Serienpreview: "The Big C"

Laura Linney als krebskranke Lehrerin in neuer Showtime-Dramedy
Bild: Showtime

Ungewöhnliche Hauptfiguren, riskante Themen, spannende Umsetzung: In den letzten Jahren wurde diese Kombination zum Markenzeichen der Serien, mit denen der US-Bezahlsender Showtime Fernsehfans begeistert. Nach dem sympathischen Serienkiller ("Dexter"), der drogendealenden Mutter ("Weeds - Kleine Deals unter Nachbarn") und der pillenschluckenden, katholischen Krankenschwester "Nurse Jackie") ist eine krebskranke Hausfrau, die ihr eingefahrenes Leben endlich auf den Kopf stellt fast schon ein selbstverständliches Thema für den Sender, der HBO in den letzten Jahren in Sachen Qualität oft überflügelt hat. "The Big C" - C für Cancer, Krebs - wurde damit aufgrund seiner Heimat automatisch zu einer der mit am meisten Spannung erwarteten neuen Serien des Jahres. Mit Laura Linney hatte man zudem eine herausragende Schauspielerin an Bord, die zuletzt für ihre Leistung in der HBO-Mini-Serie "John Adams" mit einem Emmy ausgezeichnet wurde.

Die Absicht eine Krebserkrankung in das Zentrum der Handlung einer ganzen Serie zu stellen ist zwar recht aufsehenerregend, im Endeffekt aber nicht mehr wirklich neu. "Emergency Room", "Six Feet Under" und gar "Sex and the City" zeigten auf eindrucksvolle Weise, wie die grauenvolle Diagnose das Leben einer Hauptfigur für immer verändern kann. Im Zuge dieser Storylines liefen Autoren und Schauspieler jener Serien oft zu unvergleichlicher Hochform auf. Die Fragen, denen sich Dr. Greene oder Samantha Jones konfrontiert sahen waren direkt aus dem Leben gegriffen: die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit, das Hinterfragen der eigenen Lebensentscheidungen, des eigenen Alltags. Hat man wirklich so gelebt, wie man es wollte? Welche Träume gerieten in Vergessenheit, welche Opfer hat man gebracht? Wird es nicht endlich Zeit kompromisslos zu leben? Oder findet man mehr Stärke, als man es je für möglich gehalten hätte, in der Unterstützung durch den eigenen Partner, die Familie, seine Freunde? Erzählpotential für eine eigene Serie zu diesem Thema gibt es also im Überfluss. Dennoch vollbringt "The Big C" die unglaubliche Leistung, all jenes Potential in seiner ersten halben Stunde vollkommen zu verschwenden und unter exzentrischen Eskapaden zu begraben.

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01.09.2010 - Ralf Döbele/wunschliste.de

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