von Ralf Döbele
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| Der römische Glaber und seine Frau vor der Arena in Capua. |
Das Drehbuch zum Piloten ist eine wilde Ansammlung von blutigen Schlachtszenen, klischeebehaftetem Ehefrauen-Sex am Lagerfeuer, recht lahmen Badehaus-Orgien und aufgeblähten Sprechblasen, die lediglich durch die überdrehte "Oh!-wir-sind-jetzt-in-einem-Historien-Drama"-Wiedergabe der Schauspieler auffallen, sowie durch zahllose, sinnlos hineingeworfene Schimpfworte und Körperteil-Referenzen. Vermeintliche Tabu-Brüche fügen sich nicht natürlich in den Fortgang der Story ein oder entstehen als logische Konsequenz daraus. Vielmehr scheint es, als hätten die Macher auf diese Bestandteile gesetzt, weil sie es einfach konnten. Starz ist ein Bezahlsender à la HBO oder Showtime, und für die gelten in den USA nicht die gleichen Restriktionen wie bei den Networks. Doch während Serien wie "Six Feet Under" oder "Die Tudors" diese zusätzlichen Möglichkeiten nutzten um die Natürlichkeit der Darstellung zu unterstreichen, werden Sex, Gewalt und nie enden wollendes Fluchen hier zum überwältigenden Hauptbestandteil.
Natürlich kann das eine Serie auch tragen, zumindest für eine Weile. Wegen hervorragender Stories hat es "Baywatch" seinerzeit sicher nicht auf elf Staffeln gebracht. Doch "Baywatch" hatte zumindest eines: Originalität. Es gab keine andere Rettungsschwimmer-Serie, wo man das alles schon mal besser gesehen hat. "Spartacus" muss dem direkten Vergleich mit "Rome", den "Tudors" und Kinofilmen wie eben "300", "Gladiator" oder "Troja" standhalten - und da schneidet das Starz-Drama einfach wahnsinnig schlecht ab.
Hauptdarsteller Andy Whitfield kann man da gar keinen Vorwurf machen. Er macht das Beste aus dem, was ihm gegeben wird. Aber das ist, wie gesagt, eben nicht viel. Neben ihm gibt es praktisch niemandem im Ensemble, der auch nur halbwegs so interessant wäre, weder im Piloten, noch später in der Gladiatorenschule, in die Spartacus geschickt wird. Selbst Lucy Lawless, ehemals als kraftvolle "Xena" oder intrigante Zylonin in "Battlestar Galactica" unterwegs, wirkt in ihrer Rolle als Lucretia seltsam deplatziert. Die Ehefrau des Besitzers der Gladiatorenschule hat in den ersten beiden Episoden nun auch wirklich nicht viel sinnvolles zu tun oder zu sagen.
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| Blutige Zeitlupenkämpfe in der Arena. Der Krieger wird zu "Spartacus". |
Neulich stolperte ich auf der Suche nach alten Filmen mit William Shatner über den Pilotfilm zu einer Serie, die nie produziert wurde. Mitte der 60er Jahre, kurz bevor er als Captain Kirk zu intergalaktischem Ruhm aufstieg, spielte Shatner die Titelrolle in "Alexander the Great". Das Format sollte die Eroberungsfeldzüge Alexander des Großen nachzeichnen. Leider drehte man das Ganze in Utah und so gab es in Makedonien erstaunlich viel rote Erde und rote Felsen. Während der Schlachtszenen auf hohem Ross erwartete man irgendwie instinktiv, dass gleich John Wayne mit seinem Gewehr um die Ecke kommt und das Ganze endlich als ein ordentlicher Western enttarnt wird. Außerdem waren Alexander und seine Mitstreiter erstaunlich kumpelhaft unterwegs und scheuten sich nicht ihren amerikanischen Slang so richtig raushängen zu lassen.
Der Pilot von "Alexander The Great" wurde nie zur Serie. Besser gefallen als "Spartacus" hat er mir trotzdem. Und "Spartacus" wurde bereits vor Erstausstrahlung für eine zweite Staffel verlängert. Manchmal gibt es im Serienuniversum einfach keine Gerechtigkeit.
| Meine Wertung | ||||||
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| 1/5 | ||||||
Autor: Ralf Döbele
Alle Bilder: © 2010 Starz
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