Die Eisbombe

Über das Zurechtfinden in der modernen Welt

Tom (Eike Weinreich) wird geplagt von Regenphobie, Schoko-Allergie und zahllosen weiteren Zivilisationskrankheiten. Hinter den Leiden des introvertierten Krankenhaus-Zivis, dessen einziger Freund sein Regenschirm ist, steckt vor allem das Oberhaupt der Lehrerfamilie, die chronisch hysterische Mutter Beate (Karoline Eichhorn): Im Bio-Wahn ordnet sie den gesamten Haushalt den Testergebnissen aus Öko-Zeitschriften unter. Als ein mysteriöser, eventuell verseuchter Eisklumpen ein Loch ins Hausdach bohrt, zieht sich die Familie aus Angst vor einem zweiten Tschernobyl in den Garten-Bunker zurück und lässt ihr Schicksal bereitwillig von den Medien ausschlachten. Tom lernt derweil eine unkonventionelle Schauspielschülerin (Katharina Schüttler) kennen, die sein reguliertes Leben durcheinander wirbelt.

Zwischen absurdem Humor, verspielter Real-Satire und ernsthafteren Tönen findet Regisseur Oliver Jahn nicht immer das ausgewogene Maß, allerdings kann man das der sympathischen, glänzend besetzten Trash-Komödie kaum übel nehmen. Jahn gibt zwischen den Zeilen einige kluge Denkanstöße über den zunehmend unübersichtlicheren Alltag in der modernen Welt. Um uns in ihr zurechtzufinden, sollten wir wieder öfter unserem Herzen folgen.

Das ZDF zeigt "Die Eisbombe" als Erstausstrahlung Montagnacht (7.9., 0.25 Uhr) in der "Gefühlsecht"-Reihe des "Kleinen Fernsehspiels".

Bild: ZDF

07.09.2009 - Michael Brandes/wunschliste.de

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