Pocher vs. Schmidt - Ein Zwischenstand

Der Kleinkrieg nach der Trennung

Über das Privatleben von Harald Schmidt ist wenig bekannt. Wie kaum einem anderen Prominenten gelingt es ihm, Beruf und Familienleben strikt zu trennen und dem Boulevard aus dem Weg zu gehen. Private oder gar freundschaftliche Verhältnisse zu seinen Angestellten existieren offenbar nicht, das kumpelhafte Miteinander mit Sidekicks wie Manuel Andrack ist genau das, was es sein soll: eine Show. Genau so verhielt es sich auch mit dem Duo Schmidt/Pocher, doch das neutrale Arbeitsverhältnis scheint in der Nachbetrachtung vor allem bei Pocher Narben hinterlassen zu haben, die nun auch öffentlich kommentiert werden. Vor allem liegt das an Pochers bekanntlich großem Ego und seiner Unzufriedenheit mit der Rolle des Lehrlings an der Seite Schmidts, die ihm der überwiegende Teil der Öffentlichkeit attestiert. Pocher beklagte sich nach dem Aus unter anderem über eine zu geringe Wertschätzung durch die Schmidt-verehrenden Autoren der Show, das Streichen einiger seiner Gags und Ideen und darüber, dass das Ende der Zusammenarbeit nicht mit ihm abgesprochen worden sei.

Inzwischen thematisieren sich beide gegenseitig - auf unterschiedlichen Ebenen. Schmidt belässt es beim Plaudern über Pocher bei einer Handvoll salopper Formulierungen und Aktionen, die großen Interpretationsspielraum lassen. Dabei sind seine Seitenhiebe eher kryptischer Natur - wie das Brausepulverschlecken aus dem Bauchnabel der Pocher-Ex Monica Ivancan in der Vorwoche. Pochers Kritik ist gezielter, aber keinesfalls trefflich. Er verweist auf Schmidts vermeintlich niedrige Quoten (und damit auf fehlenden Massenappeal) - obwohl er selbst zwei Jahre für die Quoten mitverantwortlich war und viele Jahre damit kokettiert hat, kein Liebling der Massen sein zu wollen. In Pochers Wahrnehmung "war eher Harald Schmidt der Co-Moderator der Sendung", und sowieso, der "Mythos Harald Schmidt zerbröselt aber auch langsam" (FAZ-Interview). Nun, Mythen zerbröseln grundsätzlich nicht. Sie festigen sich. Und Schmidts Qualitäten über die Quote definieren zu wollen, ist ohnehin sinnlos. Selbst die zu stark auf die Quoten schielende ARD hat verinnerlicht, dass der Kosten-Nutzen-Faktor trotz Schmidts zahlenmäßig begrenztem Stammpublikum stets positiv bleibt.

Pocher, das müssen auch seine ärgsten Kritiker anerkennen, ist ein Entertainer mit einer sehr ausgeprägten, eher intuitiven Beobachtungsgabe. Er kann unter anderem Zeitgenossen aller Art sehr treffend karikieren. Diese Stärke hat ihm in "Schmidt & Pocher" zu einigen hellen Momenten verholfen, doch - auch mit Blick auf die erste Ausgabe seiner neuen Late-Night-Show - ist zu befürchten, dass er aus den zwei Jahren mit Schmidt weniger fruchtbares mitgenommen hat als man ihm wünschen würde. Ohne die vermeintlichen Spaßbremsen aus ARD-Zeiten kann er jetzt wieder machen, was er will. Mutmaßlich wird es genau das sein, wovon der frühe Pocher bereits gezehrt hat und viele seiner Komiker-Kollegen und auch fast alle Reality-Shows der Privaten seit Jahren gut leben: die öffentliche Vorführung und Demütigung von Menschen, die alles mit sich machen lassen, um mal ins Fernsehen zu kommen.

Bild: ARD/Marco Grob

04.10.2009 - Michael Brandes/wunschliste.de

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