Emmy-Awards zwischen Heidi und Mad Men

Verdiente Gewinner, gequälte Zuschauer

Für jeden beinharten Fan amerikanischer Fernsehserien ist die jährliche Emmy-Verleihung ein Pflichttermin. Man hat seine Favoriten, leidet mit den Verlieren und beweist sich selbst, dass man besser ist als der Rest der schlafenden Fernsehnation, da man tatsächlich gebannt um 2.00 Uhr morgens ProSieben einschaltet. Nun, in diesem Jahr wählte ich persönlich den bequemen Weg: schließlich liebe ich nicht nur die Emmys, sondern auch meinen DVD-Rekorder.

Im Nachhinein bin ich wahrhaft froh. Wäre ich aufgeblieben, wer weiß, ob ich es tatsächlich wachen Auges durch diese zähe Nacht geschafft hätte. Eigentlich kann ich zufrieden sein, so manche meiner Favoriten haben gewonnen. "Mad Men", ein wunderschön langsames, charakterbetontes Drama - niemand sonst hatte meiner Meinung nach den Emmy für die beste Serie so verdient. Mein Außenseiterherz konnte sich über den Preis für Zeljko Ivanek freuen, der als Ray Fiske sich in "Damages" gigantisch-geniale Duelle mit Glenn Close geliefert hatte, die dann auch noch als beste Hauptdarstellerin gewann. Mein Fan-Herz war also wirklich zufrieden.

Doch was musste dieses auch erleiden, bevor es endlich zu diesen Momenten kam? Eine Begrüßung durch Oprah Winfrey, die trotz mehrfacher Beschwörung der inspirierenden Wirkung des Mediums recht uninspiriert und schlecht einstudiert daherkam. Lange und langweilige Einspielclips, sowie ein recht seltsam anmutendes Medley von Titelsongs, vorgetragen durch Josh Groban. Falls man dessen Körpersprache folgt, konnte er sich wohl kaum vorstellen, dass manche Fans diese Melodien tatsächlich lieben. Trotz solcher zeitaufwendigen Einlagen wurde (mal wieder) bei den Dankesreden nach 30 Sekunden die Musik zum Abdanken aufgedreht - als ob die Erwähnung von Mama und Papa der eigentliche Grund für die Überlänge des Abends sei.

Das größte Ärgernis der diesjährigen Übertragung hat leider auch deutschen Ursprung. Heidi Klum ("Project Runaway") und ihre vier Co-Moderatoren der Verleihung stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass man noch lange keine Emmy-Verleihung moderieren sollte, nur weil man für einen der Preise nominiert ist. Ihre Darbietungen und Improvisationen pendelten zwischen peinlich und langweilig - keine Kombination die Feierstimmung aufkommen lassen wollte. Was ist so schwer daran tatsächlich jemanden mit komödiantischer Erfahrung anzuheuern? Ganz abgesehen davon, dass fünf Reality-Stars als Moderatoren in einem Jahr, in welchem die Serien-Industrie durch den Autoren-Streik stark gelitten hat, nicht unbedingt die passende Wahl sind.

Wie gesagt, es gab auch schöne und witzige Momente. Mary Tyler Moore und Betty White 30 Jahre nach Ende ihrer Serie zusammen auf einer Bühne zu sehen ist schon bewegend. Doch solche Augenblicke waren zu dünn gesät um diese Verleihung tatsächlich zu einem feierlichen Event für Fernsehliebhaber zu machen. Better luck next year - der Academy und uns allen.

22.09.2008 - Ralf Döbele

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