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ZDF-Bahn-Doku mit Hayali: Deutsche Bahn fordert Löschung

von Glenn Riedmeier in News national
(31.07.2026, 16.57 Uhr)
Dokumentation sei "unseriös" und "Zerrbild der Wirklichkeit"
Für "Am Puls" ging Dunja Hayali dem Chaos bei der Deutschen Bahn auf den Grund
ZDF/Jonny Müller
ZDF-Bahn-Doku mit Hayali: Deutsche Bahn fordert Löschung/ZDF/Jonny Müller

Am 21. Juli hat das ZDF die Reportage  "Am Puls mit Dunja Hayali: Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?" ausgestrahlt. Darin begab sich Journalistin Dunja Hayali auf die Suche nach Ursachen für die strukturellen Probleme bei der Deutschen Bahn und deren Auswirkungen auf Reisende und den Arbeitsalltag der Beschäftigten. Nach der Ausstrahlung hat die Deutsche Bahn die Dokumentation heftig kritisiert. Sie sei "unseriös" und basiere "in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen". Entscheidende Fakten seien bewusst ausgelassen worden und der Film deshalb ein "Zerrbild der Wirklichkeit". Das ZDF wies die Vorwürfe umgehend zurück. Doch die dicke Luft hält an und der Ärger geht weiter: Nach Informationen der F.A.Z. fordert die Deutsche Bahn das ZDF auf, die Reportage offline zu nehmen.

Wie die Tageszeitung berichtet, fordert die Deutsche Bahn vom ZDF, "den Film in weiteren Teilen umfangreich zu verändern und offline zu nehmen". Entlastende Tatsachen, die der verantwortlichen Redaktion vorliegen, seien "nahezu vollständig verschwiegen" worden. Die Bahn wehre sich "gegen die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen in der ZDF-Doku". Darüber hinaus wird auf eine aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verwiesen, wonach auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein könne, "wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht".

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Insbesondere der Vorwurf der mangelhaften Digitalisierung der Schieneninfrastruktur in der ZDF-Doku stößt der Bahn übel auf. Es wird darauf verwiesen, dass man seit Jahren in die Digitalisierung investiere und allein im vergangenen Jahr 64 Stellwerke erneuert worden seien. Außerdem liege bis Ende 2026 "ein verbindlicher Rollout-Plan für die digitale Zugsteuerung im gesamten Schienennetz" vor.

Das ZDF weist die Vorwürfe der Deutschen Bahn und die damit einhergehenden Forderungen zur Depublikation zurück. Die Dokumentation sei "journalistisch sorgfältig recherchiert, weist keine inhaltlichen Mängel auf und bildet verschiedene Perspektiven umfassend ab". In dem Film würden zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Erfahrungen schildern. "Auch Vorstandschefin Evelyn Palla erhält ausführlich Gelegenheit zur Stellungnahme." An zwei Stellen hat das ZDF jedoch Korrekturen vorgenommen: Die in einer Grafik genannte Anzahl digitaler Stellwerke wurde von "0" auf "3" korrigiert. Außerdem wurde das Wort "Fernverkehr" in "Personenverkehr" in einer Grafik zur Bahnpünktlichkeit in Belgien geändert und an die Aussage des Sprechertextes angepasst. "Für weitere Anpassungen sehen wir keinen Anlass", so das ZDF.

Die übrigen Forderungen der Deutschen Bahn wertet das ZDF als "unzulässigen Versuch, eine kritische Berichterstattung in Gänze zu unterbinden". Es sei "nicht ersichtlich, welche im Gesamtkontext der Berichterstattung wesentlichen Tatsachen bewusst verschwiegen worden sein sollen". Ehrverletzende Schlussfolgerungen habe man nicht gezogen, an vielen Stellen würden im Film auch Fortschritte hervorgehoben. Eine Löschung aus der Mediathek komme deshalb nicht infrage. Wie die F.A.Z. weiter berichtet, habe das ZDF trotzdem eine Unterlassungserklärung abgegeben - jedoch "im Sinne eines Entgegenkommens" und "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage".

