Unter anderem wegen ihres jugendlichen Alters hat Katherine nichts zu sagen, als sie im Jahr 1856 im despotisch patriarchalen England an den unfähigen Sohn eines Grubenbesitzers verschachert wird. In seinem Gutshaus soll sie gehorchen, nicht stören und das Haus nicht verlassen. Katherine lebt in freudloser Gefangenschaft. Das ändert sich, als Katherine ihrem Hausmädchen zur Hilfe eilt, das von lausbübischen Bediensteten getriezt wird. Einer der Peiniger, der neue Stallbursche Sebastian stellt Katherine fortan auf höchst unziemliche Weise nach. Mit ihrem Ehemann und dem Schwiegervater aus dem Haus lässt die junge Frau es geschehen. Von Lebenshunger getrieben, geht sie die Affäre mit Leib und Seele ein. Nun, mit dem Nektar der Sünde und der Freiheit vertraut, will Katherine nicht darauf verzichten. Sie räumt aus dem Weg, wer ihr gefährlich werden kann. Skrupellos in ihren Mitteln, wird Katherine gar dem groben Stallburschen unheimlich. «Lustmord und Freiheitskampf wüten in 'Lady Macbeth' als Kammerspiel zwischen Korsettfischbein und dicken Mauern», brachte die Kritikerin der «Wochenzeitung» die Prämisse dieses Kostümdramas auf den Punkt, das mit seiner reduktionistischen Konsequenz überrascht und vor allem auch in seiner Stilsicherheit. Denn nicht nur für Alice Birch, die Nikolai Leskows Vorlage in ein Drehbuch umgeschrieben hat, handelt es sich um ein Kinodebüt, sondern auch für den 1979 in London geborenen Theaterregisseur William Oldroyd - und seinen Star. Das schauspielerische Ereignis von «Lady Macbeth» ist die zuvor so gut wie unbekannte, 19-jährige Engländerin Florence Pugh. Langsam und präzise lässt Pugh im Lauf des Filmes ihre Maske von ergebener Freundlichkeit fallen und noch in der allerletzten Einstellung des Filmes spricht die Schauspielerin wortlos Bände. Die junge Britin gehört zu den aufregendsten Nachwuchsstars des internationalen Kinos, auch weil sie in der Wahl ihrer Rollen das Risiko nicht zu scheuen scheint, wie 2019 Ari Asters Okkulthorror «Midsommar» zeigte. Mit Greta Gerwigs «Little Women» wurde sie im gleichen Jahr an der Seite von Saoirse Ronan und Emma Watson in den Pantheon junger Schauspielerinnen aufgenommen.
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