Die Besiedelungsgeschichte Amerikas muss neu geschrieben werden. Sensationelle Funde in Brasilien zeigen, dass auf dem Doppelkontinent viel früher Menschen lebten als bisher angenommen. Lange ging die Forschung davon aus, dass vor 12 000 Jahren eiszeitliche Jäger aus Asien über eine Landbrücke zu Fuß auf den amerikanischen Kontinent eingewandert waren. In der brasilianischen Serra da Capivara lebten allerdings schon vor 30 000 Jahren Menschen. Brasilianische, französische und deutsche Archäologen erforschen gemeinsam die weit verstreut liegenden Fundstellen in den heute fast menschenleeren geheimnisvollen Weiten Ostbrasiliens und versuchen, mehr über die ersten Amerikaner herauszufinden. Der Hauptfundort Pedra Furada liegt in der Serra da Capivara im brasilianischen Bundesstaat Piaui. Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut ist begeistert: "Das ist eine der bedeutendsten, ältesten und prächtigsten archäologischen Fundstellen des amerikanischen Kontinents." Niède Guidon war die Erste, die sich mit der Erforschung der mit über 50 000 Felszeichnungen einzigartigen Fundstellenkonzentration beschäftigte und ihre Bedeutung erkannte. Die verlässliche Datierung der Malereien und der im Umfeld gefundenen Siedlungsreste stellte ein großes Problem dar. Schließlich bekam Guidon Unterstützung von Wissenschaftlern aus Europa. Der Franzose Eric Boëda gräbt hier seit 15 Jahren. Zum ersten Mal setzte er 2016 auch die sogenannte "Thermolumineszenz-Analyse" zur Datierung ein. Bei diesem Verfahren werden Proben bei völliger Dunkelheit aus einer Schicht entnommen, und später wird im Labor die Strahlung gemessen. Daraus lässt sich das Alter einer Fundschicht genau bestimmen und damit auch das Alter der Funde, die aus dieser Schicht geborgen wurden. Die gesamte Wissenschaftsgemeinde wartete gespannt auf die Resultate von Eric Boëda, denn vor allem US-amerikanische Forscher hofften, dass Niède Guidon dadurch widerlegt werden könnte. Doch es kam anders. Die ältesten Fundschichten sind mindestens 30 000 Jahre alt, also 18 000 Jahre älter als die Funde in Clovis/USA, auf die sich die bisher favorisierte Theorie stützte. Südamerika ist also nicht von Nordamerika aus besiedelt worden. "Ein großer Erfolg für die Brasilianer und ihre jahrelange wissenschaftliche Arbeit", meint Markus Reindel. Im Sommer 2016 begann Markus Reindel seine eigenen Forschungen in der Serra da Capivara. Er will die Umweltbedingungen in der Gegend untersuchen, um zu erfahren, warum die ersten Amerikaner sich gerade hier niedergelassen hatten. Und vor allem: warum sie offenbar ohne Nachkommen wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Die Vielzahl der Felsbilder und Bodenfunde deutet auf eine große Bevölkerung hin, die über einen relativ langen Zeitraum im Norden und Osten Brasiliens lebte. 800 Kilometer von der Serra da Capivara entfernt liegt ein weiterer Fundort, die Chapada Diamantina. Die Größe des einst besiedelten Raumes ist noch lange nicht abschließend erforscht. Doch auch andere Fragen drängen sich auf: Woher kamen die ersten Amerikaner? Wie und warum haben sie sich auf den Weg gemacht? Und warum sind sie fast spurlos wieder verschwunden?...
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Mittlerweile konnten an verschiedenen Fundorten auch Skelette geborgen werden. Obwohl die Knochen nicht aus den ältesten Schichten stammen, hoffen die Wissenschaftler, durch sie mehr über die Herkunft der ersten Amerikaner erfahren zu können.
Riesenfaultiere sind, wie die gesamte Megafauna des amerikanischen Kontinents, vor rund 10.000 Jahren ausgestorben. Die Bewohner der Serra da Capivara waren Zeitgenossen der gewaltigen Pflanzenfresser.
Die Felsüberhänge der Serra da Capivara waren offenbar ideale Siedlungsorte für die ersten Amerikaner. Sie boten nicht nur Schutz vor schlechtem Wetter und Feinden, sondern auch eine gute Übersicht über das Jagdgebiet.
Dr. Markus Reindel (r.) vom Deutschen Archäologischen Institut gräbt seit Sommer 2016 in der Serra da Capivara. Ihn interessieren vor allem die klimatischen und Ökologischen Bedingungen der Erstbesiedelung auf dem amerikanischen Kontinent.
Manche der Felszeichnungen sind selbst heute kaum zug‰nglich. Wer die Spuren der ersten Amerikaner finden will, muss schwindelfrei sein. in Verbindung mit der Sendung bei Nennung ZDF/Stefan ZengerleManche der Felszeichnungen sind selbst heute kaum zug?nglich. Wer die Spuren der ersten Amerikaner finden will, muss schwindelfrei sein. in Verbindung mit der Sendung bei Nennung ZDF/Stefan Zengerle
Erste Hinweise auf das Alter der Zeichnungen in der Serra da Capivara ergaben sich aus den Motiven. Kannten die ersten Amerikaner Riesenfaultiere, Rieseng¸rteltiere und S‰belzahnkatzen aus eigener Anschauung? in Verbindung mit der Sendung bei Nennung ZDF/Stefan ZengerleErste Hinweise auf das Alter der Zeichnungen in der Serra da Capivara ergaben sich aus den Motiven. Kannten die ersten Amerikaner Riesenfaultiere, Rieseng?rteltiere und S?belzahnkatzen aus eigener Anschauung? in Verbindung mit der Sendung bei Nennung ZDF/Stefan Zengerle
Viele Zeichnungen der Serra da Capivara zeigen Menschen beim Tanz. Offenbar war den ersten Amerikanern auch schon das Outfit wichtig. Diese Figur scheint sich zumindest mit Blättern und Ranken geschmückt zu haben.
Die Archäologin Gisele Daltrini Felice und ihre Mitarbeiter fotografieren und katalogisieren die Felsmalereien in der Serra da Capivara. Längst sind nicht alle Motive eindeutig identifiziert.