Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens.
Die Aktuelle Kamera (AK) war nach der Ansprache des Intendanten die erste Sendung im DDR-Fernsehen überhaupt. Der Geburtstag des Fernsehens und der Aktuellen Kamera war auch der von Stalin, entsprechend füllten endlose Glückwunschadressen die erste Sendung - was den Zuschauern einen ganz guten Vorgeschmack auf die Sendungen der kommenden Jahrzehnte gab. Zu den Standardformulierungen gehörte, dass "bei diesem Treffen beiderseits interessierende Fragen behandelt wurden", dass "die Begegnungen im Geiste gegenseitigen Vertrauens und tiefer Freundschaft verlaufen" seien und dass "führende Persönlichkeiten anwesend waren", worauf dann eine lange Namensliste folgte inklusive der offiziellen Titel aller Teilnehmer, was oft gleich mehrere waren. Alle Versuche der AK-Redaktion, dies zu unterlassen, auch mit der Ausrede des Zeitmangels, wurden gerügt. Da die Texte von der Nachrichtenagentur ADN kamen, wurden Veränderungen des Texts als eine Form der Kritik am Inhalt oder gar an den erwähnten Personen gewertet.
Bei Staatsbesuchen galt: Jede Nachricht sollte auf die gleiche Weise gestaltet werden, da man gegenüber keinem Land Hervorhebungen oder Benachteiligungen zulassen wollte. Als die DDR in den 70er Jahren nach und nach international anerkannt wurde, häuften sich die Staatsbesuche; alle Regierungschefs wurden auf dem Flughafen Schönefeld mit dem gleichen Zeremoniell begrüßt. Alle Empfänge wurden in der AK in der exakt gleichen Länge und nahezu identischer Weise gezeigt. Der Chefregisseur errechnete einmal, dass es 17 verschiedene Arten gab, ein in Schönefeld landendes Flugzeug zu filmen. Leider gab es manchmal 25 solcher Besuche in einem Monat - selbst mit allen Variationsmöglichkeiten hätte die AK sich wiederholt.
Die Aktuelle Kamera trug zunächst den Untertitel "Unsere gefunkte Bilderzeitung". Erster Sprecher der Nachrichten war Herbert Köfer, der bis zum Schluss 1990 beim DFF auf dem Bildschirm war. Andere bekannte Sprecher waren Klaus Feldmann und Angelika Unterlauf. Im offiziellen Fernsehversuchsprogramm lief die AK zunächst unregelmäßig und wurde durch Ausgaben der Defa-Wochenschau "Der Augenzeuge" ergänzt. Ab Oktober 1957 liefen die Nachrichten täglich, zunächst um 20.00 Uhr oder 19.45 Uhr, ab Oktober 1960 immer um 19.30 Uhr. Von 1962 bis 1967 wurde die Sendezeit aufgeteilt in 20 Minuten aktuelle Nachrichten und 10 Minuten längere Berichte, die den Titel "Im Blickpunkt" hatten.
Auf Anregung der Redaktion selbst wurde die Aktuelle Kamera im Februar 1972 auf 20 Minuten gekürzt, von aufgesetzter aufdringlicher Kommentierung befreit und journalistischer gestaltet - z. B. entfiel der Zwang, immer erst innen-, dann außenpolitische Themen zu behandeln. Die zehn frei werdenden Minuten wurden durch Dokumentationen unter dem Titel Zehn vor Acht gefüllt. Nur ein halbes Jahr später wurde die neue Sendeform zurückgenommen - auf direkte Initiative des Generalsekretärs Erich Honecker, mit dem Argument, die DDR könne nicht weniger harte Politik als der "Gegner" verbreiten und irgendwelchen Schnickschnack senden.
Zum Arbeitsalltag des Chefredakteurs gehörte, dass um 19.20 Uhr gern das Telefon klingelte und er die Anweisung bekam, zu bestimmten Berichten, die gerade in der heute-Sendung zu sehen waren, Stellung zu nehmen. Von Honecker persönlich wurden teilweise auch die Kommentare der Nachrichtenagentur ADN redigiert, die wörtlich verlesen werden mussten. Dazu gehört auch die berühmt gewordene Formulierung im Herbst 1989, dass die DDR den Republikflüchtigen "keine Träne nachweint".
Noch während der Wendezeit öffnete sich das DDR-Fernsehen sehr schnell, versprach, ausführlich über widerstreitende Meinungen zu berichten, und erfüllte dieses Versprechen mit erstaunlicher Konsequenz. Erstes Zeichen der neuen Zeit war nach der Ablösung Honeckers durch Egon Krenz die Umwandlung der Spätausgabe der Aktuellen Kamera in das Nachrichtenmagazin AK Zwo - allerdings noch angeregt durch die SED. Am 3. November 1989 entschuldigte sich die Redaktion darin bei den Zuschauern, politische Eingriffe der Zensur zugelassen zu haben. Die Aktuelle Kamera erreichte in dieser Wendezeit Einschaltquoten von mehr als 40 Prozent. Trotzdem starb sie mit dem Ende des DFF. Die letzte Sendung moderierte Wolfgang Meyer.