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6

Ungeahnte Naturparadiese

D, 2017

BR/Markus Schmidbauer
  • 6 Fans
  • Wertung0 142407noch keine Wertungeigene: -

Filminfos

Straßen, Hochspannungstrassen, Truppenübungsplätze und Flughäfen sind gefährlich - für Mensch und Tier. Doch für viele Pflanzen und Tiere sind diese Gebiete auch wichtiger Rückzugsort. Oft profitieren davon gerade seltene Arten und finden dort ein ungeahntes Naturparadies, das ihnen auch als Fortpflanzungslebensraum dient, vor. Etwa 18.900 Trassenkilometer umfasst das Hoch- und Höchstspannungsnetz in Bayern. Die 100.000-Volt-Freileitungen sind immer wieder ein Reizthema. Dabei sehen Ökologen in den Stromleitungen zunehmend ein wertvolles Biotop-Netzwerk und Überlebensinseln für gefährdete Tiere und Pflanzen.
Knapp 300 Quadratkilometer der bayerischen Trassen-Schneisen sind nach Einschätzung des Umweltministeriums als Rückzugsgebiet für Flora und Fauna besonders wertvoll. Das entspricht etwa einem Fünftel der Fläche aller in Bayern ausgewiesenen Naturschutzgebiete. So bieten zum Beispiel die gehölzfreien Trockenmagerrasen unter den Hochspannungsleitungen in den trockenen Bereichen der Augsburger Lechauen seltenen Insekten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke oder dem Kreuzenzian-Ameisenbläuling einen geschützten Lebensraum. Seit mehr als 79 Jahren ist der Übungsplatz in Grafenwöhr für die Öffentlichkeit gesperrt. Davon profitieren viele Tiere und Pflanzen, die in Bayern auf der "Roten Liste" bedrohter Arten stehen - nicht trotz, sondern wegen des militärischen Betriebs. Bis zu 80 Zentimeter tief graben sich die Ketten der tonnenschweren Panzer in den Boden, reißen die Bodennarbe auf und halten die Pflanzendecke kurz.
Über die immer neu entstehenden kleinen Tümpel freut sich beispielsweise die Gelbbauchunke. Doch einer der Hauptgründe für den Artenreichtum hier ist, dass auf den großen Übungsplätzen seit über 60 Jahren weder Pestizide gespritzt noch Dünger ausgebracht werden. Das daraus resultierende enorme Insektenangebot ist auch der Hauptgrund, warum es im Truppenübungsplatz Hohenfels so viele Fledermäuse gibt, unter anderem auch die seltenste Fledermaus Deutschlands, die Große Hufeisennase. Fast kann man sagen, die bayerischen Truppenübungsplätze bilden das Rückgrat der bayerischen Tier- und Pflanzenwelt. Das "Who is who" der "Rote Liste Arten" ist dort zu finden. Seit Kurzem haben sich auch Wölfe niedergelassen.
Mehr als 40 als gefährdet geltende Vogelarten haben sich im Flughafengelände angesiedelt und so ist das Gebiet nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie als Vogelschutzgebiet gemeldet. Während fast überall in Bayern die Zahlen des Großen Brachvogels dramatisch abnimmt, steigt sie im eingezäunten Bereich des Flughafengeländes stetig an. 88 Brutpaare des seltenen Wiesenbrüters wurden zuletzt gezählt. Manche Nester befinden sich lediglich zwei Meter von der Start- und Landebahn entfernt. Die Bodenbrüter profitieren von der wegen Vogelschlaggefahr nötigen Vergrämung der großen, schwarmbildenden Vögel, von der Umzäunung des Flughafengeländes, für sie Schutz vor Fressfeinden, sowie dem Biotopmanagement des Flughafens. Die Grasflächen werden selten gemäht und müssen aus Brandschutzgründen einen gewissen Grundwasserstand aufweisen.
Straßen stellen für die Natur in der Regel ein großes Problem dar. Sie zerschneiden Lebensräume, verhindern die Wanderung von Tieren und somit den überlebenswichtigen Genaustausch zwischen Populationen. Für viele Tierarten sind vor allem große Straßen praktisch unüberwindbar und ein Ort des sicheren Todes. Doch es gibt auch eine andere Seite. Einige Tiere haben diese Todeszonen als Teil ihres Lebensraums für sich entdeckt, sich sogar darauf spezialisiert. Manche Fledermausarten, wie das Große Mausohr, haben große Wochenstuben in den geräumigen Brückenlagern der Autobahnbrücken gebildet und ziehen dort ihre Jungen auf.
(3sat)
Daten
Länge: ca. 45 min.
Deutsche TV-PremiereMo, 08.01.2018 (BR)
Originalsprache:Deutsch
Kostenlose Start- und Streambenachrichtigung:
Cast & Crew

