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Autorenverband kritisiert Machtstrukturen und Programmphilosophie
(22.10.2012, 16.13 Uhr)

Anlässlich des Gerichtsurteils im NDR-Drehbuchskandal hat der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) die "zentralistischen Machtstrukturen" innerhalb der öffentlich-rechtlichen Sender kritisiert. Bemängelt wird auch die Programmphilosophie von ARD und ZDF.
Die ehemalige Fernsehspielchefin des NDR, Doris Heinze, hatte während ihres Prozesses eingeräumt, unter Pseudonym verfasste Drehbücher von sich selbst sowie von ihrem Mann für den NDR eingekauft zu haben. Vom Landgericht Hamburg wurde Heinze wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Gefängnis gefordert und inzwischen gegen das Urteil Berufung eingelegt (wunschliste.de berichtete).
Der VDD-Vorstand kritisiert das milde Urteil insbesondere mit Blick auf die Begründung: "Es ist unverständlich, wie das Gericht der Vorstellung folgen konnte, Doris Heinze hätte gar keine andere Wahl gehabt, als selbst Drehbücher zu schreiben, schließlich ginge es um nicht weniger, als die Rettung des Fernsehens. Doch unabhängig von der Qualität der Drehbücher Heinzes hat das Gericht über Betrug an Sender und Gebührenzahler zu entscheiden. Die Richter ließen jedoch Argumente über das Niveau ihrer Schreibarbeit in ihre Urteilsfindung einfließen und ignorierten das dahinterliegende System, wodurch ein solcher Missbrauch überhaupt möglich wurde, gänzlich."
Der Fall Heinze offenbare das dahinter liegende Strukturproblem von ARD und ZDF: "Ein stark hierarchisiertes System, zu wenig kontrolliert und von einigen wenigen Entscheidungsträgern beherrscht." Es fehle eine effektive Qualitätskontrolle: "Wenn Entscheider und Kreateur in einer Person vereinigt sind, fehlt ein wichtiges Rückkopplungselement." Um einen ähnlichen Fall von Machtmissbrauch in der Zukunft auszuschließen, sei eine "grundsätzliche Veränderung der zunehmend zentralistischen Machtstrukturen innerhalb der ARD und ihrer angeschlossenen Unternehmen zugunsten der alten Vielfalt" geboten.
Bemängelt wird von den Autoren auch die immer stärker ausgeprägte Gleichförmigkeit fiktionaler Filme und Serien, die von ARD und ZDF gern als "Marke" verkauft werden: "Es ist mehr als bedenklich, dass im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Umbau der Programmphilosophie eingeleitet wurde, der eine Verengung der möglichen Inhalte zu einem vereinheitlichten, schnell wiedererkennbaren und vor allem der Quote verpflichteten Erzählmuster zur Folge hatte und aus einem ehedem vielstimmigen, zuweilen sperrigen Chor ein nahezu unkontrolliertes Programmdiktat Einzelner entstehen konnte." Das Programmangebot entspräche damit nicht mehr dem "Grundgedanken eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks".
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