Die Streitigkeiten sind noch nicht beigelegt - und kommende Woche könnte es sogar weiteren Zündstoff geben. Denn am Dienstag, den 4. August wird auch das Magazin  "frontal" mit der Deutschen Bahn hart ins Gericht gehen: Um 21.00 Uhr läuft die Reportage "Das Deutsche-Bahn-Desaster".



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Leserkommentare

  • Flapwazzle schrieb am 01.08.2026, 10.46 Uhr:
    Für das Verschweigen von Fakten ist das ZDF inzwischen bekannt. Und wenn Fakten genannt werden, werden sie später als KI-generiert entlarvt.
    Die hohen journalistischen Ansprüche sowie die neutrale und faktenbasierte Berichterstattung, die das ZDF einst auszeichneten, sind heute einem meinungsgeprägten Journalismus gewichen.
  • Vritra schrieb am 01.08.2026, 12.24 Uhr:
    Also so etwas einfach zack ohne Belege rauszuhauen ist auch nicht besser.
  • Torsten S schrieb am 01.08.2026, 08.02 Uhr:
    Ohje, mal wieder typisch, wenn jemande angegriffen wird und dabei die Wahrheit herauskommt, wird gleich groß rumgeschrienen. Aber der Witz an der ganzen Sache ist doch, dass diese Doku schon im TV lief. Wie man so schön sagt, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und nun wird im Nachhinein noch ein großes Fass aufgemacht. Wäre diese Doku bei RTL und unter Wallraff gelaufen wäre die Empörung noch größer, hätte aber sogar noch mehr  Zuschauer ereeicht und hätte mehr zu Diskusionen angeregt. Aber die Bahn hätte sich mehr erklären müssen und hätte keine Löschung fordern können.
    Naja, es wurde gesendet und im Nachhinein war es gut so und zeigte einmal, das auch das ZDF sich nicht einfach unterbuttern lässt.
  • Pusteblümchen schrieb am 01.08.2026, 21.49 Uhr:
    Schauen Sie brav weiter den ÖRR. ARD und ZDF sind komplett fehlerlos, recherchieren perfekt und sagen immer die Wahrheit. Und zahlen Sie schon weiter kritiklos Ihren Rundfunkbeitrag. Der ÖRR liebt Zuschauer wie Sie.
  • Puri schrieb via tvforen.de am 31.07.2026, 21.37 Uhr:
    Ich finds lustig wie hier - zumindest bei mir - der Streisand Effekt wieder voll zuschlägt.
    Ich hätt die Doku niemals gesehn, aber nachdem das jetzt durch alle möglichen Medien wandert hab ich sie zumindest in Ausschnitten auch gesehen. Und zwar natürlich genau die Ausschnitte die die Deutsche Bahn gerne "korrigiert" haben will.
  • User 1810564 schrieb am 31.07.2026, 20.06 Uhr:
    Für mich persönlich sitzen die öffentlich-rechtlichen Hetzmedien mit der DB in einem Boot. Die Leistungen beider Unternehmen sind ihr Geld nicht wert, wobei man bei der DB nicht zur Zahlung einer Gebühr gezwungen wird. Von daher geht ein einziger Punkt an die DB.
  • Old School schrieb am 01.08.2026, 06.48 Uhr:
    Naja, ÖR und die private Bahn im selben Boot? Man darf die Geschichte nicht vergessen warum die Bahn (sowie auch die Post und das Gesundheitswesen) dort ist, wo wir es heute finden! WER hat das den alles privatisiert? Richtig! Birne Kohl und seine Mannen!!! Und der Michl hat ihn 16 Jahre drangewählt damit das auch richtig klappt! 👍 Zum Dank hat er dem Michl und vor allem seinen Busenfreund Kirch ein Geschenk gemacht: Eine Konkurrenz zum ÖR. Kupferkabel wurde in der Republik vergraben statt Glasfaser wie sein damaliger Postminister eigentlich wollte. Aber da gabs ja noch kein Internet für alle. Das selbe Volk das es dann noch fertig brachte unsere "Wir-schaffen-das" Mutti genauso lange ranzuwählen. Also gibt es keinerlei Recht über die Bahn zu motzen, wir haben es doch so gewollt!
  • User 1911176 schrieb am 31.07.2026, 20.06 Uhr:
    Da wundert sich die Bahn. Sie verkauft sogar Tickets für gesperrte Strecken und will nichts zurück zahlen. Anstatt 30 min mit dem IC soll ich mich 2 Stunden in einen Ersatzbus setzen.
  • Old School schrieb am 01.08.2026, 06.36 Uhr:
    🤣🤣🤣 Wohl am Automat oder am Rechner zu schnell durchgeklickt zum Bezahlen? Das zeigt es doch an, sogar die Verspätung. Auch am Schalter, sofern man überhaupt noch einen findet, müßte darauf hingewiesen worden sein. Oder das Ticket im Vorverkauf erworben?
  • chrisquito schrieb via tvforen.de am 31.07.2026, 18.39 Uhr:
    Wie die Tageszeitung berichtet, fordert die
    Deutsche Bahn vom ZDF, "den Film in weiteren
    Teilen umfangreich zu verändern und offline zu
    nehmen".

