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In Wien war die Wohnungsnot groß. Mit Beginn der Massendeportation von Juden wurden in kurzer Zeit 70.000 Wohnungen frei. Viele Nachbarn spekulierten auf solche Wohnungen, wenn sie größer und schöner waren, und übernahmen sie inklusive Hausstand, auch in Deutschland. Noch im Sammellager wurden Juden kurz vor der Deportation gezwungen, ihr Vermögen genau anzugeben und mit ihrer Unterschrift "freiwillig" auf all ihren Besitz zu verzichten. Alles wurde ihnen abgenommen: Goldzähne der Ermordeten gingen an den Staat, 15 Prozent davon an die Wehrmachtsdentisten. Auf diese Weise erhielten auch einfache Soldaten an der Front Goldzähne. Der Staat war in allem sehr genau, buchte sogar Fahrkarten für Sonderzüge in KZs auf Kosten der deportierten Juden. Und wer die NS-Zeit überlebt hatte, musste nachweisen, was früher ihm gehörte. Sonst blieb alles beim neuen Besitzer. Bis heute schlummern bei vielen Oberfinanzdirektionen Akten, die nicht ausgewertet sind.
(SWR)