
Wie alt kann man werden, wenn man jung stirbt? Fragen dieser Art bestimmen die Gedanken der drei Kinder der Familie Striesow, die aus der DDR in den Westen geflohen ist. Vor allem die labile Mutter Irene (Katherina Schubert) findet sich in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit der 60er Jahre nicht zurecht. Hysterisch konfrontiert sie die Kinder und ihren hilflos-passiven Mann (Oliver Stokowski) ständig mit ihren drei schlimmsten Befürchtungen: Ihr Mann geht fremd. Die Russen kommen. Sie wird früh sterben.
"Friedliche Zeiten", eine Koproduktion von BR und arte, ist der in nostalgisch verklärtem Retro-Look inszenierte neue Film von Neele Vollmar ("Urlaub vom Leben", "Maria, ihm schmeckt's nicht"). Ihre aus Kindersicht erzählte Familiengeschichte gewinnt an Dramatik, als der Russe zwar nicht den Westen, aber immerhin doch Prag erreicht. Leider wirkt die Tragikomödie dabei bisweilen so bieder wie der überkitscht eingefangene Zeitgeist der Republik jener Jahre, an der die "Swinging Sixties" spurlos vorüber zogen. Unweigerlich kommen Erinnerungen an die harmoniegetriebenen, überzuckerten Familienfilme der 60er Jahre auf.
Ob "Friedliche Zeiten" diesbezüglich als Hommage oder gar als Persiflage interpretierbar ist, liegt nicht immer klar auf der Hand, allerdings finden sich die Schauspieler mit ihren Karikatur-Rollen glänzend zurecht. Der ruhende Pol der brüchtigen Familie sind dabei die (vorzüglich gespielten) Kinder, angeführt von der 11-jährigen Wasa (Leonie Brill). Wenn die kleinen Striesows anhand eines selbsterfundenen Vokabulars rund um "Mindestkriege" und "Zweitfrauen" die Gefühlswelt ihrer Eltern analysieren und Lösungen für deren Ehekrise suchen, bekommt "Friedliche Zeiten" seine stärksten Dialoge und seine humorvollsten Momente.
arte zeigt "Friedliche Zeiten" am Mittwoch, 7. Juli um 22.00 Uhr in Erstausstrahlung.
Bild: BR
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