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TV-Kritik/Review: Wilfred
(27.08.2011)

Die Frage nach dem Sinn dieses Formates ergibt sich in zweierlei Hinsicht. Dass die wirklich ungewöhnliche Ausgangssituation einfach anerkannt werden muss und sich daraus zwangsläufig logische Widersprüche im Szenenaufbau ergeben, ist hinzunehmen. Wieso fragt man sich, kann Wilfred eigentlich eine Wasserpfeife in die Hand nehmen. Ryan mag ihn als Menschen in Hundekostüm wahrnehmen, er ist dennoch ein Hund. Die zweite Sinnfrage ergibt sich daraus, dass hier

Die Kunstfigur Wilfred ist für Darsteller Jason Gunn eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Adam Zwar hatte er diesen sympathischen Widerling 2001 für einen sechsminütigen Kurzfilm geschaffen, der auf Anhieb Preise gewann. Inspiriert wurden die beiden übrigens von Beobachtungen, wie Darsteller von Kindertheaterstücken hinter der Bühne rauchten und mit Schimpfwörter um sich geworfen haben. Dass Gunn sich in dem Hundekostüm sichtlich wohl fühlt und die Rolle ihm auf den Leib geschneidert zu sein scheint, ist toll und beängstigend zugleich. Grandios sind vor allem Momente, in denen Wilfred seinen angeborenen Trieben nicht widerstehen kann - und damit sind nicht die Orgien, die er mit dem Teddybär veranstaltet, gemeint. Wenn Wilfred vom Nachbarsjungen dazu angeheizt wird, einem Ball nachzulaufen, den dieser aber in der Hand behält und Wilfred nicht versteht, welchen Trick diese fiese Göre nutzt, dann ist der "Hund" ganz Hund und der Zuschauer lacht sich kaputt.

Elijah Wood - dieser Name steht für die Verkörperung des Weicheis. Seitdem Wood sich für die Rolle des Frodos in der "Herr der Ringe"-Trilogie der Bürde des heulenden Hobbits angenommen hat, wurden seine weiteren Darstellungen immer mit dieser kritisch aufgenommenen Figur verglichen. Dabei tut man Wood Unrecht, ihn auf den Auenlandbewohner zu reduzieren. In "Hooligans" darf er in der berüchtigten dritten Halbzeit mitmischen, in dem wundervollen Drama "Alles ist erleuchtet" spielt er feinfühlig einen amerikanischen Juden, der sich in der Ukraine auf die Spuren seiner Ahnen macht. Mit der Rolle des Ryan schließt sich nun der Kreis für Elijah Wood: Es wirkt fast so, als hätte sich der Schauspieler gewünscht, dass Frodo von Sam mal ähnlich zusammengestaucht wird, wie Wilfred mit Ryan umgeht. Denn so fies Wilfreds Streiche auch seien mögen, sie dienen dem ehren Ziel, seinen Kumpel zu einem besseren Menschen zu machen. Man darf nicht vergessen: Ganz im Sinne des vielbeschworenen Spruches "Humor ist, wenn man trotzdem lacht" wird hier eine Person porträtiert, die in einer schweren Sinnkrise steckt und Hilfe braucht.
Derbe Witze, die oft unter die Gürtellinie gehen, Situationen, die einem das Lachen im Halse stecken lassen und zwei sehr unterschiedliche Hauptfiguren - Skepsis, ob das aufgehen kann, ist durchaus angebracht. Tatsächlich wird nicht jeder mit dieser Comedyserie, die übrigens frühzeitig vom ausstrahlenden Sender FX für eine zweite Staffel verlängert wurde, etwas anfangen können. Doch dienen die Zoten eben dem Zweck, die beiden Hauptfiguren an Profil gewinnen zu lassen, was angesichts der Dialogschärfe und der überzeugenden Darsteller gelingt. Wie man auch immer zu dem skurrilen Konzept stehen mag, eine Geschmacksprobe ist auf jeden Fall anzuraten:Love it or Hate it!
© Roger Förster, 27.08.2011
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