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24 Ausgaben

Deutsche Erstausstrahlung: 20.12.1969 (ZDF)

Im Spätherbst 1969 moderierten der Tiroler Dietmar Schönherr und seine dänische Frau Vivi Bach erstmals die spektakuläre Unterhaltungssendung "Wünsch dir was". In dieser Spiele-Show mussten Familien einerseits Harmonie beweisen, andererseits Mutproben bestehen. Die Kandidaten zeigten sich vor der Kamera extrem wagemutig - immerhin war man im Fernsehen! Sie griffen sich Riesenschlangen aus dem Terrarium und schulterten sie tollkühn, robbten unter Todesangst über dünnes Eis und ließen sich im Auto sitzend in einem Wasserbassin untergehen. Ob die hektische Rettungsaktion aus besagtem Auto durch Froschmänner oder der Auftritt des deutschen Teenies Leonie Stöhr in transparenter Bluse der größere Skandal war, ist noch nicht entschieden. Auch beim österreichischen Rundfunkaufsichtsrat sorgte die Show für Diskussionen, nachdem Schönherr seine Sympathie für einen sozialistischen Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf durch keckes Tragen eine roten Nelke signalisiert hatte. "Wünsch dir was", nach einem Drehbuch des Österreichers Peter Hajek, wurde mit einem Bambi ausgezeichnet.

(Jutta Zniva)

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Große Samstagabend-Spielshow mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach.

Drei Familien, je eine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, treten in sechs Spielrunden mit verschiedenen Aktions- oder Übereinstimmungspielen gegeneinander an. Die punktschlechteste der drei Familien scheidet nach der vierten Runde aus. Immer hat die Familie, die sich am besten organisieren und als funktionierende Einheit präsentieren kann, die besten Chancen. Die Spiele stehen oft unter einem gemeinsamen, aktuellen und kontroversen Thema wie Umweltverschmutzung oder antiautoritäre Erziehung. Der Siegerfamilie wird am Ende ein gemeinsamer Wunsch erfüllt.

Über den Gesamtsieger entschieden die Fernsehzuschauer durch eine Art vorsintflutlichen TED. Einwohner einer bestimmten Stadt wurden aufgefordert, für eine Familie abzustimmen, indem sie auf Aufforderung alle Lichtquellen in ihrem Fernsehzimmer einschalteten, zunächst für die erste Familie, anschließend für die zweite. Das Elektrizitätswerk der Stadt teilte Vivi Bach telefonisch den Strommehrverbrauch mit. Gewonnen hatte die Familie, die den höheren Stromverbrauch erzielte. In Zweifelsfällen entschied ein Notar über die Punktevergabe der einzelnen Spiele.

Die Sendung brachte Skandale hervor wie keine zweite. Zwar war Wünsch dir was als "kritische Unterhaltung in alternativen Formen" geplant und angekündigt, die "zum Diskutieren und Nachdenken anregen" sollte (Schönherr sagte in der ersten Folge: "Unser Familienspiel soll alte Zöpfe abschneiden"). Das schaffte sie zweifellos. Aber weder Zuschauer noch Programmdirektoren konnten sich mit den bewussten Provokationen Schönherrs und der Redaktion anfreunden. Eine Kandidatin in durchsichtiger Bluse, eine Kommune, die über Ehe und Familie diskutierte, oder unwissentlich in deren Abwesenheit bunt bemalte Hauswände der Kandidatenfamilien passten zwar in die Proteststimmung der ausklingenden 60er Jahre, wohl aber nicht in das familien- und massenverträglich gewollte Samstagabendprogramm.

Die Dame in der durchsichtigen Bluse hieß Leonie Stöhr. Im dazugehörigen Spiel musste sich 1970 ihre Familie entscheiden, in welchem der zur Auswahl stehenden Kleidungsstücke ihre Tochter anschließend auf der Bühne erscheinen würde. Die Familie entschied sich korrekt für die durchsichtige Bluse, die, wie die Kandidatin später erklärte, am Kleiderbügel in der Garderobe gar nicht so durchsichtig wirkte.

Ein simulierter Autounfall, bei dem Kandidaten mitsamt Auto unter Wasser gelassen wurden und versehentlich in Lebensgefahr gerieten, war 1971 der Höhepunkt unter den Skandalen. Die Schweizer Kandidatin Frau Dreier sagte kurz nach ihrer Rettung kreidebleich in die Kamera: "Ach ja, es war alles halb so schlimm." Danach brach sie angeblich hinter den Kulissen zusammen.

Das Drama war zwar nicht geplant, die Erregung über die Sendung allerdings schon: "Wir nehmen Proteste nicht nur in Kauf, sondern wir fordern sie ganz bewusst heraus", formulierte die Redaktion, zu der auch Guido Baumann und André Heller gehörten. "Denn nur, wenn jemand anderer Meinung ist, kommt eine Diskussion in Gang." Das Publikum schaltete offensichtlich zum Großteil ein, um sich zu ärgern: Zum Thema "antiautoritäre Erziehung" duzte Schönherr alle Anwesenden, das Volk war außer sich.

Die Quoten waren teilweise sehr hoch (bis zu 30 Millionen), schwankten aber stark. Und wenn es keinen Skandal gab, waren die Leute enttäuscht.

Aufsehen erregte auch eine vermeintlich rote Nelke (die in Wahrheit violett war), die Schönherr einmal im Knopfloch trug, und die von den Konservativen in Österreich als Werbung für die SPÖ im Wahlkampf um den Bundespräsidenten gedeutet wurde.

