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Zweiter Kinofilm um Büroekel Bernd Stromberg schlägt neue Richtungen ein - und verzettelt sich
Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) zwischen Kritikern und Anhängern
MadeFor Film/Stephan Rabold
TV-Kritik/Review: "Stromberg - Wieder alles wie immer": Klassentreffen mit Papa/MadeFor Film/Stephan Rabold

Wie führt man einen rücksichtslosen Opportunisten, einen ausgewiesenen Bully, einen um rassistische Ausfälle nicht verlegenen Chef und Berufssexisten aus einer Zeit, in der über viele Themen weniger sensibel diskutiert wurde als heutzutage, in die Gegenwart? Vor dieser Frage stand der Drehbuchautor und Produzent Ralf Husmann bei der Entwicklung des zweiten Kinofilms um das ab 2004 auf deutsche Fernsehzuschauer losgelassene Büroekel Bernd Stromberg. Seine Antwort: Indem man voll auf Angriff setzt. Was in diesem Kontext bedeutet, dass  "Stromberg - Wieder alles wie immer" ständig das Damals und das Heute gegenüberstellt, den gesellschaftlichen Wandel permanent in der Handlung diskutiert. Wie sah es früher aus? Welche Entwicklungen haben uns vorangebracht? Und: Ist heute wirklich alles besser? Vor diesem Hintergrund entspinnt sich in der elf Jahre nach  "Stromberg - Der Film" startenden Fortsetzung eine Geschichte mit vielen bekannten Zutaten und einigen markanten Neuerungen, die der Reise des Titelantihelden allerdings nicht immer gut bekommen. Das Ergebnis ist eine durchaus ambitionierte Komödie , die allerdings in sich weniger stimmig wirkt als noch ihr weitgehend im Versicherungskosmos angesiedelter Vorgänger.

Während die Quoten überschaubar blieben, scharte sich um die 2004 erstmals auf ProSieben ausgestrahlte Serie  "Stromberg", eine Adaption (was anfangs nicht so ausgewiesen wurde) des britischen Formats  "The Office", im Laufe der bis 2012 gezeigten fünf Staffeln eine treue Fangemeinde. Gerade weil der schamlos intrigierende, nach unten tretende, sich gern als "Papa" stilisierende Protagonist, ein Abteilungsleiter in der fiktiven Capitol-Versicherung, eine echte Zumutung darstellte, war er eine Bereicherung für die sonst oft so bieder-zahme deutsche Fernsehwelt. Bösere Witze als in "Stromberg" und eine abgründigere Figur, die uns mit unseren eigenen Schattenseiten konfrontierte, musste man damals auf dem kleinen Bildschirm mit der Lupe suchen.

Der zwei Jahre nach dem Ende der Serie veröffentlichte Kinostreifen, der in Zusammenarbeit des ursprünglichen Kreativgespanns Ralf Husmann (Autor) und Arne Feldhusen (Regie) entstand, führte die Geschichte um den von Christoph Maria Herbst markant gespielten Westentaschenchef unterhaltsam fort und ließ ihn nach turbulenten Verwicklungen, darauf deutete das Filmende hin, in einer gehobenen Position im politischen Berlin ankommen. Was genau er bei der SPD gemacht hat, erfahren wir im zweiten Leinwandauftritt jedoch nicht. Vor allem deshalb, wie der Hauptdarsteller in einem aktuellen Spiegel-Interview anklingen ließ, weil man eine Komödie im Politbetrieb nach Hape Kerkelings  "Horst Schlämmer: Isch kandidiere!" aus dem Jahr 2009 als ausgelutscht einstufte. Warum Stromberg im filmischen Finale von 2014 dann trotzdem eben dort landete, ist eine berechtigte Frage.

