Was lange vertuscht wurde, ist inzwischen durch die weltweite Aufdeckung sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche sichtbar geworden. Immer neue Fälle, horrende Zahlen - allein in Frankreich werden über 300.000 Opfer gezählt -, schleppende Aufklärung und noch zögerlichere Entschädigungszahlungen haben die Institution Kirche in eine tiefe Krise gestürzt. Europas Gläubige kehren ihr zu Hunderttausenden den Rücken. Und der Staat? Er steht immer noch viel zu häufig an der Seitenlinie, wenn die pädokriminellen Täter einen weißen Stehkragen tragen, von dem ein Kreuz baumelt. Gerade auch in Deutschland. "Das ist nicht nur ein Kirchenversagen, das ist ein Staatsversagen", sagt der Münchener Sozialpsychologe Heiner Keupp dazu. Professor Keupp, der selbst Mitglied der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bundes ist, hält es für absurd, dass es der katholischen Kirche auch mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des flächendeckenden Missbrauchs in Deutschland noch immer gestattet sei, die Aufarbeitung der Verbrechen in Eigenregie zu organisieren. Der Dokumentarfilm untersucht die staatliche "Beißhemmung" und die systematische Vertuschungsstrategie der Kirche und hat in Deutschland, Frankreich und Belgien mit Opfern, Kirchenmännern und Aktivisten gesprochen. Einer von ihnen ist François Devaux, selbst Missbrauchsopfer und Gründer einer Betroffeneninitiative in Lyon.
(arte)
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Weiterer Titel: Schweigen und vertuschen - Wer versagt im Missbrauchsskandal?
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„Wir haben dazugelernt“, sagt Essens Bischof Franz-Josef Overbeck zum Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch. „Mir war sehr schnell klar, das muss, soweit es in meinen Händen liegt, immer ein Ende finden. Und zwar sofort.“
„Er war doch ein Mann Gottes“, sagt Richard Kick über den Kaplan, der ihn im Alter von acht Jahren sexuell missbrauchte. Obwohl das Bistum München und Freising von den Übergriffen des Geistlichen erfuhr, wurde er nie belangt.
Mitwisser – der frühere Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin (2.v.l.), wusste jahrelang von einem Serientäter in seinen Reihen und unternahm nichts.
„Das hat mich wirklich in meinem Glauben niedergedrückt und mein Verhältnis zur Kirche verändert“, sagt Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, zu sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche.
„Ich bereue nichts“, sagt Pater Pierre Vignon. Der frühere Kirchenrichter im Bistum Lyon wurde in eine der entlegensten Regionen Frankreichs verbannt, weil er seinen Kardinal als Mitwisser von sexuellem Missbrauch öffentlich zum Rücktritt aufgefordert hat.