Die "New York Times" analysiert Germany's "Tatort"

'Die Deutschen lieben ihre Kommissare'
Bild: NDR/Christine Schroeder

Michael Kimmelman, Musik- und Kunstkritiker der "New York Times", lebt seit 2007 in Deutschland und schickt nun von dort seine Texte an die einflussreiche überregionale US-Tagsezeitung. In seiner aktuellen Kolumne ("Die deutschen Zuschauer lieben ihre Kommissare") widmet er sich dem Phänomen "Tatort" und zeichnet - deutlich aus der Perspektive des Amerikaners in Berlin - ein nicht uninteressantes, stellenweise auch recht kurioses Bild des ARD-Krimiklassikers.

Angesichts des "Tatorts", der seit fast 40 Jahren laufe, könnten einem in Deutschland der Rekord von 20 Jahren "Gunsmoke" und bald auch "Law & Order" wie eine flüchtige Highschool-Romanze erscheinen, erklärt Kimmelman seinen US-Lesern. Der Vorspann ("zwei Augen im Fadenkreuz") habe sich seit 1970 in der deutschen Psyche ebenso fest verankert wie beispielsweise ein durch Springfield skatender Bart Simpson oder "Those Were The Days", die Titelmelodie der 70er-Jahre-Serie "All In The Family", in den Köpfen der Amerikaner.

Ein Teil des "Tatort"-Erfolges beruhe auf einer "liebenswerten" Nähe zur deutschen Lebenswirklichkeit: Die Verbrechen ereigneten sich an für Deutschland "typischen" Schauplätzen wie etwa den so genannten "Schrebergärten", wo die naturverbundenen Deutschen ihre eigenen Tomaten züchteten oder stolz ihre Gartenzwerge präsentierten (Herr Kimmelman hat also den NDR-"Tatort" "Erntedank e.V." - siehe Bild - geguckt) Das Kölner Ermittlerduo wiederum besuche stets das für das Rheinland typische "Büdchen", wo es "beer and bratwurst" gebe.

Alle "Tatort"-Kommissare hätten etwas gemeinsam: Sie seien keine Sherlock-Holmes-Figuren, sondern fast durch die Bank mürrische, pessimistische. Laut Kimmelman seien sie also normale Menschen, wie ein Land, das ("allzu") demokratisch sei, "seine Stars möge". Auch in dieser Hinsicht sei die Krimireihe "ausgesprochen Deutsch".

28.08.2009 - Jutta Zniva/wunschliste.de in Vermischtes
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  • Isaak_HuntIsaak_Huntschrieb am 03.09.2009, 07.41 Uhr: via tvforen.de

    Der Artikel funktioniert auf beiden Ebenen. Die Unterschiede zu amerikanischen Serien, deutlich weniger Action, weniger Schießereien, weniger Autoverfolgungsszenen und eine eher 'nüchterne'...
  • Isaak_HuntIsaak_Huntschrieb am 03.09.2009, 07.19 Uhr: via tvforen.de

    Stimmt! Da habe ich wohl mal wieder ans Essen gedacht lol
  • HülyaHülyaschrieb am 02.09.2009, 18.17 Uhr: via tvforen.de

    Es dürfte weniger um Tatort als Serie sonder die deutsche Fernseh- bzw. Serienkultur gehen.
  • DarknessDarknessschrieb am 02.09.2009, 18.10 Uhr: via tvforen.de

    Rockford war aber ein Dektektiv und Kojak ein hoher Polizei Beamter. ich frag mich gerade ob sich überhaupt Leute in den Staaten für diesen Artikel interessieren...Tatort dürfte da doch total...
  • extranaseextranaseschrieb am 02.09.2009, 17.31 Uhr: via tvforen.de

    OK. Den einen habe ich nie gesehen und den anderen esse ich gern. Aber an Rockford ;-) kann ich mich auch nicht mehr erinnern.
  • Isaak_HuntIsaak_Huntschrieb am 01.09.2009, 17.12 Uhr: via tvforen.de

    Roquefort und Kojak handelten in den entsprechenden Serien mehrfach jenseits des gesetzlichen Rahmens. Stilprägend waren aber wohl eher Filmfiguren wie Serpico, Shaft und Dirty Harry. Aber der...
  • extranaseextranaseschrieb am 31.08.2009, 15.45 Uhr: via tvforen.de

    Hilf mir mal auf die Sprünge. Welcher US-Fernsehkommissar der 60er oder 70er war ein Straßentyp, der in der Kriminalitätsbekämpfung am Rande der Legalität lavierte? Ich gebe zu, mich mit dem...
  • Pete MorganPete Morganschrieb am 30.08.2009, 21.30 Uhr: via tvforen.de

    Ich hab auch nur Vergleiche gezogen. Angegriffen hab ich mich nicht gefühlt. Vielleicht hab ich mich etwas zu ernst ausgedrückt oder das :-) vergessen... Der Lonewolf Pete
  • Isaak_HuntIsaak_Huntschrieb am 30.08.2009, 21.10 Uhr: via tvforen.de

    Diese Außensicht auf Deutschland und Tatort finde auch recht interessant und auch treffend. Ich denke nur, dass der Autor die Charaktisierung der Figur Schimanski nicht ganz richtig hinbekommen hat....
  • ftdeftdeschrieb am 30.08.2009, 12.16 Uhr: via tvforen.de

    Ich kann in dem Artikel keinerlei Häme, Intoleranz oder ähnliches entdecken (und ich habe ihn komplett gelesen), in deinem Beitrag dafür jede Menge. Der Artikel ist etwas klischeehaft, aber nicht...
  • Pete MorganPete Morganschrieb am 30.08.2009, 11.20 Uhr: via tvforen.de

    Pessimistische Fernsehcops, die in Reihenhäusern mit farbigen Haustüren wohnen, Hut und regenschirm tragen und Fish & Chips essen, gibts im britischen TV auch - und die sind eben tyüisch englisch....
  • möwemöweschrieb am 29.08.2009, 21.35 Uhr: via tvforen.de

    Tausend Dank für den Link, herrlich diese Außen-Sicht
  • ftdeftdeschrieb am 29.08.2009, 00.36 Uhr: via tvforen.de

    Vielen Dank für den Hinweis, das war interessant zu lesen. Es wäre sicher eine gute Idee gewesen, den zitierten Artikel zu verlinken, aber ich habe ihn dann auch selbst gefunden:...

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