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Wenn keiner meinen Stoff veröffentlichen will, mache ich es einfach selbst! Das dachte sich der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Aram Rappaport, als er mit seiner Dramaserie
Wie es seit dem verstärkten Aufkommen ironisch angehauchter Historienserien der Marke

In den erdig-beigen Bildern mag Schöpfer und Regisseur Aram Rappaport dem Ganzen einen zurückgenommenen Anstrich verleihen. Schnell wird aber klar, dass wir es hier nicht mit einem braven, gediegenen Krimi in historischem Gewand zu tun haben, der uns hin und wieder verschmitzt zuzwinkert. Dafür sind die Figuren zu schräg gezeichnet, ist die Sprache viel zu derb und schlägt die Atmosphäre meist zu stark ins Wahnwitzige aus.
Ein Großteil der Handlung, zumindest der ersten drei für diese Kritik in Augenschein genommenen Episoden, spielt im Jahr 1906, im und um das Anwesen der Henrys im US-Bundesstaat Rhode Island. Die Ehepartner, die ihre besten gemeinsamen Jahre längst hinter sich haben, mittlerweile in getrennten Zimmern schlafen, sind von der Stadt aufs Land gezogen und haben offenkundig auch finanziell schon entspanntere Zeiten gesehen. Warum sonst lebt das gesamte Personal in einer Art Zeltstadt vor dem Haus? Weshalb befindet sich selbst die Küche draußen? Kurios ist auch das improvisiert wirkende System aus Seilen und Glocken, mit denen die Henrys jene Angestellten zu sich zitieren können, die gerade benötigt werden. Einige Bedienstete spucken Gift und Galle. Amouröse Verwicklungen kommen zum Vorschein. Und manche Anwesenden schlagen ungeniert über die Stränge. Als zum Beispiel ein Verletzter in das Krankenzimmer gebracht wird, vergnügt sich der Arzt gerade beim Analsex.
Ähnlich wie der Zuschauer, der sich in all dem Durcheinander erst einmal orientieren muss, stolpert auch der titelgebende Künstler in die Szenerie. Seine Aufgabe besteht darin, ein Bild zweier Pudel anzufertigen. Danny Huston hat sichtlich Spaß daran, diesen fast blinden französischen Maler mit markantem Akzent zu spielen, und strahlt stets auch eine leicht bedrohliche Präsenz aus. Wilde Forderungen und "Weisheiten" von sich gebend, setzt der Gast vor allem Norman Henry zu - was in der dritten Folge zu einem heftigen Zusammenbruch führt. Mandy Patinkin, der den Hausherrn mit einer amüsanten Grummelattitüde versieht, darf hier hemmungslos chargieren. Insgesamt hat das Ensemble viel Raum, emotional auf die Tube zu drücken.

Verspielt ist nicht nur die musikalische Untermalung, sondern auch der Umgang mit real existierenden Persönlichkeiten, die Aram Rappaport, wild fabulierend, in das Treiben einwebt. Hustons Figur etwa wird am Ende der dritten Episode als ein berühmter Impressionist identifiziert. Eine wichtige Funktion in der Erzählung hat überdies der US-amerikanische Erfinder und Geschäftsmann Thomas Edison (Hank Azaria), der bei Norman vorstellig wird, um seine neueste Kreation namens Kinetophon anzupreisen. Ein Gerät, das - ähnlich einem modernen VR-Headset - immersive Unterhaltung bieten soll. Das Pikante an der Sache: Hausherrin Marian hat eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Besucher, die im zweiten Kapitel in Rückblenden enthüllt wird. Nur so viel: Über diese Verbindung bringt "The Artist" eine feministische Note in den Plot ein. Frauen, besonders ambitionierte und selbstbewusste, hatten zur Handlungszeit in einer durch und durch patriarchalen Gesellschaft schließlich einen schweren Stand.
Auch wenn sich damit eine spannende, neue Facette auftut, kommt man sich häufig wie in einer freidrehenden Ausstattungsseifenoper vor. Pathetisch vorgetragene Sätze der Marke "The rich have no soul!" sind hier völlig normal. Ebenso wie ein mit Böswilligkeiten gespicktes Abendessen, bei dem die Figuren am Tisch ständig durcheinander reden - und aneinander vorbei. Ist das alles nun ungemein erfrischend und clever? Nach drei Folgen schwer zu sagen! Was man aber festhalten kann: Die Eskalationen im Hause Henry entwickeln einen seltsamen Unterhaltungswert. Kurzweiliger als zahlreiche 08/15-Historienserien ist diese Agatha-Christie-auf-Speed-Variante irgendwie schon.Die ersten drei Folgen der Miniserie "The Artist" wurden am 27. November auf der Streamingplattform The Network veröffentlicht. Die restlichen Episoden erscheinen eben dort am 25. Dezember.
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von Christopher Diekhaus





















