Die Entführung des Richard Oetker ist nicht nur die wahre Geschichte eines skrupellosen Verbrechens, sondern auch eines der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle, die sich von den 70er Jahren bis in die späten 90er zieht. Im Dezember 1976 wurde der damals 25jährige Richard Oetker entführt und in einer engen Holzkiste fast 40 Stunden festgehalten. Stromschläge hatten ihm beide Oberschenkelhalsknochen und zwei Brustwirbel gebrochen, die ihn sein Leben lang zeichnen werden. Seine Familie zahlte eine bis dato einmalige Lösegeldforderung von 21 Millionen Mark. Der Entführer konnte zunächst entkommen, musste sich dann aber in einem spektakulären Indizienprozess dem Der spannende Zweiteiler Der Tanz mit dem Teufel nimmt sich einem der größten Kriminalfälle des Jahrhunderts an: der Entführung des Industriellensohns Richard Oetker. Aus juristischen und dramaturgischen Gründen weicht die Verfilmung von den wahren Ereignissen ab.
Im Dezember 1976 wird der Student Richard Oetker (überzeugend: Sebastian Koch) auf dem Parkplatz der Universität Weihenstephan in Freising entführt. Von seinen Kidnappern wird der damals 25-Jährige in eine sargähnliche Holzkiste gesperrt, in der er lebensgefährlich verletzt fast zwei Tage lang ausharren muss. Die Entführer entkamen mit der für damalige Verhältnisse unglaublichen Summe von 21 Millionen Mark als Lösegeld. Nachdem erste Spuren ins Leere laufen, setzt die Polizei im April 1977 die Sonderkommission Oetker ein. Kommisar Georg Kufbach (Tobias Moretti, Kommisar Rex) wird mit dem Fall beauftragt. Nach zwei Jahren kann er den Verdächtigen Dieter Cilov (eindrucksvoll: Christoph Waltz, Schimanski: Blutsbrüder) dingfest machen. In einem Aufsehen erregenden Indizienprozess wird Cilov, der die ganze Zeit seine Unschuld beteuert, zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt. Kufbach und Oetker sind wie besessen davon, den Schuldigen zu überführen. Das Lösegeld bleibt unauffindbar, bis Cilov schließlich nach seiner Entlassung einen Fehler begeht.
Nach dem eindrucksvollen Mauerdrama Der Tunnel, in dem Sebastian Koch bereits mit von der Partie war, liegt mit dieser Sat-1-Produktion erneut ein packender Krimi vor, dem es an Dramatik nicht mangelt. Einfühlsam wird Oetker porträtiert, der durch die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen der Entführung sein Leben lang gezeichnet bleibt. Dabei bleibt der Film immer darauf bedacht, die Geschichte des Opfers und nicht des Täters zu erzählen. Durch die bis in die Nebenrollen hinein überzeugende Besetzung gelingt dies auf eindrucksvolle Weise. Auch wenn die Macher des Films offenbar glaubten, die Geschichte durch die Liebesgeschichte zwischen Kufbach und seiner Krankenschwester zusätzlich aufwerten zu müssen. Diese wäre ebenso wie der zum Teil übertrieben dramatische Einsatz der Musik verzichtbar gewesen, da die Dramatik sowie die Charaktere -- die Entführung gilt als einer der spektulärsten Kriminalfälle der Bundesrepublik -- die Geschichte vollständig tragen. Ein spannender Kriminalfall, der über das übliche TV-Einerlei hinaus geht. --Birgit Schwenger