
Heutzutage dient die Herrenhandtasche nur noch als Synonym für einen Sixpack Bier. Der freundliche Franke Erwin Pelzig, bekannteste Kunstfigur des Kabarettisten [P19812]Frank-Markus Barwasser, dürfte somit letzter bekennender Träger jenes verblichenen Mode-Accessoires der späten 70er Jahre sein, das in den frühen 80ern schon wieder out war. Und so baumelt das Täschchen mit Schlaufe immer lässig am Handgelenk, wenn Pelzig - als naiver Clown eine Kreuzung aus Mr. Bean und Didi Hallervorden - seine Umwelt ins Chaos stürzt. Hier vertritt er seinen bettlägerigen Nachbarn (Peter Lohmeyer) als Chauffeur eines Großindustriellen und kommt dabei einem Firmen- und Familienkomplett auf die Schliche. Gemeinsam mit der Hostess Chantal (Christiane Paul) macht er sich an die Rettung der Arbeitsplätze.
In Zeiten, in denen Massenentlassungen ungestraft mit den Interessen der Aktionäre entschuldigt werden dürfen, ist es nicht mehr besonders wagemutig, das Thema Arbeitslosigkeit als Komödie zu verpacken. Einen so naiv-verzerrten Blick auf die Wirtschaftswelt, in der die Globalisierung unter dem Mantel der Sozialromantik verhüllt wird, sieht man aber nicht oft. Die Kapitalismus-Schelte ist derart milde verpackt, dass sich selbst der aalglatteste Karrierist kaum angesprochen fühlen dürfte. Der Film ist immer dann unterhaltend, wenn er sich ganz auf Slapstick und Dialogwitz seiner Hauptfigur konzentriert. Man kann sich Herrn Pelzig daher (neben seiner Talkshow "Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich") sehr gut als Helden einer netten Vorabendserie von süddeutscher Gemütlichkeit vorstellen. Auf Spielfilmlänge gesehen ist das aber etwas zu wenig.
***
Der BR zeigt "Vorne ist verdammt weit weg" in TV-Erstausstrahlung am Samstag, 2. Januar 2010 um 20.15 Uhr. Im Anschluss um 21.50 Uhr folgt ein 75-minütiges Best Of "Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich".
Bild: BR / Cinenic Film GmbH
Diskussion zu diesem Thema @ tvforen.de
Nächste Meldung: Politiker kritisieren geplante "Tagesschau"-"App"




































