Es herrscht Aufbruchstimmung. Die junge Generation der Roma hat es satt, ausgegrenzt, stigmatisiert und in alltäglichen Lebensbereichen wie Schule, Wohnungssuche und Arbeit benachteiligt zu werden. Sie wollen neue, selbst bestimmte Wege gehen. Jahrhundertealte Vorurteile sind tief in der Gesellschaft verankert. Antiziganistische Vorfälle nehmen wieder zu; Rechtsruck. Rassismus. Stigmatisierung von Kindern, wenn Schülerinnen und Schüler mit dem Z-Wort betitelt werden, das die Nationalsozialisten zur Verunglimpfung benutzten. Die früher rechtlose Minderheit hat aus Angst vor Verfolgung gelernt, Informationen über ihre Kultur oder ihr Leben für sich zu behalten und unter sich zu bleiben. Heute gehen junge Roma neue Wege. Über Brücken, die sie selbst bauen, die Mut erfordern. Sich zu zeigen offenbart den Wunsch nach Öffnung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und mehr Verständigung zwischen den Kulturen. Da ist Estera Sara Stan, sozialisiert im Nachbarschaftshaus Neukölln mit Theaterprojekten und Empowerment-Workshops. Das will die angehende Grundschullehrerin weitergeben. Da ist David Paraschiv. Seine Mutter musste im Supermarkt ihren Rock heben, damit der Mitarbeiter sehen konnte, dass sie darunter nichts Geklautes verbarg. Die Wut und Trauer aus dieser Erniedrigung säten beim Teenager David den Wunsch, sich für die Rechte der Roma-Minderheit einzusetzen. Jetzt studiert er soziale Arbeit. Da ist Stefan Pavlovic. Trotz Hänseleien, Gewalt und einer Förderschul-Empfehlung schaffte er das Abitur und studiert nun Politik und Recht. Weltweit gibt es Roma, die studiert haben, wohlhabend sind. Aber vielen Roma - meist in südosteuropäischen Ländern - ist ausreichende Bildung verwehrt, weil sie rassistisch ausgegrenzt werden. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, ohne Anbindung an Infrastruktur und ohne gerechte Teilhabe. Mersud Selman hat bosnische Wurzeln. Er ist queer, arbeitet als Friseur und hat in Berlin die Freiheit gefunden, sich nicht mehr zu verstecken. Er zeigt seine Roma-Identität und lebt sein Queersein. Neben seinem Job als Friseur verarbeitet er Themen, die das Leben seiner Minderheit spiegeln, in seiner Malerei. Der Film taucht in das Alltagsleben der jungen Roma ein. Er offenbart ihre Hoffnungen, Träume, Herausforderungen und Visionen. Vor allem zeigt er, wohin der Weg führen kann, wenn Beobachtung, statt Zuschreibung zählt.
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