Kurz kritisiert

WinneToons - Die Legende vom Schatz im Silbersee (03.05.2011)

WinneToons - Die Legende vom Schatz im Silbersee"Der Schatz im Silbersee" war 1962 der erste und beste von acht Winnetou-Filmen mit Pierre Brice. Die Erfolgsreihe fand zwar bereits 1968 einen unwürdigen Abschluss, der Mythos ihrer Heldenfiguren blieb aber bis heute ungebrochen. Daher wurde immer wieder daran angeknüpft, zum Beispiel in der Zeichentrickserie "WinneToons", die nach zwei Jahren im ARD-Programm bereits 2004 eingestellt wurde.

Nachträglich haben die Produzenten noch einen 80-minütigen Langfilm realisieren können, den der Kinderkanal nun in TV-Erstausstrahlung zeigt. Doch im Vergleich zu anderen kindgerechten Adaptionen des Stoffes - wie dem in den letzten Tagen der DDR entstandenen Puppenfilm "Die Spur führt zum Silbersee" - sieht das neue Werk, das sich auch nicht wirklich zwischen 2D- und 3D-Optik entscheiden kann, leider recht alt aus.

Im Mittelpunkt steht ein New Yorker Junge namens Bobby, der mit seiner Ratte gen Westen reist und dort auf Winnetou und Shatterhand trifft, die hier zu konturlosen Nebenfiguren degradiert wurden. Der Romantizismus der Karl-May-Werke spielt ebenso wenig eine Rolle wie der Mythos des Wilden Westens, der hier bestenfalls als Landschaftshintergrund dient. Konsequent verlässt "Winnetoons" bald das Western-Genre und endet als Azteken-Abenteuergeschichte, in der Cowboys, Indianer und der kleine Bobby gegen Fantasy-Gestalten kämpfen. Für die Winnetou-Historie hat das keinerlei Relevanz, auch eine begeisterte Zielgruppe kann man sich schwer vorstellen. Für kleine Kinder zu viel Knallerei, für die Größeren zu beschaulich und anspruchslos.

KI.KA zeigt "WinneToons - Die Legende vom Schatz im Silbersee" in Erstausstrahlung am Freitag, 6. Mai um 19.30 Uhr.

Bild: KI.KA/Animationsstudio Ludewig GmbH

Michael Brandes/wunschliste.de