"Kerner"-Presseschau: Geklonter Günther Jauch

Erste Ausgabe des Sat.1-Magazins fällt bei der Kritik durch
Bild: Sat.1/Arne Weychardt

Mit nur 1,83 Millionen Zuschauern war die erste Ausgabe des neuen Sat.1-Magazins "Kerner" dem RTL-Konkurrenten "Bauer sucht Frau" (7,45 Mio) am Montagabend hoffnungslos unterlegen (wunschliste.de berichtete). In der Presse fiel das von Sender-Neuzugang Johannes B. Kerner moderierte neue "journalistische Flagschiff" von Sat.1 ebenfalls durch.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte das angekündigte Konzept irgendwie anders in Erinnerung: Diesmal solle "so vieles anders sein, hatte Kerner zuvor verlauten lassen. Es werde nicht gekocht, er wolle keine Prominenten einladen, wenn die nichts zu erzählen hätten. Da traf es sich gut, dass Mario Barth gerade in der Nähe war, um von seinen ausverkauften Hallen und von seiner Freundin zu berichten und anschließend drei Steaks zu braten." Ansonsten erinnerte die Themenauswahl "schon schwer an 'Stern TV'. Mit dem feinen Unterschied, dass Kerner eben nicht Günther Jauch ist."

Der "Spiegel" sah eine "krude Mischung aus 'stern TV', 'ZDF-Reporter', 'RTL Extra', 'Akte X' und 'Bibel TV'. Von allem viel, aber nichts richtig. In der Fußballersprache würde man wohl sagen: Kampf gegen den Abstieg in die 2. Liga." Ein Thema der Sendung waren die 330 Baustellen auf Deutschlands Autobahnen: "In einer erschütternden Dokumentation mit vielen Zeitzeugen am Gaspedal sehen wir eine junge blonde Studentin auf der A3 Würzburg-Heilbronn, die vor lauter Verzweiflung im Dauerstau am Steuer ihr Kreuzworträtselheft hervorholt. Wie gut, dass gerade ein Kerner-Team auf dem Beifahrersitz zur Stelle ist, um den Skandal für die Nachwelt festzuhalten."

Milder urteilt die "Welt": "Einen lebensechten Klon von Günther Jauch bekommt der Bällchensender noch nicht hin. Aber mit der Kopie von 'Stern TV', einem der erfolgreichsten Magazine im deutschen Fernsehen, hat es nun ganz gut geklappt." Kerner war "nervös vor Lampenfieber, was ihn beinahe sympathisch machte". Dennoch müsse man fragen, "wozu man ein zweites 'Stern TV' mit einer Jauch-Kopie braucht, wo doch das Original so beliebt ist, dass es auch als Bundespräsident kandidieren könnte."

"Anders als Jörg Pilawa, der sich (und uns) den Senderwechsel von der ARD zum ZDF mit einer fast einjährigen Auszeit versüßt, machte Kerner ohne zu blinzeln weiter. Dieter Bohlen schrieb ihm noch mal fast die gleiche Erkennungsmusik, Florian Wieder baute ihm noch mal fast das gleiche Studio, nur gibt es jetzt lange Filmteile wie bei Günther Jauchs RTL-Magazin "stern TV". Kerner hatte zuvor im Rahmen einer Bescheidenheitsdemonstrationstournee gesagt, dessen Schuhe seien ihm eine Nummer zu groß, dabei sind sie in Wahrheit nur ausgetreten", resümiert Stefan Niggemeier für die "taz". Kerner versuche nun, das von 'stern TV' perfektionierte "Prinzip der Redundanz und Anspruchslosigkeit zu imitieren".

Für die "FAZ" schmeckte die erste "Kerner"-Show "zäh wie ein zu lange gebratenes Steak, für die nötige Würze sorgte nicht einmal Mario Barth, dessen Redeschwall Johannes B. Kerner kaum zu unterbrechen wusste. Da musste schon nachträglich geschnitten werden, um den Auftritt zu beenden." Der Gast aus der Schweiz, der Grüße aus dem Reich der Toten ausrichten ließ, sei ebenfalls "eine ziemliche Luftnummer" gewesen, kurzum: "Der neue Kerner ist - fast ganz der alte."

04.11.2009 - Michael Brandes/wunschliste.de in Vermischtes
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  • BaldurinosBaldurinosschrieb am 06.11.2009, 16.07 Uhr: via tvforen.de

    Na und? Dafür nervt er jetzt übermäßig bei "ran"! (Mich zumindest!)
  • Beverly BoyerBeverly Boyerschrieb am 05.11.2009, 16.37 Uhr: via tvforen.de

    Zumindest sind wir ihn bei Spielen der Nationalmannschaft los. :-)
  • onlythetruthonlythetruthschrieb am 05.11.2009, 14.42 Uhr: via tvforen.de

    Tja, wieder einmal ein Sender der auf (weichspül) Kerner reinfällt. Habe ich mich bei seinen ZDF Zeiten noch geärgert, das ich u.a. auch sein Millionen Gehalt mitbezahle ist er mir nun völlig...
  • QuasselkasperQuasselkasperschrieb am 04.11.2009, 19.33 Uhr: via tvforen.de

    das gespräch mit barth zu genau dem thema urlaub hatten die beiden doch schon wochen vorher geführt. man hätte also auch die aufzeichnung von damals zeigen können.
  • erîkerîkschrieb am 04.11.2009, 19.03 Uhr: via tvforen.de

    Die beste von allen Kritiken habt ihr aber vergessen, sie stammt von Ulli Tückmantel/ Rheinische Post (selbst Stefan Niggemeier mußte das zugegeben) und lautet "Tote im Studio", ein paar Zitate:...

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