Der profilneurotische bis unverschämte ruhmsüchtige junge Kunstkritiker Sebastian Zöllner verspricht sich von einer Biografie über den ehemals weltberühmten Maler Manuel Kaminski, der zurückgezogen in einem bayerischen Bergdorf wohnt, Ruhm und Anerkennung. Kaminski ist alt und wird, so hofft Zöllner, bald, aber nicht zu bald sterben, damit das Buch genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht werden kann. Mit Hilfe von Bestechung der Hausangestellten und Dreistigkeit durchstöbert Zöllner erst das ganze Haus, um dann den blinden und kranken Kaminski mit der Tatsache zu konfrontieren, dass dessen große, totgeglaubte Jugendliebe Therese Lessing noch am Leben sei und in Norddeutschland an der Küste lebe. Ohne Kaminskis Tochter Miriam, die Kaminski pflegt, zu informieren, begeben sich die Beiden auf die Reise zu Therese, die sie quer durch Deutschland führt. Kaminski lässt sich die ganze Zeit von Zöllner aushalten, obwohl der finanziell ziemlich schwach auf der Brust ist und fordert stets das Teuerste und Beste, was Zöllner teilweise durch das Ausnutzen von Kaminskis Blindheit zu verhindern weiß. In seiner Heimatstadt schleppt Zöllner den alten Maler auf eine Vernissage, um sich mit ihm wichtig zu machen, was nur leidlich gelingt, da Kaminski bei vielen in Vergessenheit geraten ist, und quartiert ihn in der mondänen Wohnung seiner Freundin Elke ein, die allerdings gerade mit ihm Schluss gemacht hat und den bereits formulierten Rauswurf umgehend wiederholt. Schließlich bringt Zöllner Kaminski endlich zu Therese, einer kleinbürgerlichen älteren Frau, für die die Begegnung mit Kaminski keine sonderlich große Bedeutung hatte. Außerdem erfährt Zöllner, dass sein ärgster Konkurrent, der Kunstkritiker Golo Moser, bereits alle wichtigen Interviews mit Kaminski geführt hat und auch die Verträge bereits unterschrieben sind. Zöllner wird klar, dass er von Kaminski benutzt worden ist. Er fährt mit Kaminski ans Meer, wo er sich vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben frei fühlt.
(ARD)
Regisseur Wolfgang Becker ("Good Bye, Lenin!", 2003) bietet mit dieser Literaturverfilmung dem Schauspieler Daniel Brühl eine Gelegenheit, sich als unverschämter Journalist zu zeigen. In der Satire auf den Kunstmarkt wird mit Überblendungen gearbeitet, die aus einzelnen Filmausschnitten Gemälde werden lassen. So wird aus einer witzigen Literaturverfilmung am Ende ein feinfühliges Porträt über die Vergänglichkeit, die im Ruhm und in der Kunst zu verschwinden versucht.
(WDR)
Länge: ca. 124 min.
Deutscher Kinostart: 17.09.2015
Deutsche TV-Premiere: 22.08.2016 (Sky Cinema)
FSK 6
Cast & Crew
- Regie: Wolfgang Becker
- Drehbuch: Thomas Wendrich
- Produktion: Stefan Arndt, Uwe Schott, Frank Tönsmann, Barbara Buhl, Michael Scheel, Gian-Andrea Albin, Sören Bode, Paul de Ruijter, Jonas Bastian Kettling, Jan R. Martin, Alexander Rutkowski, Stephan von Larcher, Caren Wiederhold
- Produktionsfirma: X-Filme Creative Pool
- Musik: Lorenz Dangel
- Kamera: Jürgen Jürges
- Schnitt: Peter R. Adam, Christoph Strothjohann
- Szenenbild: Christian M. Goldbeck
- Regieassistenz: Tatiana Merizalde Dobles, Patrick Eaton, Tristan Hume, Elene Myrna Hungerland, Arndt Wiegering, Ralph Kaechele
- Ton: Christian Conrad, Gedeon Depauw, Andreas Jordan-Drost, Daniel Iribarren, Thomas Kalbér
- Spezialeffekte: Jos De Boevere