
Immer dieser blöde Satz: "Es ist doch alles kein Drama!" Die Grundschullehrerin Anne (Victoria Trauttmansdorff) kann es nicht mehr ertragen, wenn ihr Mann Georg (Matthias Brandt) sie wieder mal beschwichtigen will. Die unter Depressionen leidende Lehrerin ist unzufrieden mit ihren Kindern, ihren Eltern, ihrer Ehe und sich selbst. Die gutmütige Art ihres Mannes, eines Polizisten, der seine Deeskalations-Strategie auch in den eigenen vier Wänden praktiziert, ist dabei keine Hilfe. Anne braucht keine Fürsorge, sie steht unter Druck. Als sie ihren Mann zum ersten Mal schlägt, öffnet sich ihr Ventil. Nun ist es doch ein Drama.
Mit beklemmender Intensität widmet sich der Kölner Filmstudent Jan Bonny in seinem sehenswerten Spielfilmdebüt einem Tabuthema. "Gegenüber" handelt von häuslicher Gewalt – von Frauen gegen Männer. Annes Gewaltausbrüche werden zunehmend intensiver. Sich aus dieser Hassliebe zu befreien, gelingt beiden nicht. Georg küsst eine junge Kollegin (Susanne Bormann) und bereut es sofort. Anne schläft vor Georgs Augen mit seinem bestem Freund (Wotan Wilke Möhring). Nur um eine Reaktion zu provozieren. Bonny und sein fantastischer Kameramann Bernhard Keller ("Sehnsucht") gönnen dem Zuschauer dabei keinerlei Distanz. Wenn Anne auf Georg einprügelt, sieht das nicht so aus wie in einem Hollywoodfilm. Und genau das schnürt die Kehle zu.
(Die ARD zeigt die WDR-Produktion am Mo., 13. Juli um 22.45 Uhr in der Film-Reihe "Debüt im Ersten".)
Bild: WDR
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