New York, 1917: Für die große Ausstellung der ʺSociety of Independent Artistsʺ wird ein Pissoir mit dem Titel ʺFountainʺ und der Signatur ʺR. Muttʺ eingereicht. Das Auswahlkomitee lehnt das Objekt als ʺnicht künstlerischʺ ab. Die Avantgarde-Zeitungen nehmen Anstoß an der Zensur und greifen den Eklat auf. Doch in der Welt herrscht Krieg, der Skandal gerät in Vergessenheit - und das Objekt selbst geht schließlich verloren. Die künstlerische Revolution, die ʺFountainʺ ausgelöst hatte, blieb weitgehend unbemerkt. Erst 1935 gräbt André Breton in einem lobenden Artikel über die Radikalität des Ansatzes den Namen ʺFountainʺ wieder aus, um ihn dauerhaft mit dem von Marcel Duchamp zu verbinden. Der junge Franzose, der während des Krieges im New Yorker Exil lebte, schuf ab 1916 Kunstwerke aus zweckentfremdeten Dingen, so genannte Ready-mades. Duchamp avancierte zum prominentesten Künstler seiner Generation und gelangte durch die von ihm autorisierten Reproduktionen der verschollenen ʺFountainʺ zu Wohlstand. Doch einige Jahre nach Duchamps Tod 1968 entdeckte ein Forscher einen Brief des Künstlers an seine Schwester, datiert auf den 11. April 1917: ʺEine Freundin hatte unter dem männlichen Pseudonym "Richard Mutt" ein Pissoir als Skulptur eingeschicktʺ. Der Brief erregte Aufsehen. Um welche Frau handelte es sich? Die Fachwelt brachte die Baronin Elsa von Freytag-Loringhoven ins Spiel, eine exzentrische, schwer einzuordnende Vertreterin der Dada-Bewegung aus Deutschland. Die Dokumentation nimmt die Ermittlungen auf und verhilft der verkannten Künstlerin zu neuer Beachtung.
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