Ein Auftragsmörder aus Verlegenheit, weil er nichts Besseres mit sich anzufangen weiß. So könnte man den jungen Wong definieren, der in Hongkong auf Befehl Menschen tötet. Apathisch und wortkarg geht Wong seinem Beruf nach, selbst eine eingefangene Kugel kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Doch dann begegnet Wong zufällig seiner früheren Freundin Punkie. Vielleicht könnte mit der exzentrischen Blondine sein Gefühlsleben wiederaufleben. Bis dahin war Wongs einziger näherer Kontakt zur Außenwelt seine Partnerin, die heimlich in ihn verliebt ist. Wong möchte wegen Punkie mit dem Morden aufhören, was die eifersüchtige Assistentin in eine schwere Existenzkrise stürzen lässt. Mehr Glück in der Liebe könnte der stumme Ho Chi Mo haben. Der Kleinkriminelle lebt mit seinem Vater in einer überfüllten Wohnanlage. Als Ho sich in die temperamentvollen Charlie verliebt, scheint diese seine Gefühle zu erwidern. Doch Charlie jagt noch ihrem Ex-Freund Johnny hinterher. Der melancholische Thriller "Fallen Angels - Gefallene Engel" wirkt mit seinen desillusionierten Protagonisten, der düsteren, vom Neonlicht geprägten Stadtatmosphäre und dem existentialistisch geprägten Unterton wie eine späte Hommage an den Film Noir. Der Hongkonger Regisseur und Drehbuchautor Wong Kar-Wai setzt hier gewissermaßen die Handlung seines Vorgängerfilms "Chungking Express" fort. Im Mittelpunkt stehen erneut in Einsamkeit gefangene Menschen auf ihrer verzweifelten Suche nach Liebe. Mit späteren Meisterwerken wie "In the Mood for Love" und "My Blueberry Nights" wird sich Wong Kar-Wai zu einem der einflussreichsten Filmemacher des Gegenwartskinos entwickeln.
(ServusTV)
In "Fallen Angels", einem Nachtrag zu "Chungking Express", gibt sich Wong Kar-wai existenzialistischer denn je. Seine entfremdeten Grossstadtneurotiker leben buchstäblich aneinander vorbei oder verstummen; an die Stelle von Dialog, zwischenmenschlichem Umgang und Sex treten (Off-)Monolog und Masturbation, Fetischismus, bezahlter Mord und Video. In Wongs Liebesdramen ist der entscheidende Augenblick entweder bereits vorbei oder er wird nie eintreten; seine "gefallenen Engel" tasten blind nach einem Halt im Leben, nach anonymen Schultern, an denen sie ihren Weltschmerz ausweinen können, oder suchen nach jemandem, der ihrem kummervollen Leben ein Ende macht. "Fallen Angels" handle 'von den zwei Seiten einer Münze... Er hat damit zu tun, sich das eigene Glück zu erhalten', sagt der Regisseur. Wong porträtiert seine losgelösten Existenzen in einem furios fragmentierten Stil, der von der Kamera Christopher Doyles mit ihren Weitwinkelaufnahmen und Zeitverzerrungen ebenso geprägt ist wie von der rasanten Montage William Changs und Wong Ming-Lams. Das Resultat gemahnt ebenso an Godard wie an MTV und polarisiert die Meinungen: Während die Skeptiker Wong Manierismus und inhaltliche Leere vorwerfen, orten die Befürworter in seinem Werk die eigenständige und stimmige Reflexion einer Welt der Zufallsbegegnungen und des flüchtigen Glücks.
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Länge: ca. 91 min.
Deutscher Kinostart: 09.01.1997
Original-Kinostart: 06.09.1995 (HK)
FSK 16
Cast & Crew
- Regie: Kar Wai Wong
- Drehbuch: Kar Wai Wong
- Produktion: Carly Wong Tung Fa, Agnes Leung, Jacky Yee Wah Pang, Kap Cheong Kwok, Chan Ye-Cheng, Jet Tone Films, Block 2 Pictures, Jeffrey Lau, Kar Wai Wong, Norman Law
- Musik: Frankie Chan, Roel A. García
- Kamera: Christopher Doyle
- Schnitt: William Chang, Wong Ming Lam, Ming Lam Wong
- Szenenbild: William Chang
- Maske: Lee-na Kwan
- Kostüme: William Chang
- Regieassistenz: Johnnie Kong, Chan Hai Bun Can
- Ton: Xiaolong Cheng