im Fernsehen

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  • 15 bisherige TV-Termine
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Bilder

  • Murmeltiere sind Neubürger in den Pyrenäen.
    Murmeltiere sind Neubürger in den Pyrenäen.
    Bild: © BR/Jens-Uwe Heins
  • Weltnaturerbe Ordesa National Park in den Pyrenäen.
    Weltnaturerbe Ordesa National Park in den Pyrenäen.
    Bild: © BR/Jens-Uwe Heins
  • Seeadlerjunges während der Beringung.
    Seeadlerjunges während der Beringung.
    Bild: © BR/Uli Schramm
  • Murmeltiere sind Neubürger in den Pyrenäen.
    Murmeltiere sind Neubürger in den Pyrenäen.
    Bild: © WDR/BR/Jens-Uwe Heins
  • Schäfer mit Herde weidet unter einer Stromtrasse bei Augsburg.
    Schäfer mit Herde weidet unter einer Stromtrasse bei Augsburg.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Deutscher Sanlaufkäfer auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Deutscher Sanlaufkäfer auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Bild: © BR
  • Großes-Mausohr-Kolonie an einer Auobahnbrücke.
    Großes-Mausohr-Kolonie an einer Auobahnbrücke.
    Bild: © BR/Christoph Castor
  • Kreuzenzian unter einer Stromtrasse.
    Kreuzenzian unter einer Stromtrasse.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Nach der Beringung wird das Seeadlerjunge noch gewogen.
    Nach der Beringung wird das Seeadlerjunge noch gewogen.
    Bild: © BR/Uli Schramm
  • Wiesenkopf-Ameisenbläuling auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Wiesenkopf-Ameisenbläuling auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Weidende Schafherde unter einer Stromtrasse bei Augsburg.
    Weidende Schafherde unter einer Stromtrasse bei Augsburg.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Gruppenübungsplatz Grafenwöhr.
    Gruppenübungsplatz Grafenwöhr.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer/Markus Schmidbauer
  • Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Lebensraum des Seeadlers.
    Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Lebensraum des Seeadlers.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Deutscher Sanlaufkäfer auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Deutscher Sanlaufkäfer auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Kreuzenzian mit Knotenameisen unter einer Stromtrasse.
    Kreuzenzian mit Knotenameisen unter einer Stromtrasse.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Weidende Schafherde bei Augsburg.
    Weidende Schafherde bei Augsburg.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Landschaft beim Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Landschaft beim Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer
  • Die Bartgeier kontrollieren jeden Tag riesige Reviere in der Bergwildnis, um im Segelflug nach Beute zu suchen. Fast überall sind die Bartgeier in Europa verschwunden. Auf Kreta brüten die letzen vier Paare Griechenlands, auf Korsika noch zehn. In den Pyrenäen scheint der Lebensraum für die seltenen Bartgeier noch intakt.
    Die Bartgeier kontrollieren jeden Tag riesige Reviere in der Bergwildnis, um im Segelflug nach Beute zu suchen. Fast überall sind die Bartgeier in Europa verschwunden. Auf Kreta brüten die letzen vier Paare Griechenlands, auf Korsika noch zehn. In den Pyrenäen scheint der Lebensraum für die seltenen Bartgeier noch intakt.
    Bild: © BR/Pröhl-fokus-natur
  • Kämpfende Hirsche auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Kämpfende Hirsche auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.
    Bild: © BR/Ralf Zipperlen
  • Landschaft beim Truppenübungsplatz Hohenfels. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de.
    Landschaft beim Truppenübungsplatz Hohenfels. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de.
    Bild: © BR/Markus Schmidbauer

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