Das sieht Annette Angermann anders. Sie und viele andere Hinterbliebene und Opfer werfen der Bahn bis heute vor sich damals falsch verhalten zu haben. "Es ging nie um die Leute, denen was passiert ist, sondern es ging immer nur um den Konzern Bahn."
Bis heute geht er jeden Abend auf seinem Spaziergang an der Gedenkstätte vorbei. Manchmal sammelt er dort liegengelassenen Müll auf - Flaschen, leere Plastiktüten: "Vielleicht ist das auch ein Stück persönliche Vergangenheitsbewältigung."
Der Film begleitet Roland Fuchs und Christopher Söhnlein über insgesamt eineinhalb Jahre und geht der Frage nach, wie ein Trauma das Leben der Betroffenen beeinflusst und woraus sie Kraft für die Zukunft schöpfen.
Annette Angermann mit ihrer Mutter Gisela an der Küste von Travemünde. Inzwischen hat sie gelernt zu verzeihen: "Man macht es, damit man selber überlebt."
Jetzt, 30 Jahre nach der Katastrophe, begibt sich Christopher Söhnlein zum ersten Mal in Therapie. Der Psychotherapeut Dr. Alexander Jatzko will ihm helfen, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen.
Dafür wendet Dr. Jatzko eine neuartige Therapieform an, genannt EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Dabei wird versucht, die traumatisierenden Bilder und Gefühle mittels Augenbewegungen neu zu verarbeiten und im Gehirn richtig abzuspeichern.