    Hm, wenn er verändert worden ist, braucht er doch nicht mehr offline zu gehen … (?)
  • xy schrieb via tvforen.de am 31.07.2026, 19.39 Uhr:
    chrisquito schrieb:
    >
    > Wie die Tageszeitung berichtet, fordert die
    > Deutsche Bahn vom ZDF, "den Film in weiteren
    > Teilen umfangreich zu verändern und offline zu
    > nehmen".
    Hm, wenn er verändert worden ist, braucht er doch
    nicht mehr offline zu gehen … (?)

    Ich finde die zitierte Formulierung aus dem FAZ-Artikel (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/zdf-doku-mit-dunja-hayali-die-deutsche-bahn-will-den-film-offline-sehen-201077620.html) ebenfalls eigenartig.
    Aber gemeint ist wahrscheinlich, dass der Film in dieser Form nach Auffassung der DB nicht online bleiben darf, also erst einmal offline geschaltet und dann inhaltlich korrigiert werden soll, bevor er dann anschließend wieder öffentlich zugänglich gemacht wird.
    Man hätte also auch schreiben können "den Film zunächst offline zu nehmen und in weiteren Teilen umfangreich zu verändern", aber da das eigentliche Ziel der DB die inhaltliche Korrektur ist, wurde dies wahrscheinlich an erster Stelle genannt.
  • BeklopptesTV schrieb am 31.07.2026, 18.23 Uhr:
    Unseriös und nur die eigene Meinung wahrnehmen ... passt doch zur Dunja Hayali ... wundert mich überhaupt nicht.
  • Warlord schrieb am 31.07.2026, 18.20 Uhr:
    Die Bahn denkt sich, was Trump und die AfD können das können wir schon lange. Gegen jede Berichterstattung die uns nicht passt wird vorgegangen und die muss verschwinden. Warum sollten wir uns um die Probleme kümmern wenn es bequemer ist, zu verhindern das darüber berichtet wird.
  • Pusteblümchen schrieb am 01.08.2026, 21.52 Uhr:
    @Vitra: Solche Zuschauer liebt der ÖRR. Nie kritisieren, schön zahlen. Glauben Sie ruhig weiter an die Unfehlbarkeit von ARD und ZDF. Bei einem niedrigen IQ fällt das nicht weiter auf.
  • Vritra schrieb am 01.08.2026, 12.28 Uhr:
    Die einzige Hetze, die ich hier wahrnehmen kann, ist deine gegen die ÖR.
  • User 1810564 schrieb am 31.07.2026, 20.12 Uhr:
    Trump, AfD, ich bitte Sie, was hat diese Hetze der öffentlich-rechtlichen Medien mit einem Beitrag über die wahren Zustände bei der DB zu tun?