Das alte Team um Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst, links außen) findet noch einmal zusammen
Das alte Team um Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst, links außen) findet noch einmal zusammen MadeFor Film/Stephan Rabold

Sei's drum. "Stromberg - Wieder alles wie immer" nutzt elf Jahre nach dem ersten Teil eine völlig neue Ausgangssituation, um die zentralen Figuren der Serie wieder zusammenzubringen. In der Tradition US-amerikanischer Reunion-Specials sollen sich Bernd Stromberg und seine früheren Kollegen, die in der Fiktion selbst Protagonisten einer (Fake-)Doku waren, in einem Fernsehstudio wiedersehen. Was ist aus den Leuten geworden? Haben sie sich verändert? Und wie blickt man heute auf den stets von einer Doku-Crew begleiteten Alltag in der Capitol-Versicherung? Jennifer "Schirmchen" Schirrmann (Milena Dreissig) bezeichnet die Zusammenkunft an einer Stelle recht passend als ein Klassentreffen, bei dem alle sitzengeblieben sind.

Die Diskussion "Was war damals alles möglich, und was geht mittlerweile gar nicht mehr?" etabliert das Filmsequel gleich in den Anfangsminuten über eine junge Produktionsleiterin (Sophia Burtscher) im Studio, die sich Ausschnitte aus der fiktiven Stromberg-Doku anschaut, um Einspieler für die Show zu finden. Der Sexismus, der ihr in den "Weisheiten" des Capitol-Abteilungsleiters entgegenschlägt, bringt sie sichtlich auf die Palme.

Kurz vor dem Start der Aufzeichnung prallen dann als Stromberg verkleidete Groupies und ablehnende Demonstranten vor dem Gebäude buchstäblich aufeinander. Das bloß Hintergrundrauschen bleibende Handgemenge bringt die Macher der Reunion dazu, das Event um zwei Tage zu verschieben, in der Hoffnung, dass sich die Aufregung bis dahin wieder gelegt hat.

Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel) hat seine Erfahrungen in Buchform gepresst
Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel) hat seine Erfahrungen in Buchform gepresst MadeFor Film/Stephan Rabold

Die Teilnehmer am "Klassentreffen" - Stromberg selbst, seine Ex Jennifer mit ihrem neuen Lover Julian (László Branko Breiding) im Schlepptau, das Ehepaar Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk) sowie Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel) - werden daraufhin vom Drehbuch durch die Gegend gescheucht. Lebte die Serie und auch der Kinovorgänger noch von der Konzentration auf den Versicherungskosmos, der als Brennglas für gesellschaftliche Zustände diente, öffnet "Stromberg - Wieder alles wie immer" nun stärker die erzählerische Welt, sprich: Es kommt zu mehr Schauplatzwechseln. Der böse Humor, ein Markenzeichen des Formats, bleibt erhalten. Kreativ hat sich Husmann erneut ausgetobt (Kostprobe: "Ich bin wie Lady Di, nur mit Bart!"). Die Schlagzahl der markanten Pointen ist allerdings geringer als beim letzten Mal.

Was die Entwicklung der Figuren anbelangt, schwankt leider die Qualität: Stromberg gibt sich bei seinem ersten Auftritt nach rund zehn Minuten geläutert ("Ein Upgrade als Chef und auch als Mensch!"), ist aber nach wie vor der schonungslos austeilende, keinen fiesen Spruch scheuende Egomane, als den wir ihn 2004 kennengelernt haben. Seine tragische Seite, die Tatsache, dass er im Grunde ein armes Würstchen auf der Suche nach etwas Anerkennung ist, blitzte schon früher mehrfach auf. Der neue Film jedoch vertieft diesen Gedanken.

Strombergs Reise, eine Achterbahnfahrt der Gefühle, führt etwa ab der Mitte, als er ein Fiasko bei seinem derzeitigen Arbeitgeber erlebt, in eine gewagte Richtung, die an einen starbesetzten Hollywood-Thriller denken lässt (wer wissen will, welcher Titel gemeint ist, klicke bitte  hier). Gleichwohl scheuen die Macher davor zurück, dieser Spur konsequent zu folgen, da sie ihre Hauptfigur für etwaige Fortsetzungen nicht komplett demontieren wollen. Nach der Wende um den Halbzeitpunkt herum wird es fahriger, fühlt sich die Eskalation zunehmend konstruierter an - im Gegensatz zu "Stromberg - Der Film", wo sich die Ereignisse organischer, natürlicher überschlagen. Gleiches gilt für das bewährte Muster, wonach es der Protagonist am Ende irgendwie jedes Mal schafft, sich aus dem selbstverschuldeten Schlammassel herauszulavieren. In "Stromberg - Wieder alles wie immer" überzeugt der Weg nur bedingt. Nicht zuletzt, weil man fragen darf, warum das Vorgehen des Titelantihelden keinerlei Konsequenzen hat. Mit dem Finale wollen Husmann und Co offenbar dem Wiedererstarken reaktionärer Kräfte und Weltbilder in der Realität, der Rückbesinnung auf eine vermeintlich "gute, alte Zeit" Rechnung tragen. Ihrer Dramaturgie fehlt es aber an Schlüssigkeit.

Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk) beobachten, wie Stromberg (Christoph Maria Herbst, Mitte) wieder auf dicke Hose macht
Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk) beobachten, wie Stromberg (Christoph Maria Herbst, Mitte) wieder auf dicke Hose macht MadeFor Film/Stephan Rabold

Strombergs einstige Flamme Jennifer, die mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, bleibt eher farblos, während ihr junger, nach Aufmerksamkeit gierender Influencer-Freund Julian als arg plumpe Karikatur der Social-Media-Auswüchse in Erscheinung tritt. Vor allem an seinem Beispiel will der Film aufzeigen, dass jede Zeit ihre spezifischen Bullys, Ausbeuter und Charakterschweine hat. Stromberg in anderem Gewand - so lässt sich der Content-Creator wohl am besten beschreiben. Bei Tanja und Ulf, dem ewigen Paar, das nach wie vor in der Capitol-Versicherung arbeitet, geht es mal wieder um verschiedene Beziehungsansichten und Arbeitseinstellungen. Wirklich Überraschendes hat ihre Geschichte allerdings nicht zu bieten. Über ihren Adoptivsohn Marvin wird zudem sehr willkürlich das Thema LGBTQ+ eingestreut, an dem sich Stromberg kurz abarbeiten darf.

Unter den Nebenfiguren ist Ernies Wandelung wohl am interessantesten. Einst Büroprügelknabe und ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelnd, hat er inzwischen ganz zu sich gefunden. Seine Mobbingerfahrungen sind nun sein Geschäftsmodell. Als Life-Coach mit Selbstermächtigungsratgeber und Teflonpfanne auf zwei Beinen perlen alle frischen Stromberg-Lästerattacken an ihm ab. Witzig, wie der Film hier beharrlich die Erwartungen unterläuft.

Der Film "Stromberg - Wieder alles wie immer" kommt in Deutschland am 4. Dezember in die Kinos. Für 2026 ist eine Veröffentlichung auf Prime Video und später auf ProSieben geplant.

Meine Wertung: 2.5/5



 

Über den Autor

  • Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.
Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

