Hinter den Kulissen: "Ijon Tichy: Raumpilot"
Interview mit Oliver Jahn

Ijon Tichy - Held von Kosmos
Ijon Tichy - "Held von Kosmos"
Bild: ZDF/Randa Chahoud
Er trägt gern weiße Unterhemden, redet in einem seltsam verdrehten osteuropäischen Slang und stellt sich im Vorspann selbst vor: "Bin ich Ijon Tichy: Raumpilot, galaktisches Diplomat, Entdecker, Held von Kosmos", kauderwelscht er da, begleitet von psychedelischen Orgelklängen. Ijon Tichy ist Erfinder und Geschichtenerzähler. Er fliegt durchs All in einer "Drei-Zimmer-Rakete", die von innen aussieht wie eine Berliner Altbauwohnung. Unterwegs sammelt er skurrile Erfahrungen auf fremden Planeten und trifft knuffige Monster und bizarre Roboter. Immer an seiner Seite: seine selbst erfundene Assistentin, die analoge Halluzinelle.

Basierend auf den "Sterntagebüchern" des 2006 verstorbenen Stanislaw Lem ("Solaris"), einem der einflussreichsten Science-Fiction-Schriftsteller, sorgte die sechsteilige Trash-Serie "Ijon Tichy: Raumpilot" 2007 für ungewohnt jugendlichen Sturm und Drang im ZDF-Programm. Trotz mitternächtlicher Sendezeit waren nicht nur die Einschaltquoten in Ordnung, auch die Kritiker äußerten sich einhellig lobend. Neben dem eigenwilligen Humor begeistert "Ijon Tichy: Raumpilot" vor allem durch seine verspielte Machart. Wenn hier ein Raumschiff auf einen fremden Planeten kracht, wird das nicht seelenlos per Computer animiert, sondern noch in Guerilla-Sandkastenmanier mit echten Modellen nachgespielt. Das ergibt einen ziemlich schrägen Mix aus Augsburger Puppenkiste und "Raumpatrouille Orion".

Seit 1998 arbeiten die drei Film- und Fernsehstudenten Oliver Jahn, Randa Chahoud und Dennis Jacobsen in Eigenregie an Ijon Tichy. Regie und Drehbücher realisieren sie gemeinsam. Oliver Jahn ist dabei auch vor der Kamera aktiv: Er spielt Ijon Tichy. Der Berliner hat an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) studiert und nach "Ijon Tichy" nun seinen ersten Spielfilm "Die Eisbombe" (seit 7.8.08 im Kino) realisiert. Die schwarze Komödie handelt von einer Lehrerfamilie im Öko-Wahn, die sich im zunehmend komplizierteren Alltag der heutigen, überregulierten Welt nicht mehr zurecht findet. Auch hier schimmert jener Trash-Appeal durch, den man in "Ijon Tichy: Raumpilot" schätzen lernt.

Im Interview mit wunschliste.de gibt Oliver Jahn einen ausführlichen Einblick in die Entstehung von "Ijon Tichy: Raumpilot", von ersten Kurzfilm-Projekten bis hin zu den sehr aufwendigen Dreharbeiten zur ZDF-Serie. Er beschreibt, welche Vorbilder und Ideen hinter dem Projekt stecken und stellt neue Folgen in Aussicht...


Oliver Jahn
Oliver Jahn
Begonnen hat das "Ijon Tichy"-Projekt - und damit auch eure eigene Film-Laufbahn - mit zwei Kurzfilmen aus den Jahren 1999 und 2000: "Aus den Sterntagebüchern des Ijon Tichy", Teil I und II...

Die Filme sind während der "Videoübung" an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin entstanden. Das ist ein Seminar, in dem man die ganze Videotechnik, Kameras und so weiter, kennen lernt. Da haben Randa, Dennis und ich uns zusammengetan und gesagt, wir machen mal was zu dritt. Randa hatte damals zufällig das Buch "Die Sterntagebücher" von Stanislaw Lem dabei und wir haben während eines Seminars angefangen, darin zu lesen, fanden das super und wollten das umsetzen, aber auf eine besondere Art und Weise. Wir sind damals auch nicht davon ausgegangen, dass den Film jemals jemand zu Gesicht bekommt, aber dann hat er auf der Transmediale in Berlin gleich den "Student Award" gewonnen. Es ist ja oft so, dass gerade Dinge, die man mit einer gewissen Lockerheit angeht, am Ende etwas besonderes werden, weil man sich da frei fühlt.

Gab es für eure Kurzfilme Vorbilder?

Nein, überhaupt nicht. Wir hatten eher Erinnerungen an unsere Kindheit im Kopf. Ich stelle mir vor, mein Staubsauger ist der Raketenantrieb, der Steuerknüppel ist das Staubsaugerrohr. Genau dieses spielerische, kindliche Element war unser Vorbild. Wir haben das auch als Aussage zum Science Fiction-Genre verstanden, in dem sich vieles nur noch durch Special Effects definiert und die Etats immer größer werden. Wir haben es genau umgekehrt gemacht, ein augenzwinkernder Seitenhieb auf das Genre.

Die Serie wirkt sehr eigenständig. Sucht man nach annähernd vergleichbaren Filmprojekten mit Trash-Faktor, muss man weit zurück denken: An die BBC-Verfilmung von "Per Anhalter durch die Galaxis", an alte DEFA-SF-Filme wie "Der schweigende Stern" und natürlich an "Raumpatrouille Orion"...

Da habe ich zwar überall irgendwann mal reingeguckt, aber wir hatten da schon unsere eigenen Bilder im Kopf. Wir haben die beiden Kurzfilme und auch die spätere Serie in meiner Wohnung gedreht. Die war unser Raumschiff, daher musste das Weltall draußen vor dem Fenster sein. Daraus haben wir dann das Konzept entwickelt. Bei "Raumpatrouille Orion" haben die ein altes Bügeleisen eingebaut und gehofft, dass der Zuschauer nichts merkt. Wir machen das genaue Gegenteil und wollen, dass der Zuschauer den Durchblick behält. Die Idee dahinter ist, dass dieser ganze Kosmos vielleicht nur dem Kopf von Ijon Tichy entspringt, das alles nur in seiner Vorstellungskraft existiert.


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