Im April 1971 wurde in einem kleinen Kino im Pariser Quartier Latin ein Dokumentarfilm uraufgeführt, der in Frankreich ein wahres Meinungsbeben auslöste, das Polemiken und Skandale, aber auch Begeisterungsstürme entfachte. Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs warf "Das Haus nebenan - Chronik einer französischen Stadt im Kriege" einen ungeschönten Blick auf die Jahre der deutschen Besatzung. Marcel Ophüls wählte Clermont-Ferrand als Schauplatz und zeichnete das Porträt einer unweit von Vichy gelegenen Provinzstadt zwischen Petinismus, Kollaboration, Passivität und Widerstand. Marcel, der Sohn des Leinwandgenies Max Ophüls, hinterfragte darin das Gedächtnis der Zeitzeugen. Er sprach mit Geschäftsleuten, Bauern, Lehrern und zahlreichen politischen Persönlichkeiten. "Das Haus nebenan" beleuchtete eine bislang verdrängte Seite des kollektiven Gedächtnisses der Franzosen und beschwor die Geister und Dämonen der Besatzungsjahre wieder herauf, um mit dem von den Gaullisten gepflegten Mythos eines geeinten Frankreichs zu brechen, das den deutschen Besatzern geschlossen Widerstand leistete. Mehr als 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat Joseph Beauregard eine Dokumentation über diesen nicht alltäglichen Dokumentarfilm gedreht. Er zeichnet darin die Geschichte dieses ungewöhnlichen Films nach. Beauregard erzählt dabei nicht nur von der Entstehung, sondern auch von den Auswirkungen des Films auf Frankreich, das bis dahin selten mit seinem Verhalten während des Krieges und seiner lückenhaften Erinnerung daran konfrontiert worden war.
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