Eisenfresser

Die maritimen Müllkippen der Industrienationen

Die Strände der bengalischen Hafenstadt Chittagong zählen zu den maritimen Müllkippen der westlichen Industrienationen. Bangladesh ist eines der Zentren der Abwrack-Industrie: Hier stranden ausgemusterte Frachtschiffe, die von Arbeiterkolonnen in ihre Einzelteile zerlegt werden. Ein lukratives Geschäft. Allerdings nicht für jene Schweißer und Träger, die unter Lebensgefahr die rostigen Ozeanriesen auseinander nehmen. Ihre Arbeit auf der Werft begleitete der preisgekrönte Dokumentarfilmer Shaheen Dill-Riaz über einen Zeitraum von fünf Monaten. Er ist hautnah dabei, wenn auf bisweilen Asbest verseuchten Schiffen mit Eisenplatten hantiert wird, wenn kiloschwere Seile geschultert und barfuß durch mit Öl und Splittern verunreinigten Schlamm gezogen werden - für einen Tageslohn von nicht einmal einem Euro.

"Eisenfresser" reiht sich dabei in jene sehenswerten Polit-Dokus der jüngsten Zeit ein, die globale Zusammenhänge herstellen und dabei den gezeigten Arbeitsprozessen auch einen ästhetischen Reiz abgewinnen. Das Visuelle bildet hier jedoch lediglich den Rahmen; der konzentrierte Blick gilt allein den Geschehnisse auf der Werft. Dill-Riaz führt dabei auch vor, wie die Billigarbeiter, meist mittellose Bauern aus dem ärmeren Norden des Landes, durch ein kompliziertes Geflecht aus Abhängigkeitsverhältnissen auch noch um ihren geringen theoretischen Tageslohn von 1,30 US-Dollar pro Tag gebracht werden. Mit Geldscheinen wedeln daher nur Werft-Angestellte in den Top-Positionen, wenn sie dabei stolz darauf verweisen, dass die Firmenphilosophie einem Aufdruck auf der Dollarnote entnommen ist: "In God We Trust" - Wir vertrauen auf Gott.

arte zeigt "Eisenfresser" am 5. Mai um 21.00 Uhr in Erstausstrahlung.

Bild: arte

01.05.2009 - Michael Brandes/wunschliste.de

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