Serienpreview: "Spartacus"
von Ralf Döbele

Spartacus: Blood and Sand
"Spartacus: Blood and Sand"
Spätestens seit "Gladiator" und "Troja" sind sie wieder da: verschwitzte, staubige und muskelbepackte Krieger mit Schwertern, Schilden und schwerem Schicksal. Das Sandalen-Genre erlebte im vergangenen Jahrzehnt ein glorreiches Comeback, auch im Fernsehen. HBO legte mit "Rome" nicht nur eine aufwendige und monumentale Serien-Produktion an Original-Schauplätzen hin. Die Figuren und Storylines waren stark genug um "Rome" zu einem brillanten Drama zu machen. Wenn man sich an alte Hollywood-Zeiten und Historien-Filme erinnert, dann fällt, wie bei jedem Genre, eine fundamentale Unterscheidung auf. Da gab es zeitlose Klassiker wie "Cleopatra", "Ben Hur" oder Stanley Kubricks "Spartacus" mir Kirk Douglas in der Titelrolle. Aber da gab es eben auch "Die Sklavinnen von Karthago", "Herkules und die Königin der Amazonen" und "Poppea - Die Hure von Rom" - allesamt billigere, in Europa produzierte Sandalenfilme.

Der noch namenlose Krieger verabschiedet sich in Thrakien von seiner Frau.
Der noch namenlose Krieger verabschiedet sich in Thrakien von seiner Frau.
Wenn "Rome" nun im Serienuniversum auf gleichem Level steht wie "Cleopatra" im Filmuniversum, dann befindet sich "Spartacus: Blood and Sand", eine neue Serie des kleinen US-Bezahlsenders Starz, eher in der Gesellschaft der Hure Poppea. Keine Sorge, die verschwitzten, staubigen und muskelbepackten Krieger sind massenhaft vorhanden, allen voran Andy Whitfield in der Titelrolle. Leider befinden sich Story, Figuren, Spezialeffekte und schauspielerisches Talent nicht annähernd auf dem gleichen, glänzenden Level wie die Körper der männlichen Protagonisten.

In den bunten und extrem computeranimierten Hügeln von Thrakien verabschiedet sich ein namenloser Krieger (Andy Whitfield) von seiner Ehefrau Sura (Erin Cummings). Er und seine Gefolgsleute haben sich in den Dienst der römischen Armee gestellt, mit der sie zusammen in den Krieg gegen die Geten ziehen werden, die das Volk der Thraker ständig bedrohen. Sura ist verängstigt. In einem Traum sah sie ihren Mann geschlagen vor einer roten Schlange niederknien. Ein böses Omen? Der Soldat zieht jedoch mit seinen Landsmännern in die Schlacht und die Krieger erringen einen blutigen Sieg über den Feind. Tolle Leistung! Das findet auch der römische Legat Claudius Glaber (Craig Parker), der sich den Sieg prompt auf seine eigene Fahne schreibt.

Gleichzeitig nimmt Claudius die Thraker aber nicht wirklich ernst. Für ihn sind sie nur Mittel zum Zweck. Er ignoriert die Warnungen des Kriegers, dass sich die Geten nach Westen auf die thrakischen Dörfer zu bewegen. Unter Einfluss seiner aufreizenden und machtbewussten Frau Ilithyia (Viva Bianca) lässt Claudius seine Truppen lieber gen Osten in eine aussichtsreichere Schlacht marschieren. Ehre ohne Schmutz und Anstrengung? Wieso nicht! Der thrakische Krieger fühlt sich verraten und verlässt die Truppen um seine Frau vor der herannahenden Gefahr zu retten. Aber er weiß, dass er damit zum Verräter wird und sein eigenes Leben den Römern quasi ausliefert.

Sura wird dem Krieger entrissen und in die Sklaverei verkauft.
Sura wird dem Krieger entrissen und in die Sklaverei verkauft.
In letzter Minute gelingt es ihm Sura vor den Barbaren zu retten. Doch nach einer leidenschaftlichen Nacht am Lagerfeuer, wird sie von Glaber und weiteren Römern aus seinen Armen gerissen. Sura wird in die Sklaverei verkauft, während der Thraker und seine Kameraden per Schiff nach Capua transportiert werden. Sie sollen dort als Gladiatoren an den blutigen Spielen in der Arena teilnehmen und im Idealfall dabei sterben. Doch der Krieger kämpft wie ein Löwe und tötet die vier Gladiatoren, die gegen ihn in den Kampf geschickt werden. Plötzlich hat er das Publikum auf seiner Seite, das lautstark fordert, dass er am Leben bleiben darf. Batiatus (John Hannah), der eine Ludus, also eine Gladiatorenschule besitzt, bietet an, den Krieger zu kaufen und ihn zu trainieren. Der anwesende Senator Albinius (Kevin J. Wilson) ist einverstanden und verschont das Leben des Thrakers. Batiatus ist es, der ihm schließlich den Namen Spartacus gibt.

"Spartacus: Blood and Sand" versucht aus der Not eine Tugend zu machen. Offensichtlich ist das Budget weitaus geringer als bei "Rome" oder den "Tudors". Von Anfang an sind sämtliche Hintergründe der Außenszenen computergeneriert und gespickt mit surrealen Elementen, die sicher absichtlich an den Graphic Novel-Stil von "300" erinnern. Doch das Ganze wirkt weitaus billiger als beim großen Leinwand-Bruder und irgendwie formen sich diese überstilisierten Landschaften, Schlachtfelder und Städte nie wirklich zu einer geschlossenen Welt, an deren Existenz man auf physischer oder emotionaler Ebene glauben könnte. Vielleicht ist ein Problem auch, dass diese Überzeichnung nicht konsequent durchgehalten wird. So gibt es eine klare Trennung zwischen innen und außen. Sämtliche Szenen in Kammern, Zelten oder Verließen bestehen einfach nur aus recht einfallslosen Sets, die nicht zu der äußeren Opulenz passen wollen. Stattdessen wird jeder Blutspritzer auf dem Schlachtfeld oder in der Arena zu einer fünfminütigen, in Zeitlupe ablaufenden Eruption, die zeitweise solche Ausmaße annimmt, dass man versucht ist den Teppich vor seinem Fernseher vorsichtshalber mal in die Reinigung zu bringen.


Fortsetzung