"Büro, Büro"-Nostalgie mit Reinhard Schwabenitzky
Ein Interview 'aus gegebenem Anlass'
Reinhard Schwabenitzky
Reinhard Schwabenitzky
(Bild: Star*Film)
35.697 Mal ist bis dato von "Büro, Büro"-Fans auf wunschliste.de unermüdlich für eine Wiederholung der 80er Jahre-Serie abgestimmt worden, die man unweigerlich mit Reinhard Schwabenitzky ("Mundl - Ein echter Wiener geht nicht unter", "Kaisermühlen Blues", "Tour de Ruhr", "Der ganz normale Wahnsinn") als Co-Autor und Regisseur von 39 Folgen verbindet.

Im Laufe der letzten Wochen ist die Serie auf Platz 17 der wunschliste.de-Comedy-Charts hochgeklettert. Tendenz weiter steigend. Dies natürlich - um mal Herrn Dr. Brockstedt von der "Lurzer KG" zu zitieren - "aus gegebenem Anlass": Die 1. Staffel wurde endlich auf DVD veröffentlicht.

Reinhard Schwabenitzky dreht derzeit in Salzburg die dritte Staffel der ORF-Serie "Oben ohne" und hat sich für wunschliste.de Zeit für ein bisschen "Büro, Büro"-Nostalgie genommen.


Gabi Neuhammer (Elfi Eschke) und Gerd Semmler (Rolf Zacher)
Gabi Neuhammer (Elfi Eschke) und Gerd Semmler (Rolf Zacher)
(Bild: WDR/Das Erste/ARD Video)
Herr Schwabenitzky, was macht für Sie rückblickend den Charme dieser ersten deutschen Büro-Comedy aus? Welche Erinnerungen haben Sie an die Dreharbeiten und an die Darsteller der Mitarbeiter der legendären "Lurzer KG"?

"Nur angenehme! Wir haben ein tolles Ensemble gehabt, und es war ein Riesenspaß. Man muss wirklich sagen, dass es ein großes Vergnügen für uns war, "Büro, Büro" zu drehen. Es war auch das einzige Mal, dass ich 39 Folgen einer Serie gedreht habe - in allen anderen Fällen habe ich immer früher aufgehört Aber bei dieser Produktion war eben das Vergnügliche, dass wir mit Alltagsproblemen zu tun hatten, die jeder nachvollziehen konnte. Und die Schauspieler waren einfach alle hervorragend."

Dr. Herbert Brockstedt (Joachim Wichmann)
Dr. Herbert Brockstedt (Joachim Wichmann)
(Bild: WDR/Das Erste/ARD Video)
Wie man an der BBC-Serie "The Office" oder der ProSieben-Adaption "Stromberg" sieht, hat sich in mehr als zwanzig Jahren nach dem thematischen TV-Vorreiter "Büro, Büro" bezüglich kuriosen Firmenalltags nicht viel geändert. Haben Sie selbst jemals in so einem Umfeld gearbeitet? Woher kommt der liebevolle Kennerblick des Regisseurs auf den ganz normalen Büro-Wahnsinn?

"Na ja (lacht), in meinem Beruf braucht man halt schon etwas Fantasie. Ich habe ja auch Krimis gedreht, z.B. "Tatorte" und den ersten "Fall für zwei", und war noch nie im kriminellen Milieu. Das heißt, man stellt es sich vor, wie es eben sein könnte. Und man hat ja oft als Besucher in diversen Büros zu tun, und dann, naja, dann bastelt man eben die Geschichten. Was wir damals ausdrücklich nicht wollten, war, dass die Leute abends aus ihren Büros nach Hause kommen und sich bei "Büro, Büro" nicht entspannen können. Das heißt, wir wollten ihnen auch ein bisschen den Alltagsfrust nehmen und das Ganze ein bisschen entspannter, heiterer und komischer zeigen. Damit die Menschen ihr eigenes, tagtägliches - ernstes - Leben, nicht so ernst nehmen. Das Wesentliche an der Komik ist ja, finde ich, dass man sich mit den Menschen identifiziert und über die richtigen Leute lacht - und nicht, wie das heute in manchen Büro-Comedys üblich ist, über die falschen, d.h. die da unten über die da oben. Deshalb werden Serien, die dies nicht beachten, auch nie so erfolgreich sein, denn da wird einfach sehr viel verblödelt, es fehlt die ernsthafte Basis, und dadurch geht die realistische Komik oft verloren."

Alwin Thieme (Gert Burkard)
Alwin Thieme (Gert Burkard)
(Bild: WDR/Das Erste/ARD Video)
Werden Sie sich "Büro, Büro" jetzt, 25 Jahre nach Erstausttrahlung, auch noch einmal anschauen?

"Sicher, ich freue mich darauf und werde es mir gemeinsam mit meiner Frau Elfi Eschke [in der Serie als Sekretärin Gabi Neuhammer unvergesslich] gemeinsam anschauen, weil wir ja nicht unwesentlich daran beteiligt waren. Ich mache das übrigens immer wieder: Wenn ich einen neuen Film oder eine neue Serie drehe, sehe ich mir immer Sachen an, die ich früher gemacht habe, damit ich meine Fehler nicht wiederhole. Dafür mache ich (lacht) neue Fehler - aber nicht mehr die alten. Haben Sie "Büro, Büro" damals gesehen?"

Selbstverständlich. Alle 85 Folgen! Ich bin sogar im Besitz von Staffel 1 - allerdings nur auf Video 2000, was sich jetzt ja bald ändern wird. Haben sie neben ihrer Arbeit als Filmregisseur auch eine neue Serie geplant?

"Ich habe mich immer bemüht, spezielle Serien zu drehen. Serien, die nicht sind wie die anderen. So ist "Oben ohne", dessen 2. und 3. Staffel voraussichtlich ab Juni 2008 im ORF gesendet wird, etwas Eigenständiges und Unverwechselbares. Das mache ich, solange ich glaube, dass es gut geht oder solange der ORF es will. Derzeit haben wir diese Serie gut ausgelotet. Was ich nicht mag, ist, dass man etwas bis zur Unerträglichkeit auswalzt."

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jutta Zniva für wunschliste.de (März 2008).