Jochen Breyer recherchiert in einer Welt, die es offiziell seit über hundert Jahren nicht mehr gibt - und dennoch erstaunlich lebendig ist: die Welt des deutschen Adels. Seit der Abschaffung der Monarchie 1919 ist der Stand rechtlich bedeutungslos. Und doch prägen adelige Familien bis heute Teile des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland. Der Film beobachtet diesen Spagat zwischen Tradition und moderner Realität. Jochen Breyer besucht Schlösser, Jagden und Adelsbälle. Er trifft Baron Nikolaus von Gayling-Westphal, den 26. Herrn von Schloss Ebnet bei Freiburg, und begleitet Günther Graf von der Schulenburg durch seine Wälder und Familienarchive. Gayling-Westphal lebt in einem 276 Jahre alten Schloss, das nie richtig warm wird und monatlich rund 10.000 Euro Nebenkosten verursacht. Trotz eines Sturzes empfängt er Breyer zum Interview im Himmelbett. "Die alten Traditionen, die Merkmale vom Adel, die konnte man ja nicht verbieten", sagt der Baron. "Ich erkenne, wer adlig ist und wer nicht." Seinen Stammbaum könne er bis ins Jahr 1080 zurückverfolgen. Auch das mache den Adel aus. Dass Schlösser und Burgen bis heute im Besitz adeliger Familien sind, überrascht kaum. Weniger bekannt ist, dass Adelige auch unter den Vermögenden deutlich häufiger vertreten sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Ein Beispiel ist der Wald: Große Flächen des deutschen Waldes gehören bis heute adeligen Familien. Günther Graf von der Schulenburg bewirtschaftet 5.000 Hektar Wald - eine Fläche von etwa 7.000 Fußballfeldern. Für ihn ist der Besitz Privileg und Verpflichtung zugleich. "Ich profitiere wirtschaftlich von Bäumen, die mein Großvater gepflanzt hat. Und wenn ich heute Bäume pflanze, profitieren mein Sohn oder mein Enkel davon", sagt er. "Wir sind der Meinung, man muss den Besitz zusammenhalten." Der Film zeigt: Adel bedeutet heute weniger Glanz als Verpflichtung. Besitz wird nicht verbraucht, sondern bewahrt - im Bewusstsein, Teil einer langen Kette zu sein. Gleichzeitig erlebt Breyer, wie auf Bällen bereits die nächste Generation junger Adeliger Netzwerke knüpft und wie der Fortbestand einer Familie nach den Regeln des historischen Adels noch immer von männlichen Stammhaltern abhängt. "Es gab Momente zwischen Polo-Turnier und Hut-Wettbewerb, in denen ich dachte: Das kann nicht real sein", sagt Breyer. "Ich hatte das Gefühl, in einer Adels-Serie gelandet zu sein. Aber alles war echt." Orientierung und Einordnung erhält der Film auch durch eine besondere, zusätzliche Erzählebene: Schauspielerin Katja Riemann schlüpft in die Rolle einer Hausdame, die den Zuschauer durch die Geschichte und Gegenwart des deutschen Adels führt.
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