1992. Umweltreportagemagazin mit Petra Kelly.
Es war eine der unwahrscheinlichsten Kombinationen in der Geschichte des deutschen Privatfernsehens: Ausgerechnet der konservative Sender Sat.1 von Leo Kirch und Axel Springer bot Kelly, einer der profiliertesten Streiterinnen der Umweltschutzbewegung und einem Gründungsmitglied der Grünen, die Moderation einer Umweltsendung an und versprach ihr freie Hand bei ihren Texten und die Möglichkeit der redaktionellen Mitarbeit. Alle zwei Wochen dienstags um 23.00 Uhr ging es eine halbe Stunde lang um jeweils ein beunruhigendes Thema: Mülltourismus, Tierversuche, Amalgam oder Truppenübungsplätze.
Es kam, wie es kommen musste: Sat.1 wurde die als "Zugpferd" gedachte Kämpferin zu unbequem. Aus einer krankheitsbedingten Pause im April kehrte Kelly nicht mehr auf den Bildschirm zurück. Von "unterschiedlichen Auffassungen über den redaktionellen Inhalt" der Sendung war die Rede. Sat.1 behauptete, die Moderatorin sei zu "undiszipliniert", um mit ihr zusammenzuarbeiten. Kelly bewies dagegen, dass der Sender versucht hatte, ihre Moderationstexte zu entschärfen und z. B. jeden Hinweis auf "besonders hohe Dioxin-Konzentrationen" in der Muttermilch entfernte. Sat.1 hatte versucht, die Zusammenarbeit mit Kelly still und leise zu beenden, was sie verhinderte. Freunde wie Gert Bastian, Bärbel Bohley, Franz Alt und Lew Kopelew protestierten öffentlich dagegen, dass Kelly durch das Moderationsverbot dafür "bestraft werden" solle, "dass sie sich energisch gegen ständige Versuche inhaltlicher Einengungen und gegen schwerwiegende Beleidigungen verwahrt hat". Die restlichen Reportagen zeigte Sat.1 unmoderiert.
Für Ärger ganz anderer Art sorgte die erste Sendung unter dem Titel "Auf Lettlands Kinder wartet der Tod" über Missbildungen bei Kindern, die in der Nähe militärischer Abhöranlagen geboren wurden. Es stellte sich heraus, dass der Autor des Films die Bilder von den missgebildeten Kindern, die angeblich in der Nähe einer konkreten Anlage geboren wurden, nicht selbst gedreht hatte und auf Nachfrage auch nicht sagen konnte, wo sie überhaupt entstanden waren.