1139 hält das steirische Stift Admont erstmals schriftlich fest, dass es auf einem Hügel zwischen Mur und Drau Weinberge besitzt. Das Stift gibt es noch. Die Weinberge auch. Dazwischen liegen ein Ritterorden, die Habsburger, ein Weltkrieg, eine jugoslawische Planwirtschaft - und eine Grenze, die nach 1918 quer durch die Hänge gezogen wurde. Die Weinberge wurden nicht gefragt. Der Hügel heißt Jeruzalem und liegt in der slowenischen Steiermark bei Ormož. 344 Meter ist er hoch, das ist nicht viel - aber genug für einen der weitesten Ausblicke zwischen Mur und Drau. Und für eine Rebsorte, die dort zu Hause ist: Šipon, international Furmint, bekannt aus dem ungarischen Tokaj. Jeruzalem ist nach Tokaj das zweitgrößte Furmint-Gebiet der Welt. Den Namen Šipon beanspruchen gleich drei Länder. Eine Legende führt ihn auf Napoleons Soldaten zurück, die den Wein lobten - c'est si bon. Franci Cvetko vom Weingut Kogl, dessen Gut 1542 erstmals für die Türkensteuer erfasst wurde, sieht die Sache pragmatisch: "Alle drei Länder beanspruchen ihn - Slowenien, Kroatien und Ungarn. Meiner Meinung nach haben alle drei recht, denn er war überall präsent." Geschichte ist dort nicht nur alt. 2007 kündigen drei Männer ihre Jobs, legen ihre Familienweingärten zusammen und gründen ein Weingut. Das erste Büro: eine aufgelassene Bäckerei. Das erste Problem: ihre Namen - Schneider, Grabovac, Žličar - sind im Ausland kaum auszusprechen. Also nennen sie sich Verus, lateinisch für wahr und ehrlich. Leichter zu merken. Franci Cvetko, der sein Gut ab 1983 aus zwei überlebenden Rebzeilen wiederaufgebaut hat, sagt einen Satz, der den ganzen Film trägt: "Wein ist nicht das Wichtigste auf der Welt. Aber die Breite des Lebens liegt genau darin, dass man seinen Horizont erweitert." Diese Breite zieht Menschen in die Region zurück. Katja Jurkovič führt in Svetinja die Winothek im alten Kaufhaus ihrer Familie - die Idee kam ihrem Bruder bei einem Anruf aus Santorini: "Ich habe für den Sonnenuntergang bezahlt - und der war nicht so schön wie bei uns." Vera Priegl wiederum kam nach 40 Wiener Jahren in Pension heim. "Bis jetzt war ich immer noch mehr Österreich", sagt sie - und lebt doch ganz selbstverständlich slowenisch. Beides ist wahr. Am 11. November, zum Martinstag, wird in Ormož der Most offiziell zu Wein. Fackeln, Blechmusik - und der Bischof tauft den jungen Jahrgang. Ritterorden, Habsburger, jugoslawische Genossenschaft, EU-Bürger mit Önologiestudium - diese Region hat in 1000 Jahren viele Herren erlebt. Geblieben sind der Hügel, der Šipon und die Menschen. Ob eine Grenze überhaupt etwas trennt, wenn alle drei sie ignorieren, beantwortet der Film nicht. Er stellt die Frage.
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