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Leserkommentare

  • Fernsehsenf schrieb am 13.12.2025, 14.37 Uhr:
    [Spoiler] Habe den Film auch die Tage gesehen. Das neue Setting habe ich erst für einen Gag gehalten und dachte so "netter Gag, und wann geht's jetzt *richtig* los?", also mit Versicherung und Bürobüro undsoweiter. Pustekuchen, nix mehr mit Büro und der Titel "wieder alles wie immer" erweist sich als blanke Ironie :-)) . Ja okay, ich fand es dann auch nicht direkt schlecht, war mal was anderes. Die Figuren wurden im Gegensatz zu früher ja auch interessant weiterentwickelt, vor allem Ernie zum Positiven, Ulf zum Negativen - und Stromberg gerät diesmal eh an seine Grenzen, boah ey. Insgesamt wirkte es auf mich aber doch eher bemüht und lustlos, muss man nicht gesehen haben.
  • User 1810564 schrieb am 10.12.2025, 08.02 Uhr:
    Ein Aspekt, der mich persönlich besonders gestört hat, ist, dass László Branko Breiding als Julian Gilsmeyer derart unästhetisch mit offenem Mund Kaugummi kaut und es am Ende der Fernsehsendung tatsächlich aus dem Mund nimmt, um es einfach auf den Tisch zu legen. Für mich ist das nicht miteinander vereinbar: In einem Erziehungsfilm werden Witze gemacht, auf die sofortige Entschuldigungen folgen müssen. Zugleich kaut aber jemand den ganzen Film über Kaugummi und hat dabei den Mund offen. Insgesamt handelt es sich um eine eher verworrene Geschichte, die trotz des Casts bei mir nicht zündete. Als ich bei der Ticketkontrolle vorbeiging, erhielt ich eine kleine Tüte mit Erdnussflipps geschenkt – dagegen ist ja zunächst nichts einzuwenden. Allerdings waren die Erdnussflipps und ihre Verpackung im Film ständig zu sehen. Wo sitzt Herr Stromberg dann? Bei McDonald's, für Christoph Maria Herbst ebenfalls Werbung macht. Als Kinobesucher zahlt man etwa 20 Euro für einen Erziehungsfilm, bei dem so viel Werbung gemacht wird; ich hätte mir den Kinobesuch sparen sollen.
  • TheRealSnakePlissken schrieb am 07.12.2025, 18.02 Uhr:
    Erstaunlich wenige Leute im Kino am Samstagabend um 20 Uhr. Wahrscheinlich interessiert die Jüngeren, die die Serie nicht gesehen haben, deutsche Komädie mit Ch.M. Herbst in der Hauptrolle sowieso nicht. Die älteren wie mich nervt die Erziehungsfernsehen-Attitüde:
    Man verfolgt das Treiben der halb peinlich berührende, halb unkorrekt unterhaltsam schwadronierende Figur des inkompetenten Bürohengsten, bekommt dann aber immer noch die Entschuldigung / Erklärung nachgeliefert. Brauch ich nicht!
    Was auch schief ging ist, dass ein Stromberg ausserhalb des Bürokosmos gar nicht funktioniert. Wer lässt sich denn so einen Typen gefallen, ausser er ist als Angestellter dazu gezwungen, um seine Brötchen zu verdienen. Jaaa, es gibt auch den Orangen in Washington, der uns praktisch täglich mit Strombergereien auf die Nerven geht. Aber natürlich wenig zum Lachen dabei.
  • arcturus schrieb am 10.12.2025, 21.02 Uhr:
    "Jaaa, es gibt auch den Orangen in Washington"
    Da braucht man gar nicht so weit schauen, da reicht ein Blick ins Berliner Theater zum Augsburger Puppenkanzler, der dort seit Mai als rote Marionette mitspielt ;)
    Mehr Stromberg geht in der Realität nicht :)
  • User 1810564 schrieb am 10.12.2025, 07.55 Uhr:
    Den Orangen in Washington, der Herr ist der Präsident der USA, ja, mich nerven die Erziehungsfeinsehen-Attitüde auch, aber etwas mehr Respekt gegenüber Herrn Trump würde ich mir dann doch wünschen.
  • Hans18 schrieb am 05.12.2025, 23.31 Uhr:
    Ich finde den Aufhänger des Films sehr gut. Nicht wieder Versicherung und eh das gleiche, sondern ein etwas anderes Setting. Top!
  • TV-Sensation schrieb am 03.12.2025, 19.44 Uhr:
    Nun, das ist im Grunde recht plausibel zu erklären: Damals wurde weniger „sensibel“ über alles diskutiert, weil es keine Sprach- und Denkauflagen gab. 
    any questions?
  • DefJam schrieb am 11.12.2025, 01.45 Uhr:
    Da fühlt sich wohl einer ertappt und empört sich erneut - der Empörte.
  • User 1810564 schrieb am 10.12.2025, 07.58 Uhr:
    Meiner Ansicht nach liegt das Niveau Ihrer Wortwahl weit unter dem von Herrn Stromberg, und im Vergleich zu den Sprüchen von Herrn Stromberg ist es überhaupt nicht amüsant.
  • Phantomias schrieb am 04.12.2025, 06.33 Uhr:
    Diese "Auflagen" kommen aber aus der Gesellschaft, die meint, sich über alles fremdempören zu müssen, was einen im Grunde einen feuchten Furz angeht.
    Heißt, solche Deppen wurden von ehem. Strombergfans in die Welt geschissen und verzogen.
    Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht.