommenden Generation im Detail noch beklemmender ausfiel.
Die besten Freunde Sophie Schäfer (Lavinia Wilson) und Tim Burdenski (Barnaby Metschurat) stehen dabei wirkungsvoll als Prototypen der sich abzeichnenden Spaltung der Gesellschaft in Ober- und Unterschicht: die eine mit flottem, knallrotem VW und Luxus-Apartment, der Andere, der in die Illegalität getrieben wird, damit er überhaupt eine Chance hat das Leben seiner an Krebs erkrankten Frau zu retten. So wurde der überwiegend bedrückende Alltag im Jahr 2030 abseits der News-Berichterstattung von Lena Bach (Bettina Zimmermann) noch um vieles anschaulicher.
Äußerst erfreulich war nicht nur, wie konsequent der "Aufstand der Jungen" optisch an den Vorgänger bis ins Detail anknüpfte, sondern auch, dass zuvor lediglich angeschnittene Ideen wie die Verwahrlosung des Berliner Stadtteils Schöneberg in den rechtsfreien Raum "Höllenberg" hier konsequent weiterentwickelt und genutzt wurden. Die Bilder, die auch das Zentrum Berlins in Flammen zeigten waren vieles, nur leider nicht unvorstellbar.
Zuschauern, die im Anschluss noch das "heute journal" verfolgten, werden die Parallelen zwischen den bürgerkriegsähnlichen Szenen auf Deutschlands Straßen im Film und der aktuellen Realität im vermeintlichen Urlaubsparadies Tunesien kaum entgangen sein. Es waren Bilder aus einem gesellschaftlichen Pulverfass, einem Polizeistaat, in dem die Unterdrückung der Opposition an der Tagesordnung liegt und die jungen Menschen kaum Perspektiven haben. Bereits heute gibt es diese verlorenen Generationen.
Bild: ZDF/Reiner Bajo
Ralf Döbele/wunschliste.de

