Bei aller Progressivität war die Rollenverteilung des Moderatorenpaars äußerst klassisch: Vivi Bach war neben dem bedeutungsschwer und ernst auftretenden Schönherr kaum mehr als schmückendes Beiwerk, schon weil die Dänin in der Live-Sendung meist überfordert war, wenn sie reden musste. So etwas wie Humor fehlte in der Sendung völlig - den hatten die wohlmeinenden Pädagogen Anfang der 70er Jahre offenbar schlicht vergessen.

1972 wurde nach 24 Sendungen mit 121 verschiedenen Spielen die Absetzung beschlossen, offiziell hieß es: wegen "Abnutzungserscheinungen". Hinterher war erstmal wieder Ruhe im ZDF: Der neue Unterhaltungschef Peter Gerlach versprach bei seinem Amtsantritt 1972: "Man muss sich wieder mal reduzieren können auf die Maßstäbe der Mehrheit!"

Dietmar Schönherr erhielt für die Show die Goldene Kamera.

Inhaltsangabe: Das Fernsehlexikon, Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier.

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Kommentare, Erinnerungen und Forum
  • Peter Thomas SuschnyPeter Thomas Suschny(geb. 1962)schrieb am 07.04.2008:

    Soeben habe ich die allererste Folge vom 20. 12. 1969 erhalten und angesehen, wirklich gut und wenn man im Abspann nachschaut, war es doch die Creme de la creme österreichischer Kulturschaffender, die hier mitwirkten, Kuno Knöbel (der schon André Heller im selben Jahr ins Hotel Sacher schickte, um das Bed-in mit Yoko Ono und John Lennon zu filmen, ein echter Beweis, wie gut damals der ORF noch auf die neuesten Errungenschaften der späten 60er Jahre reagierte und überhaupt nicht langsam war, der heutige ORF 39 Jahre später wirkt da eigentlich viel verstaubter ...), Josef 'Joki' Kirschner (man kennt ihn dann aus den 70ern aus Tritsch-Tratsch) oder auch Peter Hajek.
    Zu modern? Keine Ahnung, meine Eltern haben uns (2 ältere Schwestern und mich) sowieso sehr liberal erzogen, vielleicht wollten sie vergessen machen, daß wir nie Großeltern haben durften, obwohl das nicht ihre Schuld war?
    Tja, wer nicht gezwungen wird, schaute sich auch freiwillig Heinz Conrads an - also auch natürlich eine Show, die ab der 1. Folge an immer wieder Skandale schaffte, die übrigens heute niemanden mehr kratzen.
    Fazit: tolles Eitauchen in die very late sixties, ganz nach meinen Geschmack. obwohl ich unabsichtlich Peter Thomas heiße und nicht nach Peter Thomas benannt wurde
    -))
    Willkommen zurück im tollsten aller bisher erlebten Jahrzehnte, dem Geburtsjahrzent.

    antwortenantworten

  • ThomasThomas(geb. 1954)schrieb am 27.03.2010:

    Wo kann man denn das heute noch wiedersehen ?

    antwortenantworten

  • doriandorian(geb. 2021)schrieb am 21.04.2014:

    ich wünsche mir bei nickolodeon spongebob schwammkopf

    antwortenantworten

  • AchazAchazschrieb am 23.01.2007:

    Der Samstagabend, frisch gebadet und dann die Abendshow - das gehörte damals einfach zusammen. Schulnoten und -sorgen waren vergessen.
    Die Show kam einfach zeitlich zu früh. Die Deutschen sehnten sich immer noch nach Millowitsch und Heidi Kabel und bekamen stattdessen eine progressive Show mit Themen wie Umwelt/Kommune/Ester Vilar usw.
    Die 'Schacklhubers' spielten um den Sieg, allerdings wieder brav in Familienformation.
    Dabei waren die damaligen realen Sorgen ein Klacks gegenüber heute: Es bestand Vollbeschäftigung, die Energiereserven schienen unendlich, die Renten waren sicher, ebenso die Demographie war als solche kein Problem. Mein Gott - was hatte man damals für Probleme? Vielleicht die durchsichtige Bluse der Kandidatin, deren Brisanz ich damals als 15-Jähriger und außenantennengeplagter Zuseher (Bildqualität!) gar nicht so in Erinnerung hatte.

    Nein, heute könnte man eine solche Sendung mir realen Problemen nicht mehr machen. Heute müsste man weinen, würde es einer wagen, unsere heutigen Probleme spielerisch zu erfassen.
    Aber vielleicht besteht ein Trost: Vielleicht lächeln die Leute in 40 Jahren auch über unsere heutigen Probleme.

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  • Frank WeithoferFrank Weithofer(geb. 1961)schrieb am 11.01.2007:

    Zum Kommentar von Uwe vom 04.08.2005 kann ich bestätigend sagen, dass er recht hat. In der ARD gab es die Kindersendung 'Ich wünsch' mir was', die seinerzeit von Hilde Nocker moderiert wurde.
    Zur Schönherr/Bach-Show kann muss ich einmal sagen, dass ich es heute noch nicht seit damals verstehen kann, warum um die attraktive Bluse von Leonie Stöhr am 07.11.1970 dieser Rummel veranstaltet wurde. Es ist doch schön, ein moderner Mensch zu sein und kann nur dafür plädieren, öfter so etwas auf die Bühne zu stellen. Manche scheinen hierbei den Unterschied zu 'oben ohne' nicht zu kennen, die Kandidatin war aber nicht unbekleidet.

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Abstimmungsdaten
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Abstimmungsverlauf

Gesamtplatzierung
Platz:548. (548.)unverändert
Stimmen:780  

Letzte Woche
Platz:247. (264.)Aufsteiger
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