Wie häufig bei Godards Arbeiten der ausgehenden 1960er Jahre besitzt auch dieser Film keine Handlung im klassischen Sinne, sondern ist thesenhaft sowie inszenatorisch und farbtechnisch experimentell gestaltet. Im Zentrum des Geschehens stehen fünf junge Menschen, die sich zu einer Kommune zusammengeschlossen haben. Sie eint ihre Unzufriedenheit mit den herrschenden sozialen und politischen Verhältnissen, und sie glauben, diese mit Hilfe von Maos Thesen und in dem Bestreben, einen reinen, systemüberwindenden Sozialismus zu schaffen, in die Praxis umsetzen zu können. Die Protagonisten sind der Schauspieler Guillaume, die Philosophiestudentin Véronique, der sowjetische Maler Kirilov, die Gelegenheits-Sexarbeiterin Yvonne und Henri, ein Student der Naturwissenschaften. In sprachgewaltigen Sitzungen analysieren sie gesellschaftliche Probleme der Gegenwart, zitieren Marx und Mao, diskutieren über den Sozialismus und den Vietnamkrieg sowie die Notwendigkeit der Anwendung von Gewalt beim Kampf gegen das Establishment. Doch ihre plakative Weltsicht und ihr eigenes Unvermögen lassen die hochtrabenden Pläne allesamt scheitern. Guillaumes Idee von einem „sozialistischen Theater“ nach dem Vorbild der chinesischen Kulturrevolution erweist sich als nicht umsetzbar, Kirilov bringt sich um, und die als Befreiungsmaßnahme geplante Terroraktion gegen den sowjetischen Kultusminister, an der Véronique beteiligt ist, misslingt in surrealistisch-absurder Weise: aufgrund eines Zahlendrehers gerät Véronique an eine andere als die beabsichtigte Tür und sie erschießt den Falschen. Der Name des von Jean-Pierre Léaud verkörperten Schauspielers Guillaume Meister verweist auf Johann Wolfgang von Goethes einflussreichen Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre von 1795/96. Der Name des Autors steht auch, neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus Literatur und Philosophie, auf der Tafel, vor der Guillaume in einer Szene steht.
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